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So ist das Trinkwasser, das die Menschen hier in großen Mengen in Supermärkten kaufen, selten geworden - und wo man es findet, viel teurer. Das Wasser aus dem Hahn wird eher nur zum Kochen verwendet. Zudem hat die Provinzhauptstadt immer wieder Probleme mit der Versorgung, die zeitweise gänzlich zum Erliegen kommt. Das sorgte zuletzt erst im Oktober für eine Bürger-Demonstration im Zentrum Trapanis.
Durch die Streiks ist nun das Problem der Versorgung mit Gemüse, wie den hier besonders wichtigen Tomaten, gekommen. Die Leute scherzen, die Preise steigen, als wären die Pomodori ("Goldäpfel") tatsächlich aus Gold, doch das Lachen bleibt den meisten im Halse stecken. Zuletzt überstiegen die Preise für Paradeiser jene in Österreich. Ein Kilo Kirschtomaten - freilich in südländischer Topqualität - näherte sich den zehn Euro an. "Madooonna", heißt es dann neuerlich, wenn die Einheimischen einen solchen Preis erspähen. Der Griff in die Brieftasche schmerzt oder bleibt aus.
Der Preis für ein Kilo normaler Tomaten ist von vier auf sechs bis sieben Euro gestiegen. Ein Kopf Broccolo (Brokkoli) ist mit fünf bis sechs Euro doppelt so teuer wie zuvor mit zwei bis drei Euro, sagen Einheimische.
"Die Supermarktregale sind komplett leer", sagt der Koch Leo, der im Brotberuf in einer Bar beispielsweise Arancine (gefüllte, frittierte Reiskugeln), Pasta al Forno oder Couscous con Pesce zubereitet. "Lidl, Eurospin, Paghipoco - alle haben praktisch kein Wasser, kein Obst und kein Gemüse mehr. Auch Nudeln beginnen zum Teil knapp zu werden." Er selbst habe Wasser bei einem Getränkehändler bekommen, der nicht so bekannt sei. Die Leute sorgten sich auch vor einem Mangel an Benzin und Diesel, hört man von weiteren Einheimischen, den sogenannten "Trapanesi".
Aber: Während ein Sechserpack Wasser (1,5 oder 2 Liter) bisher um 1,60 bis 2 Euro zu haben gewesen sei, nähere sich der Preis nun 5 Euro an, sagt Paolo Maltese. Er betreibt am meist belebten "Corso Italia" des historischen Zentrums seine gleichnamige Bar. Über Tage spannte er seinen schon etwas betagten Vater ein, den er telefonisch von einem zum anderen Supermarkt dirigierte, um jene Produkte zu akzeptablen Preisen aufzutreiben, die er für die Panini braucht, die er täglich für dutzende Schüler auf Vorbestellung zubereitet und zuliefert.
So war auch die Freude groß, als der Papà bei einem Markt nahe der Salinen bei den Tomaten und Würsteln fündig wurde, sodass sie wie Salami, verschiedene Käse, Prosciutto, Thunfisch und Co in seine "Panini per i scolari" (Schüler-Brote) eingebaut werden mögen. Für die Jugend darf es auch in Sizilien einmal ein Panino mit "Wurstel e patate" sein, dafür reichen verarbeitete Tomaten in Form von Ketchup und gegebenenfalls Mayonnaise: Ein Hotdog, in dem sich auch die Pommes als Fülle finden, nicht nur das Würstel.
Die Sorgen sind groß, dass der Streik der Bauern und Lieferanten weitergeht, der vornehmlich auf immens hohe Dieselpreise zurückzuführen ist. Die Unzufriedenheit mit der Regierung Meloni scheint zu steigen, hört man vielen Leuten zu, von denen man in den vergangenen Jahren keine politischen Klagen gehört hatte. Dass wegen der Mangellage auch die Fastfood-Riesen McDonald's und KFC in Trapani und beispielsweise auch in der Inselhauptstadt Palermo nunmehr geschlossen haben, scheint hier jedenfalls in den Hintergrund zu rücken - die einheimische Küche geht dank immens vielseitiger kulinarischer Möglichkeiten vor. Und diese werden die Menschen in Trapani sicher so lange aufrecht erhalten, wie sie essen - und "Madooonna" sagen - können.
(Von Philip Stotter/APA)
