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Netanyahu habe die Räumung angewiesen, hieß es in der Mitteilung Dienstagnachmittag weiter. Der rechtsextreme Polizeiminister Itamar Ben-Gvir veröffentlichte ein Foto des Ausbildungszentrums, auf dem eine über dem Gebäude gehisste israelische Flagge zu sehen ist. Außerdem war auf X ein Video zu sehen, welches Ben-Gvir am Schreibtisch des UNRWA-Schuldirektors sitzend zeigt.
Wie die UNRWA der APA schriftlich mitteilte, drangen Dienstagvormittag gegen 10.00 Uhr israelische Sicherheitskräfte gewaltsam in das UNRWA Kalandia Training Centre (KTC) im besetzten Ostjerusalem ein. Mindestens vier gepanzerte Fahrzeuge fuhren auf das durch völkerrechtliche Immunität geschützte UNO-Gelände, begleitet von mehr als 50 israelischen Sicherheitskräften.
Zum Zeitpunkt des Eindringens befanden sich nach Angaben der UNRWA rund 20 UNO-Mitarbeiter vor Ort. Israelische Vertreter gaben anschließend öffentliche Erklärungen ab, wonach die Räumlichkeiten von den israelischen Behörden beschlagnahmt worden seien.
Die Kalandia-Berufsschule ist das älteste Ausbildungszentrum der UNRWA und besteht seit mehr als 70 Jahren. Tausende Palästina-Flüchtlinge haben dort ihre Ausbildung absolviert, bekamen eine Zukunftsperspektive und wurden für den lokalen und regionalen Arbeitsmarkt qualifiziert. Sie ist laut UNRWA eine Einrichtung der Vereinten Nationen, die durch die der Organisation nach internationalem Recht gewährten Immunitäten geschützt ist. Ihre Unverletzlichkeit muss den Angaben zufolge uneingeschränkt respektiert werden.
UNRWA verurteilte gegenüber der APA das unbefugte und zutiefst besorgniserregende bewaffnete Eindringen in das Kalandia Training Centre auf das Schärfste. Das Eindringen bewaffneter Sicherheitskräfte in eine vollwertige Einrichtung der Vereinten Nationen ohne Genehmigung oder Zustimmung der Vereinten Nationen selbst ist inakzeptabel und völkerrechtswidrig.
UNO-Generalsekretär António Guterres sprach in einer ersten Reaktion von einem unzulässigen Handeln Israels. "Diese Maßnahmen gegen UNRWA-Einrichtungen sind völlig inakzeptabel und stehen im Widerspruch zu den klaren völkerrechtlichen Verpflichtungen Israels, einschließlich der Charta der Vereinten Nationen und des Übereinkommens über die Vorrechte und Immunitäten der Vereinten Nationen", ließ Guterres über seinen Sprecher mitteilen.
Israel will auf dem Gelände laut offiziellen Angaben eine Schule für Knaben einrichten, in der nach israelischem Lehrplan unterrichtet werden soll. In den nächsten Jahren sollen demnach weitere Schulen, eine Moschee sowie Sport- und Gesundheitseinrichtungen für die Bewohner der arabisch geprägten Gegend entstehen. Ein Sprecher des israelischen Außenministeriums sprach von "Renovierungsarbeiten". UNRWA besitze keine Eigentumsrechte, hieß es weiter.
Die Palästinensische Autonomiebehörde, die Teile des Westjordanlands verwaltet, sprach angesichts der Räumung des Geländes von "einem schwerwiegenden Verstoß gegen das Völkerrecht". Laut palästinensischen Medienberichten kam es im Zuge der Räumung des Geländes zu Konfrontationen zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften.
Israel wirft dem Hilfswerk vor, dass einige der Mitarbeiter an Terroraktivitäten der islamistischen Hamas beteiligt gewesen seien. Das israelische Parlament hatte in der Folge per Gesetz ein Arbeitsverbot für UNRWA auf israelischem Staatsgebiet verhängt und israelischen Beamten verboten, mit der Organisation zu kooperieren. Im Jänner zerstörten israelische Einsatzkräfte bereits das UNRWA-Hauptquartier in Ostjerusalem.
Israel hatte den arabisch geprägten Ostteil Jerusalems während des Sechstagekriegs 1967 erobert und später annektiert. Der Status Jerusalems ist eine der zentralen Streitfragen im Nahost-Konflikt. Israel beansprucht Jerusalem als seine "ewige und unteilbare Hauptstadt". Dies ist international jedoch umstritten. Die Palästinenser wollen den Ostteil als Hauptstadt für einen international anerkannten Staat Palästina.
(S E R V I C E - X-Video Ben-Gvirs: https://go.apa.at/twYO2siI)
Israeli forces stand guard during a raid on the UNRWA Vocational Training Centre, located between the Kafr Aqab neighbourhood and the Qalandia refugee camp, south of the West Bank city of Ramallah, on August 25, 2026. Israeli police raided a vocational training centre run by the UN agency for Palestinian refugees in annexed east Jerusalem on August 25, in a move a far-right minister said aimed to "remove" the body from the site. The move follows repeated warnings by UNRWA that Israeli authorities were threatening its Qalandia training centre, located between the east Jerusalem neighbourhood of Kafr Aqab and Qalandia refugee camp. (Photo by Zain JAAFAR / AFP)
