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ORF: Regionale Qualitätsoffensive

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Peter Plaikner

©Matt Observe

Die Transparenzpflicht des ORF liefert Futter für die Neidgesellschaft, sein Jahresbericht Fakten für Reformansätze. Die regionalisierten Programme und Sendungen sind so stark, dass die Landesstudios eine Qualitätsoffensive verdienen. Damit die Angebote so gut wie ihre Reichweiten werden.

Dass April-Scherze außer Mode gekommen sind, muss nicht, kann aber an Österreichs Medien-Terminkalender liegen. Denn es war der erste Tag des zweiten Quartals, als 1998 durch den flächendeckenden Start der Privatradios das ORF-Monopol faktisch endete. Ein schlechter Witz, denn das Gesetz dazu ist fünf Jahre älter.

Nur zwei Schlupfloch-Finder entkamen 1995 dem Lizenzen-Veto des Verfassungsgerichtshofs. Dieser VfGH setzte 2023 ein Ultimatum bis Ende des ersten Quartals 2025, um die zu regierungsnahe Konstruktion von Stiftungs- und Publikumsrat im ORF-Gesetz zu reparieren. In ihm steht überdies seit jeher die Fälligkeit eines Jahresberichts bis zu diesem Kalendertag. Diese Leistungsschau ist am 1. April aber kaum noch medial gewürdigt worden – im Gegensatz zur seit 2024 geltenden Transparenzpflichterfüllung mit dem gleichen Veröffentlichungsschluss.

Die Namensliste der Bestverdiener

Von den je 72 Seiten interessieren die Neidgesellschaft jedoch nur eine bis 1,25. Auf diese Länge war 2025 die Namensliste der Bestverdiener über 170.000 Euro Brutto-Jahresgehalt angewachsen. Sie zieht infolge der Affäre Weißmann und Generalswahlen heuer noch größere Kreise. Der Boulevard heizt die Empörung an, Social Media lässt sie überkochen. Doch der ORF steht ohnehin schon mit dem Rücken zur Wand. Die FPÖ will ihn zum „Grundfunk“ verzwergen, seine „Gesamtreform“ steht im Regierungsprogramm.

In dieser Lage geraten auch wohlwollende Nörgler leicht zu nützlichen Idioten. Doch diese Gefahr darf nicht abhalten von konstruktiver Kritik. Denn Stillschweigen ist ein Erfüllungsgehilfe für Stillstand. In ihm verharren Medienpolitik und ORF schon zu lange.

Marktanteilsführer aus der Provinz

Also mischen sich nun auch die Landeshauptleute ein. Selten hat Ihr Kolumnist mehr Spott erfahren als auf den vorwöchigen Text zur medienpolitischen Initiative von Tirols Anton Mattle im Vorsitz der LH-Konferenz. Der ORF-Jahresbericht liefert aber zuhauf Argumente für regionale Einmischung. Die Länderradios erreichen täglich ein Viertel des gesamten Publikumsmarkts – kaum weniger als Ö3 (27 Prozent). „Bundesland heute“ sehen fast überall Tag für Tag mehr als die Hälfte der TV-Zuschauer – nur Wien (41 Prozent) und Niederösterreich (47 Prozent) liegen darunter. Wie die „Zeit im Bild“ hat es im nationalen Schnitt 54 Prozent – ex aequo Platz 1 bei den Marktanteilen der regelmäßigen Sendungen.

Dass die Landeshauptleute ihr Anhörungsrecht bei der Bestellung der ORF-Filialleiter verloren, war überfällig. Doch dass die Länder medienpolitisch aktiver werden wollen, lässt sich durch täglich zwei Millionen Hörer und eine Million Seher für regionalisierte ORF-Sendungen so gut begründen wie durch ihre privaten Medienhäuser.

Dabei gibt es eine Schieflage: So wie mehr als die Hälfte der 5.000 österreichischen Journalisten (1.000 arbeitslos) in Wien werkt, sitzt ein Großteil der ORF-Information im zentralen Newsroom (360 Mitarbeiter) auf dem Küniglberg. Von dort blicken sie zum Teil geringschätzig auf die Provinz herab, werden aber oft allzu flott in sie geschickt, wenn’s brennt. Der ORF braucht eine regionale Qualitätsoffensive. Außer ihm hat nur noch die Krone-Redaktionen in allen Bundesländern. Das ist kein April-Scherz und sollte Argument genug sein.

Was meinen Sie? Schreiben Sie mir: pp@plaikner.at

Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 14/2026 erschienen.

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