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Die dänische Regierung reagierte mit scharfer Kritik auf den Vorfall. Außenminister Lars Løkke Rasmussen bestellte den russischen Botschafter ein. Rasmussen nannte den Vorfall "inakzeptabel", da er Menschenleben hätte gefährden können. "Dänemark arbeitet daran, dass alle Schiffe die dänischen Gewässer friedlich passieren können, aber Russland verschiebt allmählich die Grenzen des Akzeptablen", teilte der Außenminister mit. Der russische Botschafter Wladimir Barbin warf den dänischen Militärhubschraubern dagegen vor, in der Ostsee gefährliche Manöver in der Nähe seiner Kriegsschiffe durchgeführt zu haben. Russland habe Kopenhagen eine offizielle Note übermittelt, in der es sich über solche Vorfälle beschwert, teilte der russische Botschafter in Dänemark am Dienstag laut der staatlichen russischen Nachrichtenagentur RIA mit.
Ministerpräsidentin Mette Frederiksen bezeichnete den Vorfall als ernst, aber nicht überraschend. Dies sei Teil eines Verhaltensmusters, mit dem ein zunehmend aggressives Russland seine hybride Kriegsführung gegen Europa verschärfe und die NATO teste. "Unsere Antwort darauf lautet, enger zusammenzustehen und die Verteidigung Dänemarks und Europas zu stärken", erklärte Frederiksen.
Der Vorfall ereignete sich "in Verbindung mit einer routinemäßigen Foto-Aufklärung" der Fregatte in internationalen Gewässern vor dem dänischen Hafenort Gedser, teilte das Verteidigungsministerium mit. Eine der abgefeuerten sogenannten "flares" sei in geringem Abstand an dem Hubschrauber vorbeigeflogen. Der Besatzung sei nichts passiert. Bei der Leuchtmunition handle es sich um Pyrotechnik, die auf See üblicherweise als Warnsignal genutzt werde, hieß es in der Mitteilung weiter. Nach Einschätzung des Forschers Peter Viggo Jakobsen von der dänischen Verteidigungsakademie ist bei diesem Vorfall aber von Warnschüssen oder einer Machtdemonstration auszugehen: "Die Russen sagen damit: Lasst es sein, uns zu fotografieren, und fliegt nicht so dicht an uns heran."
Die Ostseeregion befindet sich seit Beginn der russischen Invasion in der Ukraine im Februar 2022 in erhöhter Alarmbereitschaft. Es kam seither wiederholt zu Beschädigungen von Gaspipelines und Unterseedatenkabeln sowie zu Luftraumverletzungen und Drohnensichtungen, was die Spannungen zwischen Russland und dem Westen verschärft hat. Die dänischen Meerengen sind die wichtigste Seeroute von und zur Ostsee für die Handels- und Militärschifffahrt. Sie sind zudem eine Hauptverkehrsader für weltweite Öllieferungen, einschließlich der Transporte der sogenannten russischen Schattenflotte zur Umgehung westlicher Sanktionen.
Kampfflugzeuge der NATO haben über Litauen nach Regierungsangaben unterdessen eine Drohne abgeschossen. Das unbemannte Flugobjekt sei am Dienstag kurz nach Mitternacht von italienischen Eurofightern vom Himmel geholt worden, teilte das Verteidigungsministerium in Vilnius mit. Genauere Angaben zur Herkunft und zum Typ der abgeschossenen Drohne gab es zunächst nicht.
"Ich danke den Einsatzkräften der Allianz für ihre schnelle Reaktion", schrieb Präsident Gitanas Nauseda auf der Plattform X. "Angesichts der zunehmenden Aggression Russlands gegen die Ukraine ist diese Bereitschaft für unsere Region von entscheidender Bedeutung. Gemeinsam mit unseren NATO-Verbündeten wird Litauen seinen Luftraum verteidigen." Es war Berichten zufolge das erste Mal, dass eine Drohne über Litauen abgeschossen wurde.
Nach Angaben des Leiters des nationalen Krisenmanagementzentrums, Vilmantas Vitkauskas, wurde die Drohne über einem ländlichen Gebiet nahe dem Dorf Pratkunai abgeschossen, das rund 50 Kilometer südöstlich der zweitgrößten Stadt Kaunas liegt. Nach ersten Erkenntnissen flog die Drohne wahrscheinlich von Belarus nach Litauen ein, wie er im litauischen Rundfunk sagte. Informationen über Opfer oder Schäden gebe es bisher nicht. Im Abschussgebiet seien Trümmerteile einer Drohne gefunden worden, die nun untersucht werden.
Litauen grenzt an die russische Ostsee-Exklave Kaliningrad sowie an Russlands Verbündeten Belarus. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine fühlt sich das Land in besonderem Maße bedroht. Litauens Militärgeheimdienst liegen nach Regierungsangaben Informationen vor, wonach Russland Angriffe auf kritische Infrastruktur in den baltischen Staaten erwägen könnte.
Im Zuge des Ukraine-Krieges hat es bereits mehrere Vorfälle mit Drohnen in Litauen und den beiden anderen Baltenstaaten Estland und Lettland gegeben. Bei ukrainischen Angriffen waren wiederholt fehlgeleitete unbemannte Flugkörper, mit denen Kiew Ziele im Nordwesten Russlands angegriffen hatte, in den Luftraum eingedrungen und abgestürzt. In Litauen waren in der Vergangenheit auch Drohnen russischen Fabrikats aus Belarus eingeflogen.
Größere NATO-Staaten übernehmen im Baltikum abwechselnd die Luftraumüberwachung der Mitgliedsstaaten Estland, Litauen und Lettland, die keine eigenen Kampfjets besitzen. Die italienischen Kampfjets sind auf dem Militärflughafen Siauliai (Litauen) stationiert. Sie hatten zuletzt bereits im August eine aus Belarus in den Luftraum des benachbarten Lettlands eingeflogene Drohne abgeschossen. Auch in Estland wurde schon eine Drohne von NATO-Kampfjets vom Himmel geholt.
