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Prozess um Anschlagspläne auf Swift-Konzert fortgesetzt

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Die beiden Angeklagten am ersten Prozesstag Ende April
©APA, Roland Schlager
Am Dienstag ist am Landesgericht Wiener Neustadt der Prozess gegen Beran A. wegen eines mutmaßlich verhinderten Terroranschlags auf ein Taylor Swift-Konzert im Wiener Ernst-Happel-Stadion mit ersten Zeugeneinvernahmen fortgesetzt worden. Ein Bekannter des Erstangeklagten Beran A. schilderte, dass dieser in den Wochen vor den geplanten Konzerten stark radikalisiert gewesen sei und den Zeugen mehrfach ersuchte, ihm Waffen zu besorgen.

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Im Frühsommer 2024 sei Beran A. bereits radikal gewesen. Im Juli, zwei Monate vor den geplanten Konzerten, habe er offen mit dem Islamischen Staat (IS) sympathisiert. Bereits im Februar habe er sich bei dem Zeugen nach einer "scharfen" Waffe erkundigt. "Er hat gemeint zur Selbstverteidigung, aber das hab ich ihm eh nicht geglaubt." Als Beran A. ihn später bat, ihn mit dem Auto nach Wien zu bringen, hätte er "ein ungutes Gefühl" gehabt. Er entgegnete ihm damals: "Solange das kein Amoklauf ist, ist alles ok."

Am Tag bevor er verhaftet wurde, habe sich Beran A. bei ihm nach bestimmten Batterien erkundigt. Daraufhin habe er ihn gefragt: "Willst du eine Bombe basteln, oder wofür brauchst du Batterien?", woraufhin der Angeklagte nach einem Zögern mit seinem Fernseher argumentierte. "An dem Tag habe ich überlegt, zur Polizei zu gehen. Am nächsten stand schon der Verfassungsschutz vor meiner Tür und hat mich abgeholt."

Auch nach einer Schreckschusspistole hatte Beran A. den Zeugen zuvor gefragt, weil er gewusst hätte, dass er ihm eine besorgen könne. Man habe auch ein paar Mal "einfach so ein bisserl rumgeballert, weil uns einfach fad war." (...) "Wir haben damals viele Dummheiten gemacht." Dass der Zeuge Christ ist, sei für Beran A. kein Problem gewesen. "Er hat zwar ein paar Mal versucht, mich zu bekehren, aber das hat nicht funktioniert."

Einen weiteren heute geladenen Zeugen hatte Beran A. gefragt, wo er eine Zündschnur erwerben könne. "Auf Amazon", habe dieser ihm entgegnet. Ansonsten gestaltete sich die Befragung des Teenagers nicht sonderlich aufschlussreich, konnte er sich doch bei keiner Frage an die zwei Jahre zurückliegenden Vorgänge erinnern. Als eine der Geschworenen den in Handschellen in den Schwurgerichtssaal gebrachten Mann fragte, ob er sich vor einem der Angeklagten fürchte, verneinte er.

Thema war heute auch die Uhr, die der Angeklagte bei seiner Verhaftung trug. Eine Casio-Digitaluhr, dasselbe Modell, das auch Osama Bin Laden trug. Dass dieses Modell für Zeitbomben stehe und vom wohl bekanntesten Islamisten der Geschichte getragen wurde, habe Beran A. aber erst nach seiner Verhaftung erfahren, beteuerte er. Am gestrigen Montag stellte er einen Antrag, die Uhr wieder zu bekommen. "Sie wissen aber schon, was für ein Bild das macht?", fragte ihn die Vorsitzende. "Ich brauche eine Uhr einfach. Ich hatte keine Absicht, dass ich jetzt den Osama Bin Laden nachmache oder eine Zeitbombe baue", versicherte er.

Prozessgegenstand ist neben dem mutmaßlich verhinderten Swift-Attentat ein Anschlag in Mekka. Beran A. und der mitangeklagte Arda K. sollen ihren ehemaligen Schulfreund Hasan E. zu dem Terrorakt bewogen haben. Die beiden Angeklagten stellen das in Abrede und sagten aus, der in Saudi-Arabien in Haft sitzende Hasan E. soll sie zu Anschlägen in Dubai bzw. Istanbul angestiftet haben. Beide zogen in letzter Sekunde zurück. Hasan E. stach in Mekka auf Sicherheitsbeamte ein.

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