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Protest gegen Wiederkehr wegen Fremdsprachen-Kürzung

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Wiederkehrs Reform der Lehrpläne stößt auf Widerstand
©APA, GEORG HOCHMUTH
Nach der Aufregung rund um die von Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) geplante Kürzung von Latein-Stunden bei gleichzeitigem Ausbau des Unterrichts zu KI an den AHS-Oberstufen formiert sich nun auch Widerstand gegen dasselbe Vorhaben in Bezug auf die zweiten lebenden Fremdsprachen: Bereits mehr als 320 Wissenschafter, Experten und Fremdsprachenlehrer österreichweit haben einen an der Uni Innsbruck initiierten "Offenen Brief" an den Minister unterzeichnet.

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Darin fordert man die Abkehr von dem Vorhaben bzw. dass der "Unterricht in den zweiten lebenden Fremdsprachen uneingeschränkt weitergeführt wird", wie es in dem der APA vorliegenden Brief heißt, der neben Wissenschaftern, Lehrern und Experten auch von Arbeitsgemeinschafts (ARGE)-Leiterinnen und Leitern unterfertigt wurde. Österreich könne es sich "schlichtweg nicht leisten, in der Sprachenbildung unserer Schüler:innen noch weiter zurückzufallen." Initiiert wurde die Aktion von Katrin Schmiderer und Eva Maria Hirzinger-Unterrainer vom Institut für Fachdidaktik an der Universität Innsbruck. "Wir erwarten uns, dass der Minister unsere Bedenken und Argumente in seinen weiteren Überlegungen berücksichtigt. Gerne stellen wir auch unsere Expertise zur Verfügung", sagte Schmiderer, auch ARGE-Leiterin für Italienisch an den Allgemeinbildenden Höheren Schulen in Tirol, zur APA. Man sei jedenfalls "sehr beunruhigt."

Der Plan des Bildungsministeriums sieht vor, dass an den AHS-Oberstufen ab 2027/28 aus Informatik das Fach "Informatik und Künstliche Intelligenz" wird sowie dessen Stundenausmaß von zwei auf drei Wochenstunden über die gesamte Oberstufe gerechnet erhöht werden soll. Zusätzlich soll ein neuer Gegenstand "Medien und Demokratie" mit zwei Wochenstunden (ebenfalls über die gesamte Oberstufe gerechnet) eingeführt werden. Im Gegenzug soll es im Gymnasium in der vierjährigen Oberstufe nur noch acht statt bisher zwölf Stunden Latein geben, pro Schulstufe würden damit nur mehr zwei statt drei Stunden Latein pro Woche auf dem Stundenplan stehen. Besuchen Jugendliche ein Realgymnasium und haben statt Latein eine zweite lebende Fremdsprache gewählt, werden hier zwei Stunden gekürzt. Über eine Stunde, die durch die Reform frei wird, sollen die Schulen autonom entscheiden können.

Die geplante Maßnahme wäre umso kontraproduktiver, da Österreich bereits jetzt "neben Ungarn und Irland zu den Schlusslichtern in Bezug auf das schulische Fremdsprachenlernen" gehöre, heißt es in dem "Offenen Brief". In der Sekundarstufe I beispielsweise würden lediglich 7,6 Prozent der österreichischen Schülerinnen und Schüler zwei oder mehr Lebende Fremdsprachen lernen, während der EU-Durchschnitt bei 59,9 Prozent liegt.

Bei einer Kürzung um zwei Wochenstunden, das entspricht mehr als 60 Stunden insgesamt, sei das Erreichen des "B1-Niveaus" stark in Gefahr, wurde Alarm geschlagen. Das Niveau werde durch den "Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen" vorgegeben und sei unerlässlich, um eine Fremdsprache zufriedenstellend zu beherrschen. Dabei würde der Großteil der Schüler mehr als eine Fremdsprache lernen wollen - dies würden Befragungen zeigen.

Darüber hinaus wurden in dem Schreiben an den Minister einige der wichtigsten Argumente gegen die Kürzung bzw. Umstellung angeführt. Diese unterminiere "den europäischen Grundgedanken von Mehrsprachigkeit und widerspricht der Zielvorgabe, dass alle Menschen in Europa zumindest zwei weitere Sprachen abgesehen von ihren Erstsprachen beherrschen sollen". In einer "zunehmend globalisierten und pluralen Welt" komme dem Fremdsprachenunterricht eine "Schlüsselrolle" zu. Insbesondere zweite und dritte lebende Fremdsprachen würden Zugänge zu sprachlichen und kulturellen Kontexten ermöglichen, "die über das Englische nur unzufriedenstellend erreicht werden." Dabei spielten die Experten etwa auf den lateinamerikanischen Raum an - "ein auch für Österreich zunehmend wichtiger Wirtschaftsmarkt."

Auch wurde der Fremdsprachenunterricht als der "ideale Ort für Demokratiebildung im formalen Bildungskontext" bezeichnet, der in polarisierten Zeiten wie diesen immer wichtiger werde. Zudem werde die "kritische Medienkompetenz" gefördert. In diesen Zusammenhang wurde von den Initiatorinnen der Protestaktion auch die KI ins Spiel gebracht. Fremdsprachenunterricht nutze "proaktiv aktuelle Entwicklungen durch künstliche Intelligenz, etwa für personalisierte Übungsmöglichkeiten mit mündlichen Chatbots oder für unmittelbares Feedback."

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