ABO

Transparenzbericht: Das sind die ORF-Spitzenverdiener

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
4 min
Artikelbild

Pius Strobl

©K. Piles, IMAGO

Pius Strobl nach Kratky-Abschied an erstere Stelle. Zahl der Spitzenverdiener ist gesunken. Weiterhin sind deutlich mehr Männer in den oberen Gehaltsklassen vertreten.

von

Nach dem Abschied von Ö3-Moderator Robert Kratky aus dem ORF gibt es mit Pius Strobl einen neuen Spitzenverdiener. Er kommt auf 469.000 Euro Bruttojahresgehalt, wie der am Dienstag veröffentlichte ORF-Transparenzbericht offenbart. Strobl, der Ende 2026 in Pension geht, verantwortete u.a. die Sanierung des ORF-Zentrums. Es folgen Roland Weißmann (427.500 Euro), der als ORF-Chef mittlerweile zurückgetreten ist, und ORF-Enterprise-Geschäftsführer Oliver Böhm (349.000 Euro).

Der ORF ist gesetzlich verpflichtet, die Gehälter von jenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern anzuführen, die inkl. Zulagen über 170.000 Euro im Jahr verdienen. In Summe scheinen für 2025 65 Personen auf (inkl. Tochterunternehmen) und damit zehn Personen weniger als 2024. Ausschlaggebend waren laut dem Vorwort zum Bericht insbesondere altersbedingte Abgänge sowie die Inanspruchnahme von Altersteilzeiten.

Ex-Sportchef und ORF-III-Geschäftsführer

Nach den Top drei finden sich der im Vorjahr ausgeschiedene damalige ORF-Sportchef Hannes Aigelsreiter (ca. 340.000 Euro) und die beiden ORF-III-Geschäftsführer Peter Schöber (ca. 312.000 Euro) und Kathrin Zierhut-Kunz (ca. 285.000 Euro) auf der Liste. Als erste ORF-Direktorin scheint Eva Schindlauer (ca. 280.000 Euro) auf. Die drei weiteren Direktorinnen und Direktoren Ingrid Thurnher, Stefanie Groiss-Horowitz und Harald Kräuter verdienten je rund 270.000 Euro. Thurnher ist mittlerweile auch interimistische ORF-Chefin.

Vor ihnen landet etwa noch ZiB-2-Anchorman Armin Wolf (ca. 276.000 Euro). Weitere bekannte Persönlichkeiten aus dem Fernsehen, die im Transparenzbericht aufscheinen, sind etwa Korrespondent Christian Wehrschütz (ca. 216.000 Euro), Hans Bürger (ca. 208.000 Euro) und Hanno Settele (ca. 175.000 Euro).

Weiterhin deutlich mehr Männer in höheren Gehaltsklassen

Nach Geschlecht gegliedert zeigt sich, dass keine Frau (aber vier Männer) im ORF über 300.000 Euro verdient. Auch in den vier nächsten Kategorien 200.000 bis 300.000 Euro (9 vs. 21), 150.000 bis 200.000 Euro (20 vs. 63), 100.000 bis 150.000 Euro (224 vs. 527) und 75.000 bis 100.000 Euro (444 vs. 569) sind deutlich mehr Männer vertreten. Das Verhältnis kehrt sich in den beiden untersten Gehaltsgruppen um.

Sparkurs im ORF

Man wisse um das Privileg der öffentlichen Finanzierung und gehe sorgsam mit den Beiträgen der Bevölkerung um, versicherte der ORF im Vorwort. Seit vielen Jahren verfolge man einen intensiven Sparkurs, der mit „harten Einschnitten“ für die Belegschaft einhergehe. So seien seit 2007 knapp 1.000 Vollzeitäquivalente abgebaut worden. Im vergangenen Jahr seien auch Nebenbeschäftigungen und externe Beratungsleistungen gesunken. Die Anzahl jener Personen, die im ORF-Konzern ein zusätzliches Einkommen aus Nebenbeschäftigungen erzielt haben, sei von 987 im Jahr 2024 auf 739 im Vorjahr gesunken. Der ORF führt das auf strengere Compliance-Vorschriften zurück.

Zudem verwies der ORF auf „äußerst maßvolle Gehaltsabschlüsse unter der Inflation“ . Für Personen in den obersten zwei Verwendungsgruppen gab es eine Null-Lohnrunde. Überhaupt habe man die Entgeltansprüche der Mitarbeiter in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich gesenkt. Der aktuelle ORF-Kollektivvertrag, der für mehr als 40 Prozent der Belegschaft gelte, befinde sich auf Marktniveau. Das daraus bezogene Durchschnittseinkommen liege ca. ein Drittel unter den alten Vertragssystemen des ORF.

Werbeeinnahmen und -ausgaben

Der Transparenzbericht schlüsselt auch die Werbeeinnahmen nach Sendern auf. ORF 2 hat mit rund 72 Mio. Euro im Vorjahr die Nase vorne. Dahinter landen beinahe gleichauf Ö3 (45 Mio. Euro) und ORF 1 (44 Mio. Euro). Das Werbevolumen bei ORF III (3,1 Mio. Euro), FM4 (2,3 Mio. Euro) und ORF Sport+ (290.000 Euro) fällt dagegen eher bescheiden aus. Selbst investierte der ORF rund neun Mio. Euro für Eigenwerbung, wobei der Großteil davon auf Tauschgeschäften mit diversen Medienhäusern Österreichs basiert.

„Während die Österreicher unter Teuerung, Rekordabgaben und steigenden Lebenshaltungskosten leiden, kassieren einzelne ORF-Granden fürstliche Gehälter“ , kritisierte FPÖ-Mediensprecher Christian Hafenecker in einer Aussendung und forderte eine „sofortige gesetzliche Gehaltsdeckelung im ORF“. Eine unabhängige Prüfkommission solle die gesamte Gehaltsstruktur durchleuchten, meinte Hafenecker und forderte einen „schlankeren, transparenteren“ ORF ohne „Zwangsfinanzierung“.

Über die Autoren

Logo
Monatsabo ab € 21,75
Ähnliche Artikel
2048ALMAITVEUNZZNSWI314112341311241241412414124141241TIER