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Nicolás Maduros neues Zuhause: MDC Brooklyn

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Ihm wird "Drogenterrorismus" vorgeworfen

Nicolás Maduro

©AFP, APA, JUAN BARRETO

Vom venezolanischen Präsidentenpalast in die Hochsicherheitszelle von New York.

Das Drama um den entführten und verhafteten Nicolás Maduro und seine Ehefrau Cilia Flores spielt in New York an den beiden Enden der Brooklyn Bridge, die Manhattan mit Brooklyn verbindet. Auf der Brooklyn-Seite der Brücke liegt Brooklyn Heights, eine der schönsten und teuersten Wohngegenden mit wunderbaren Bäckereien, Cafés und Restaurants sowie ziegelroten Townhouses aus dem letzten Jahrhundert.

Wenige Minuten südlich entlang des Meeres verändert sich die Stadt in ein hässliches Industriegebiet. Hier steht das MDC (Metropolitan Detention Center), ein u-förmig strukturierter Gebäudekomplex, und ein massiv grauer Betonblock an der Straßenseite. Mit rötlich braun vergitterten Fenstern gleicht es eher einem Lagerhaus als einem Gefängnis.

Gerichtstermin

Im MDC warten Häftlinge auf ihren Gerichtstermin. Unter ihnen Bosse der Mafia und der Drogenkartelle, Mörder, Terroristen, Finanzbetrüger, Zelle an Zelle mit Taschendieben und harmlosen Trickbetrügern, die oft mit der Wartezeit auf den Prozess ihre potenzielle Strafe absitzen. Nach der Schließung des Gefängnisses in Manhattan ist das MDC der einzige juristische ‚Wartesaal‘ in New York.

Das Gefängnis ist berüchtigt und die Haftbedingungen werden seit Jahren kritisiert. Im Winter 2019 verursachte ein tagelanger Stromausfall während der kältesten Periode in New York eisige Temperaturen und Dunkelheit. Messerattacken und Prügel unter den Häftlingen – 2024 wurden zwei Häftlinge erstochen – und der Einsatz von Pfeff erspray durch die Wachmannschaft bestimmen den Alltag. Menschenrechtsorganisationen beschreiben das Gefängnis als ‚barbarisch‘. Zahlreiche Richter weigern sich, nicht gewaltbereite Angeklagte während der Wartezeit für das Verfahren in das MDC zu schicken.

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Das Metropolitan Detention Center (MDC) in Brooklyn, New York

 © IMAGO / ZUMA Press Wire

Zu den bekanntesten Insassen gehörten der Sänger R. Kelly, berühmt durch seine Songs, darunter ‚I Believe I can Fly‘ (Grammy 1998), wegen organisierter Kriminalität und sexueller Ausbeutung Minderjähriger zu 30 Jahren Haft verurteilt. Ghislaine Maxwell, eine enge Vertraute von Jeffrey Epstein, zu 20 Jahren Haft wegen Sex-Trafficking. Der Maduro-Vertraute Alex Saab, wegen Geldwäsche in Milliardenhöhe, und der berüchtigte Mafia-Boss Vinny Asaro der Bonanno-Family, dessen Lufthansa-Raub durch ‚Goodfellas‘ verfilmt wurde.

Anklageverlesung

Auf der Manhattan-Seite endet die Brooklyn Bridge im City Hall Park. Dahinter liegt das Daniel Patrick Moynihan Courthouse. Ein mächtiger Bau aus den Dreißigerjahren mit massiven Säulen und einer bronzenen Eingangstür. Dort kam es zur Verlesung der Anklage gegen Maduro und seiner Ehefrau unter der Leitung des Richters Alvin Hellerstein, 92 Jahre alt, orthodoxer Jude, der Hunderte Klagen im Zusammenhang mit den Anschlägen am 11.9.2001 leitete und mehrere Verfahren gegen D. Trump. In seinem Verhandlungssaal steht ein Spruch aus der Thora: ‚Tzedek, Tzedek Tirdof‘ (Der Gerechtigkeit sollst du nachjagen). Bekannt machte ihn die New York Times allerdings mit einem Beitrag über das wöchentliche Tennisspiel des Richters Hellerstein – mit drei Rabbinern.

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Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 03/2026 erschienen.

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