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Die Diakonie als Dachverband von Sozialorganisationen der evangelischen Kirche ist vor allem in den Bereichen Pflege, Gesundheit, Inklusion und Integration tätig. Derzeit beziehen rund 500.000 Menschen in Österreich Pflegegeld. 20 Prozent befinden sich in stationärer Pflege, 80 Prozent leben daheim. Letztere Gruppe wird zur Hälfte von Angehörigen betreut, von denen wiederum ebenfalls schon ein großer Teil 60 Jahre oder älter ist. Für pflegende Angehörige fehle aber vielfach die nötige Information - daher schlug Moser analog zum Gesundheitstelefon 1450 eine österreichweite Beratungshotline für Pflege 1460 vor.
Als weiteres Problem ortete Moser die Schnittstelle zwischen Gesundheitssystem und Pflege - also wenn etwa Menschen nach einem Spitalsaufenthalt nach Hause kommen. Oft finde sich dann keine Kurzzeitpflege. Eine weitere Baustelle sei das Begutachtungsverfahren für die Gewährung von Pflegegeld. Hier passe teils die fachliche Kompetenz nicht, Menschen würden oft respektlos behandelt. Moser plädierte für eine unabhängige Stelle für Begutachtungsverfahren - das Pflegegeld sei außerdem stark medizinisch definiert, es fehlten auch soziale Kriterien.
Kritik übte die Diakonie-Direktorin an der geplanten Anhebung der bisher reduzierten Arbeitslosenversicherungsbeiträge für geringe Einkommen. Das könnte 700.000 bis 800.000 Personen betreffen, der Großteil davon Frauen. Nicht eindeutig negativ beurteilte sie dagegen die geplante Anhebung der Pensionen knapp unter der Inflationsrate. Der Diakonie seien vor allem die Mindestpensionen wichtig. Hier stelle sich die Frage, ob man sozial staffeln könne.
Ganz generell mahnte sie eine gerechte Verteilung der Lasten bei der Budgetsanierung ein. So habe das letzte Budget die untersten Einkommen relativ gesehen mehr belastet als die obersten Einkommen. Daher brauche es für alle Maßnahmen einen Fairness- oder Gerechtigkeitscheck - und zwar vor Beschluss und nicht erst im Nachhinein.
Nicht explizit fordern wollte Moser die Einführung von Vermögens- oder Erbschaftssteuern. Sie müssten aber zumindest ein Thema sein. Eine Erbschaftssteuer wäre etwa eine Möglichkeit, mehr Geld in die Pflege zu bringen.
Kritisch sah Moser die Einschränkungen beim Familiennachzug. Das Recht auf Familie sei ein Menschenrecht, Familie würde außerdem stabilisierend für viele wirken. "Die Menschenrechte gelten für alle Menschen." Wenn man beginne, einzelne Menschenrechte für eine bestimmte Gruppe in Frage zu stellen, stelle man die Menschenrechte insgesamt in Frage und höhle damit die Wertebasis unserer Gesellschaft aus.






