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"Ich war immer eine Verfechterin des Mottos: 'Wer zahlt, schafft an'", begründete Mathies unter anderem ihre Meinung, dass der Bund künftig die Gesamtkompetenz bzw. Gesamtverantwortung in der Bildung haben solle. Schließlich würden die Bundesländer die Gelder für fast alle Landeslehrerinnen und -lehrer über den Finanzausgleich vom Bund erhalten. Eine Kompetenzverschiebung wäre daher eine sinnvolle und notwendige Änderung, die die "Reformpartnerschaft" auf den Weg bringen könnte. Österreich als "Neun Millionen-Land" sei "zu klein" für die derzeitige föderale Struktur bzw. gemischte Zuständigkeit im Bildungsbereich. "Ich wünsche mir mehr gesamthafte Governance. Derzeit ist es für uns und auch für unsere Lehrenden aufgrund unterschiedlicher vertraglicher Bedingungen und Vorgaben oftmals mühsam", erklärte die Rektorin.
Ihr für Studium und Lehre zuständiger Vizerektor Gregor Örley fügte hinzu, dass im Falle einer Kompetenzänderung eine entsprechende Institution geschaffen werden müsse, die "alle Schulagenden übernimmt" und auch in den Bundesländern wirksam sei: "Man kann nicht sagen: 'Das macht dann das Ministerium'". Es wäre jedenfalls "logisch", die Bildung zentral zu regeln, stimmte Örley mit Rektorin Mathies überein.
"Österreich wäre gut beraten, nicht nur Wissenschaft zu betreiben, sondern auch die Ergebnisse der Forschung ernst zu nehmen", meinte Mathies indes zur zuletzt aufgrund eines geplanten Pilotversuchs in Wien wieder aufgepoppten Frage, ob die Volksschule von vier auf sechs Jahre verlängert werden solle. Und die Forschungsergebnisse würden nun einmal besagen, dass die "frühe Trennung für die Kinder kontraproduktiv ist." "Daher ganz klar: Ich bin auf Basis der wissenschaftlichen Erkenntnisse gegen diese frühe Trennung", erklärte Mathies. Sie sei offen in der Frage, durch welches Modell diese frühe Trennung beendet werde. In puncto "sechs Jahre Volksschule" liege ein Vorschlag am Tisch, der "breit diskutiert" werden müsse.
Vizerektor Örley sah Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) einen "konstruktiven Beitrag" in dieser Frage leisten - nach der "ewigen Debatte" über eine Gesamtschule der Zehn- bis 14-Jährigen. Mit der frühen Trennung bzw. frühen Entscheidung würde derzeit ein "kleines Konfliktfeld" in der Gesellschaft hinterlassen, der Druck auf Eltern und Kinder sei enorm.
Dass in erster Linie die Migrationsproblematik, vor allem in den Mittelschulen, zu dieser Drucksituation beitrage, sahen Mathies und Örley nicht ganz so. Aber klarerweise gebe es Herausforderungen. Es werde aber mittlerweile entgegengesteuert, spielte die Rektorin etwa auf autonom gestaltbare Deutschförderung an Schulen und verpflichtende Sommerschule an.
Keine Begeisterung lösten bei Mathies hingegen die Überlegungen aus, das Quereinsteiger-Programm für Lehrer auch auf Volksschulen auszuweiten - nicht zuletzt, um dem Lehrermangel entgegenzusteuern. In der Sekundarstufe könnten solche Initiativen und Modelle sicher sinnvoll und nützlich sein - hier begrüße sie es. Aber in der Primarstufe bzw. Volksschule habe man es mit einer "höchstsensiblen Klientel" zu tun, es handle sich um die "entscheidende Phase eines jeden Kindes." "Hier braucht es eine fokussierte, spezifische Ausbildung. Das sind Klassenlehrer, keine Fachlehrer", betonte die PH Tirol-Rektorin und sah diese Voraussetzungen durch Quereinsteiger nicht gegeben.
"Das ist ein problematischer und kein glücklicher Weg. Ich bin sehr skeptisch", so Mathies. In einem solchen Fall müsse man sich fragen, "welche Relevanz die klassischen Lehramtsstudien überhaupt noch haben." Sollte es doch zu dieser Maßnahme kommen, müssten die Betroffenen zumindest an den PHs ausgebildet werden: "Denn wir haben die jahrelange Expertise."
Bezüglich der heftigen Diskussionen um die geplante Latein- bzw. Fremdsprachenkürzung bei gleichzeitiger Einführung von Unterrichtseinheiten im Umgang mit KI gab sich Mathies indes eher zurückhaltend. Es sei bildungspolitisch "mehr als legitim", Reformen anzustoßen und der "einzig gangbare Weg". Sie verstehe aber "beide Argumentationen". Es sei schade, dass man bisher nicht zu einem Konsens gekommen sei. Die Akteure sollten wieder zu entsprechenden Gesprächen zurückkehren.
Vor eineinhalb Jahren hatte die Rektorin aufhorchen lassen, als sie im APA-Interview dafür eintrat, dass die Pädagogischen Hochschulen künftig für die komplette Lehrerausbildung zuständig sein sollen. Sie stehe weiter dazu, meinte die Rektorin nunmehr. Ihre Aussagen seien auch als Reaktion auf entsprechende gegenteilige Vorstöße der Universitätenkonferenz (uniko) zu verstehen gewesen. Letztere machte zuletzt wieder Schlagzeilen, als sie deutlich machte, schrittweise die komplette Ausbildung von Lehrkräften samt Fort- und Weiterbildung von den PHs übernehmen zu wollen.
"Mich befremdet es sehr, wenn uns schon wieder strukturelle Fragen der Lehrerbildung medial ausgerichtet werden", kritisierte Mathies die Universitätenvertreter und machte dort unter anderem eine "fehlgeleitete Selbstüberhöhung" aus, wenngleich die Zusammenarbeit mit den Unis im Verbund West ausgezeichnet sei. Es brauche eine Weiterentwicklung der Lehrerausbildung, wie es auch im Regierungsprogramm festgeschrieben sei. Bzw. eine "eigene Institution". Und diese "eigene Institution" sollten jeweils personell und budgetär autonome Pädagogische Hochschulen sein, die "auch alles abdecken, was mit Pädagogik zu tun hat."
Eine "Eingliederung" wäre hingegen ein "falsches Signal für die Relevanz pädagogischer Berufe." Autonome PHs oder wie immer sie dann bezeichnet würden, mit einem "Globalbudget" und Selbstverantwortung, befreit von den "Fesseln" des Öffentlichen Dienstrechts, wären hingegen die dafür idealen Einrichtungen, plädierte Mathies für Strukturänderungen auf mehreren Ebenen. Die Voraussetzungen wären gegeben: So seien die PHs bereits jetzt - im Gegensatz zu den Universitäten - "schlank unterwegs" und würden die "erforderliche Regionalität" mitbringen.





