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Tausende erweisen Ratko Mladić die letzte Ehre

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Tausende Trauernde vor St.-Lukas-Kirche
©APA/APA/AFP/OLIVER BUNIC
In der serbischen Hauptstadt Belgrad haben Montagfrüh die umstrittenen Feierlichkeiten zur Beisetzung des verstorbenen Kriegsverbrechers Ratko Mladić begonnen. Tausende Menschen versammelten sich vor der Belgrader St.-Lukas-Kirche, um Mladić die letzte Ehre zu erweisen. Mladić war am 27. August im Alter von 83 Jahren im Gefängnis vom einstigen Tribunal für Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien (ICTY) in Den Haag verstorben.

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Mladić wurde wegen Völkermords, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Bosnien-Krieges zu lebenslanger Haft verurteilt. Sein Schuldspruch wurde 2021 letztinstanzlich bestätigt.

Unter den Trauernden versammelten sich auffallend viele Männer, etliche gehörten wohl in den 1990er-Jahren den bosnisch-serbischen Truppen an. Mladić, den sie weiterhin als Helden betrachten, war ihr Militärchef. Nicht wenige trugen die Abbildung des Kriegsverbrechers auf ihren schwarzen T-Shirts.

Ob der Abschiedsgottesdienst kurz nach Mittag vom serbisch-orthodoxen Patriarchen Porfirije zelebriert werden wird, war in den Morgenstunden noch nicht bekannt. Präsident Aleksandar Vučić wird dem Begräbnis auf dem kleineren Belgrader Friedhof im Stadtviertel Topcider nicht beiwohnen. Grund dafür sei ein bereits seit vor Monaten geplanter Besuch des usbekischen Präsidenten Shavkat Mirziyoyev, erklärte der serbische Präsident.

Bei dem Begräbnis wird voraussichtlich Justizminister Nenad Vujić anwesend sein. Vujić war früher Mitglied der ultranationalistischen Partei von Vojislav Šešelj, der ebenfalls wegen Kriegsverbrechen verurteilt wurde. Kurz nach dem Tod Mladićs hatte Vujić angekündigt, dass dieser mit "militärischen und staatlichen Ehren" beerdigt werde.

Mladićs Name ist untrennbar mit dem Massaker von Srebrenica im Juli 1995 verbunden. Bosnisch-serbische Truppen unter seinem Kommando stürmten die UNO-Schutzzone und ermordeten rund 8.000 muslimische Männer und Burschen.

Die Belgrader Jugendinitiative für Menschenrechte (YIHR) zählte nach eigenen Angaben landesweit mehr als 250 Graffiti und Abbildungen von Mladić, die meisten davon in Belgrad.

Eine drei Jahre zurückliegende Meinungsumfrage derselben Organisation zeigte allerdings, dass die Mehrheit der jungen Menschen in Serbien Mladić nicht als Helden betrachteten. "Die Anstrengungen der Behörden in Serbien, Mladić als Helden zu verherrlichen, zielen darauf ab, der jungen Generation Kriegsverbrecher als Modellmenschen aufzudrängen", schrieb die Organisation auf ihrer Webseite.

"Uns werden Ratko Mladić und falsche Helden gegeben, um unsere leeren Mägen zu betäuben", meinte am Sonntag die Menschenrechtsaktivistin Aida Ćorović gegenüber dem serbischen Nachrichtensender N1. Die serbische Regierung nutze Mladić, um die nationalistische Stimmung in der Gesellschaft weiter zu schüren. Das bringe gute Wahlergebnisse, so Ćorović.

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