Während die EU weiter um ihre Einigkeit ringt, verwandeln sich Stützpunkte in Deutschland und Italien in die unverzichtbare Werkbank des US-Militärs. Zwischen Militärfluglärm in der Pfalz und Drohneneinschlägen auf Zypern wird deutlich: Europa ist längst Teil des Kriegs.
Von Hannah Ludmann
Tausende Kilometer trennen Europa und den Krieg, den die USA und Israel derzeit am Persischen Golf führen. Logistisch jedoch wird er nicht nur von Washington, sondern unter anderem vom deutschen Rheinland-Pfalz aus koordiniert.
Vom größten US-Luftwaffenstützpunkt außerhalb der Vereinigten Staaten aus werden Drohnen gesteuert, Aufklärungsdaten analysiert und modernste Flugzeuge zur elektronischen Kriegsführung wie die EA-37B Compass Call koordiniert. Ohne das militärische Drehkreuz der Ramstein Air Base wäre die US-Maschinerie im Krieg mit Iran blind und bewegungsunfähig.
Wofür US-Präsident Donald Trump Bundeskanzler Friedrich Merz vergangene Woche im Weißen Haus als „großartigen Partner“ lobte, gibt es jedoch auch Kritik. Die Frage, ob sich Deutschland durch die Bereitstellung der Ramstein-Infrastruktur zum Mittäter macht, hat das deutsche Bundesverfassungsgericht vergangenes Jahr noch mit einem Nein beantwortet. Damals ging es um eine Klage jemenitischer Staatsbürger, deren Angehörige getötet wurden – durch Drohnenangriffe der USA, die über Ramstein liefen.
Präsenz zeigen
Ähnliche Funktionen wie Ramstein übernehmen weitere US-Standorte in Europa – etwa die Naval Air Station Sigonella in Italien oder die Incirlik Air Base in der Türkei. Auch in Belgien und Ungarn gibt es US-Stützpunkte.
Wie viele genau, das bleibt seitens des Pentagons unklar. Gewiss jedoch ist: Gemeinsam bilden sie ein Netz aus Start-, Versorgungs- und Analysepunkten zwischen Nordamerika und den Einsatzgebieten süd- und östlich des Mittelmeers. Auslandsbasen erlauben den USA, „in Regionen präsent zu bleiben, die im nationalen Interesse liegen“, wie es in einem Bericht des Congressional Research Service heißt.
Viele Geschwindigkeiten
Während etwa Deutschland auf Bündnistreue setzt, geht Spanien aus Sicht der Vereinigten Staaten einen weniger „löblichen“ Weg. Das Land verweigerte die Nutzung der strategisch wichtigen Basis Rota für direkte Angriffe und beruft sich auf das Völkerrecht. Trump reagierte auf die Absage Spaniens prompt mit Drohungen gegen Handelsdeals.
Auch Großbritannien zeigte sich zunächst abgeneigt, Amerikanern Stützpunkte zu überlassen, gab dann jedoch noch seine Zustimmung. Uneinigkeit gab es zuletzt auch nach der (zunächst gemeinsamen) Erklärung Frankreichs, Großbritanniens und Deutschlands, Gegenschläge auf iranischem Boden „ermöglichen“ zu wollen, um Abschussrampen zu zerstören.


Die Gefahr der Eskalation
Macht die US-Infrastruktur in Europa den Kontinent zum unmittelbaren Akteur und potenziellen Ziel von Vergeltungsschlägen? Vergangene Woche schlug eine iranische Kamikaze-Drohne* auf dem britischen Stützpunkt Akrotiri auf Zypern ein, die Türkei fing eine Rakete ab.
Iranische Kamikaze-Drohne Shahed 136
Die Drohnen werden in Serien von Lkw aus abgefeuert und mit GPSDaten programmiert. Sie sind 200 Kilogramm schwer und reichen bis zu 2.500 Kilometer weit
Die Vorsitzende des Ausschusses für Sicherheit und Verteidigung im EU-Parlament, Marie-Agnes Strack-Zimmermann, verneinte eine Ausweitung des Konflikts nach Europa: „Iran wird den Teufel tun und sich mit NATO-Staaten anlegen.“ Tatsächlich richte Iran seine Angriffe vor allem gegen amerikanische Einrichtungen in der Region.
Gleichzeitig wird die europäische Uneinigkeit zum strategischen Problem. Während Deutschland auf Bündnistreue setzt, wächst im Mittelmeerraum die Angst, dass US-Einrichtungen mehr Angriffsfläche als Schutz bieten. Mit mehreren Stützpunkten ist Europa eines der logistischen Rückgrate der US-Intervention – und militärisch näher am Konflikt im Nahen Osten, als es die Landkarte vermuten lässt.
Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 11/2026






