Österreichs Spitzenpolitiker:innen nutzen Social Media – doch anstatt Inhalte mit politischer Relevanz zu teilen, dominieren Selbstdarstellung, Imagefilme und Alltags-Anekdoten. Ein Kommentar aus Sicht der Gen Z zeigt, warum diese Auftritte oft an der jungen Zielgruppe vorbeigehen und welche Folgen das haben kann.
Die Social-Media-Profile der österreichischen Spitzenpolitik sind eintönig, verkrampft und dienen in den seltensten Fällen als Plattform, um politische Denkanstöße zu teilen. Dabei ist der Online-Auftritt eine zunehmend wichtiger werdende Form der Selbstdarstellung. Vor allem die junge Generation, zu der ich auch gehöre, informiert sich über soziale Netzwerke, wie Instagram oder TikTok.
Dass das Gestalten von politischen Social-Media-Kanälen reale Auswirkungen auf Wahlergebnisse hat, hat man an der Bundestagswahl in Deutschland gesehen. AfD und Linke hätten ohne die geschickte Instrumentalisierung von TikTok niemals eine derart große Wählerschaft in der Gruppe der unter 25-Jährigen erreichen können.
Eigenlob und große Bühne für kleine Themen
Bei einem Deep-Dive in die Welt der Instagram- und TikTok-Profile der österreichischen Spitzenpolitik ist mir aufgefallen: Viele posten Ausschnitte aus Parlamentsreden oder Fernsehauftritten. Wenn einmal doch ein Video eigens für Instagram aufgenommen wird, dann ist das entweder Eigenlob für die bisherigen Regierungserfolge (bei Integrationsministerin Claudia Plakolm der Stopp des Familiennachzugs, bei Vizekanzler Babler die Einführung einer unabhängigen Staatsanwaltschaft), oder es werden kleine Themen groß angepriesen, die dann mit einer unkonkreten „Wir packen das“-Mentalität abgesegnet werden. Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer regt sich regelmäßig bei seinen fast 10.000 Followern über die „Lifestyle-Teilzeit“ auf und meint am Ende, dass Fleiß besser entlohnt werden sollte.
Seltsame Selfies, nicht enden wollende Videos
Von seltsamen Selfies aus ungünstigen Winkeln bis hin zu minutenlangen Videos, in denen extrem detailreich über den Tag erzählt wird: Fremdscham kommt beim Insta-Profil unseres Bundeskanzler auf, der dort zum Beispiel mit Markus Söder Bratwurst isst, einen Vespa-Verleih in Kärnten besucht oder beim Fliegenfischen. Da finde ich locke- rere TikTok-Trend-Versuche, wie sie auf dem Account von Außenministerin Beate-Meinl Reisinger zu finden sind, noch angenehmer.
Und dann bekommt man noch aufwendige Imagefilmchen präsentiert, die mit melodramatischer Musik unterlegt werden. Solche Videos werden oft im Zusammenhang mit Staatsbesuchen oder etwa beim Besuch des Werks der BMW Group in Steyr gepostet.
Reduziert auf ein Meme
Jeder Politiker und jede Politikerin braucht mittlerweile einen Insta-Account. Doch nach meinem Deep-Dive habe ich keinen einzigen Account gefunden, der in Ruhe politische Stellungnahmen teilt, auf wichtige Themen aufmerksam macht oder einen authentischen Blick hinter die Kulissen gewährt. Kann das denn so schwer sein? Fazit: So beschäftigen sich Jugendliche erst dann mit Politikerinnen und Politikern, wenn wieder ein Meme über ihre Social-Media-Versuche die Runde macht.
Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr.35/2025 erschienen.