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Ohne ausreichend qualifizierte Fachkräfte sind im Strafvollzug weder individuelle Betreuungsmaßnahmen noch nachhaltige Resozialisierungsarbeit gewährleistet, gab Schlager zu bedenken. Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter, Psychologinnen und Psychologen, medizinisches Personal, Verwaltungsbedienstete und Fachkräfte in der Betreuung und Pädagogik seien für einen geordneten Betrieb in den Anstalten unerlässlich, zumal sie direkt und unmittelbar mit den Inhaftierten arbeiten.
In der Realität hätten die Zivilbediensteten mit chronischer Unterbesetzung, steigender Arbeitsbelastung, wachsender psychischer Beanspruchung sowie zunehmender Gefährdung der Arbeitszufriedenheit und Gesundheit zu kämpfen. "Die Folgen sind ein Teufelskreis und begünstigen Überlastung und Abwanderung - auf dem Rücken jener, die das System aufrechterhalten", warnte Schlager in seinem offenen Brief, der der APA vorliegt. Auf diese seit Jahren bestehende und zunehmend kritische Entwicklung werde nicht entsprechend reagiert. Stattdessen würden den Zivilbediensteten "zusätzliche Aufgaben übertragen, ohne die nötigen Ressourcen bereitzustellen."
"Jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter ist wertvoll und trägt zum Erhalt des Systems bei. Aber nun ist ein Punkt erreicht, wo diese ihre Belastungsgrenzen schon überschritten haben", konstatierte Schlager. Er richtete daher eine Reihe von Forderungen an Justizministerin Anna Sporrer (SPÖ). Neben einer "echten Personaloffensive" verlangt der Gewerkschafter eine Attraktivierung der Berufsbilder, eine deutlich bessere Entlohnung, verbesserte Arbeitsbedingungen und Investitionen in Aus- und Fortbildungsangebote statt Einsparungsmaßnahmen. Auch in der interdisziplinären Zusammenarbeit sieht Schlager Verbesserungsbedarf.
"Zivile Bedienstete sind kein 'Nebenbereich', sondern eine tragende Säule des Strafvollzuges", bemerkte der Gewerkschafter abschließend. Er appellierte daher, "dass auch jene Berufsgruppen, die oft im Hintergrund wirken, die notwendige Unterstützung und Anerkennung erhalten."
"Die Ausführungen der GÖD-Justizwachegewerkschaft und auch die Warnungen der Zivilbediensteten bestätigen, was wir als Volksanwaltschaft bei unseren Besuchen in Österreichs Gefängnissen regelmäßig hören und sehen: Der virulente Personalmangel - sowohl im Exekutiv- als auch im Zivilbereich - wird zu einem Risiko für alle Beteiligten", reagierte die für den Strafvollzug zuständige Volksanwältin Gabriela Schwarz (ÖVP) in einer ersten Stellungnahme. Schwarz widersprach in diesem Zusammenhang einer Darstellung des Justizministeriums, wonach offiziell 94 Prozent der Planstellen besetzt seien: "Das stimmt nicht einmal auf dem Papier. Weder Langzeitkrankenstände noch Karenzen sind berücksichtigt. Diese Zahl entspricht vielleicht in der Theorie, aber sicher nicht in der Praxis."
Tatsache sei, "dass fast jede Justizanstalt täglich damit zu kämpfen hat, allein das Dienstrad aufrechtzuerhalten", meinte Schwarz gegenüber der APA. Es bleibe zu hoffen, "dass das Justizministerium die Appelle aller Berufsgruppen und der Volksanwaltschaft ernst nimmt."






