König Charles III. besucht zum Commonwealth-Gipfel Antigua und Barbuda, ein Land, in dem er Staatsoberhaupt ist. Neue Amtsträgerinnen und Amtsträger schwören dort aber nicht mehr auf ihn. Was sich geändert hat und welche Fragen den Besuch begleiten.
Kein Eid mehr auf den König
In Antigua und Barbuda leisten neue Amtsträgerinnen und Amtsträger ihren Treueeid seit Jänner 2026 nicht mehr auf König Charles III., sondern auf den Staat, seine Verfassung und seine Gesetze. Das Parlament des Karibikstaats hat dazu im Dezember 2025 die Verfassung geändert: Das Repräsentantenhaus stimmte am 15. Dezember zu, der Senat am 17. Dezember, in Kraft ist die Änderung seit 8. Jänner 2026. Eine Volksabstimmung war dafür nicht nötig, wie die Dokumentation zur Republikbewegung in Antigua und Barbuda unter Berufung auf das Amtsblatt festhält.
„Wir werden ein für alle Mal nicht mehr auf Seine Majestät in England, seine Erben und Nachfolger in England schwören“, sagte Justizminister Steadroy Benjamin im Parlament. „Wir schwören den Treueeid auf den Staat Antigua und Barbuda, seine Verfassung und seine Gesetze.“ Staatsoberhaupt bleibt Charles trotzdem: Antigua und Barbuda ist eines von 15 Ländern des Commonwealth, die den britischen Monarchen als eigenes Staatsoberhaupt haben.
Die Reise des Königs
Die Herbstreise des Königs dauert laut Königshaus vom 27. Oktober bis 4. November. Sie führte zunächst auf die Bahamas, wo Charles ebenfalls Staatsoberhaupt ist, und dann zu einem Staatsbesuch nach Guyana, das eine Republik ist. Diesen Besuch macht er auf Einladung des Präsidenten und auf Wunsch der britischen Regierung, Anlass sind 60 Jahre bilaterale Beziehungen. In Antigua und Barbuda stößt Königin Camilla dazu, von dort reisen beide am 4. November ab.
Auf dem Programm für Antigua stehen ein Gottesdienst und die Parade zum Unabhängigkeitstag im Sir Vivian Richards Stadium, ein Besuch im Government House und ein Treffen mit Wirtschaftsvertreterinnen und Wirtschaftsvertretern. Laut der Übersichtsseite des Königshauses besucht der König außerdem Nelson's Dockyard, die historische Marinewerft in English Harbour.
Was beim Commonwealth-Gipfel ansteht
Anlass für den Besuch ist das 28. Treffen der Staats- und Regierungschefs des Commonwealth, das vom 1. bis 4. November in Antigua und Barbuda stattfindet. Charles ist Oberhaupt des Commonwealth, laut Programm nimmt er an der Eröffnung teil und empfängt neue Regierungschefinnen und Regierungschefs. Laut dem Commonwealth-Sekretariat steht der Gipfel unter dem Motto „Accelerating Partnerships and Investment for a Prosperous Commonwealth“, es geht also um Partnerschaften und Investitionen. Dem Commonwealth gehören 56 unabhängige Staaten an, Generalsekretärin ist Shirley Botchwey.
Republik und Reparationen als Hintergrund
Die Abschaffung des Eides fügt sich in eine längere Debatte. Premierminister Gaston Browne kündigte 2022 nach dem Tod von Queen Elizabeth II. an, innerhalb von drei Jahren eine Volksabstimmung über eine Republik abhalten zu wollen. Das sei „kein Akt der Feindseligkeit“ gegenüber der Monarchie, sagte er damals. Eine solche Abstimmung hat bisher nicht stattgefunden, seit Februar 2026 arbeitet ein Komitee an einer Verfassungsreform. In einer Umfrage aus dem Jahr 2023 sprachen sich 47 Prozent für eine Republik aus, 45 Prozent wollten die Monarchie behalten.
Begleitet wird die Reise auch von Forderungen nach Wiedergutmachung für Sklaverei und Kolonialherrschaft. Die Reparationskommission der Karibikgemeinschaft CARICOM fordert in einem Zehn-Punkte-Plan unter anderem eine vollständige formelle Entschuldigung und einen Schuldenerlass. Ein Palastsprecher kündigte vor der Reise an, man werde den „dunkelsten Tagen unserer Vergangenheit“ nicht ausweichen, Fragen des kolonialen Erbes seien aber vor allem Sache der Regierungen. Die britische Regierung hat Forderungen nach Reparationszahlungen zurückgewiesen. Charles hatte 2021 in Barbados von der „entsetzlichen Gräueltat der Sklaverei“ gesprochen, die Britanniens Geschichte befleckt.
Quellen
The Royal Family: Announcement: The King and Queen's Autumn Tour (25. August 2026)
The Royal Family: The King and Queen will visit Antigua and Barbuda (2. Oktober 2026)
Commonwealth-Sekretariat: The Commonwealth (2026)
Wikipedia: Republicanism in Antigua and Barbuda (2026)
CARICOM Reparations Commission: 10-Point Reparation Plan (2026)
Weitere Quellen: AFP, The Voice
