Vom Regierungsinsider zum Oppositionsstar: Péter Magyar stellt Orbáns Macht erstmals ernsthaft infrage – und trifft damit einen Nerv in Ungarn.
Bis 2024 war der 45-Jährige Fidesz-Mitglied und als solches nicht weiter in Erscheinung getreten. Der Jurist leitete einige Zeit eine staatliche Einrichtung, die Studienkredite vergab, und saß in den Aufsichtsräten mehrerer Staatsunternehmen. Der Öffentlichkeit war er hauptsächlich durch seine Ehe mit der ehemaligen Justizministerin Judit Varga bekannt.
Vom Insider zum Kritiker
Im Februar 2024 wird bekannt, dass im Vorjahr der Leiter eines Kinderheims, der an der Vertuschung von Missbrauchsfällen beteiligt war, begnadigt wurde. Daraufhin tritt Staatspräsidentin Katalin Nowák zurück, und auch Varga, die zu diesem Zeitpunkt nicht mehr Justizministerin war, sondern als Fidesz-Spitzenkandidatin für die Europawahl gehandelt wurde, zieht sich aus der Politik zurück. Beide hatten die Begnadigung unterschrieben. Magyar, zu diesem Zeitpunkt bereits von Varga geschieden, tritt daraufhin aus dem Aufsichtsrat der regierungsnahen MBH Bank zurück und kritisiert die Regierung scharf: Sie würde sich „hinter den Röcken von Frauen“ verstecken, Nowák und Varga seien nur Sündenböcke. Der Skandal sorgt 2024 für große Demonstrationen in Budapest.
Der Skandal als Wendepunkt
Magyar tritt daraufhin immer stärker öffentlich in Erscheinung. Der RTL-Journalist Ádám Bihari erklärt Magyars steigende Beliebtheit zu dieser Zeit mit seinem Insider-Image. Große Aufmerksamkeit erregt Magyar auch durch die Veröffentlichung eines aufgezeichneten Gesprächs aus 2023 mit seiner damaligen Frau. Die damalige Justizministerin spricht darin über die Versuche von Regierungsmitgliedern, in ein laufendes Ermittlungsverfahren einzugreifen. Varga schrieb später, sie sei psychischer Gewalt durch ihren Ex-Mann ausgesetzt gewesen und habe ihm gesagt, „was er hören wollte“.
Aufstieg einer neuen politischen Kraft
Im April 2024 übernimmt Magyar schließlich den stellvertretenden Vorsitz der Partei Tisza, deren Name sich von den ungarischen Wörtern „Respekt“ und „Freiheit“ ableitet und zugleich der ungarische Name des Flusses Theiß ist. Bei den Europawahlen holt die neue Partei aus dem Stand 29,6 Prozent und wird damit zweitstärkste Kraft hinter Fidesz (44,8). Magyar ist seitdem Abgeordneter zum europäischen Parlament, Tisza ist Mitglied der Europäischen Volkspartei. Inhaltlich präsentiert sich Magyar konservativ, christdemokratisch und pro-europäisch. Er will die Korruption eindämmen, das Gesundheits- und Bildungssystem reformieren. Öffentlichrechtliche Medien sollen wieder unabhängig berichten können, Gemeinden mehr Autonomie erhalten und ländliche Regionen gefördert werden. Das Geld dafür soll aus den aktuell eingefrorenen EU-Mitteln kommen, dazu sollen veruntreute Gelder wieder zurückgefordert werden und auch eine Reichensteuer findet sich im Programm. Es gibt aber auch Kontinuitäten zu Orbán: Magyar und Tisza lehnen sowohl eine Aufnahme der Ukraine in die EU als auch den EU-Migrationspakt ab.
Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 12/2026 erschienen.







