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Iran greift Großraum Tel Aviv erneut mit Streumunition an

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Bei einem neuen Raketenangriff auf den Großraum Tel Aviv hat der Iran nach israelischen Militärangaben erneut international geächtete Streumunition eingesetzt. Am Dienstagfrüh heulten auch im Stadtzentrum der Küstenmetropole die Warnsirenen, die Bürger liefen in Schutzräume. Es waren dumpfe Explosionen zu hören. Das israelische Militär warnte unterdessen die Bevölkerung im Iran davor, am Dienstag mit dem Zug zu reisen oder sich in der Nähe von Bahnstrecken aufzuhalten.

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Wer sich dort aufhalte, gefährde sein Leben, hieß es in einem auf Farsi formulierten Post auf der Plattform X. Die Warnung vor Zugfahrten gelte ab sofort bis 21.00 Uhr Ortszeit (19.30 Uhr MESZ). Die iranische Bevölkerung hat seit dem 28. Februar nur Zugang zu einem eingeschränkten internen Intranet, in dem es nur staatlich genehmigte Inhalte gibt. Die Iraner nutzen aber iranische Plattformen, die Telegram ähneln. Auf einer dieser Plattformen wurde die Warnung der Israelis sechs Minuten nach der Veröffentlichung auf X geteilt.

Hintergrund sind die Drohungen von US-Präsident Donald Trump mit Angriffen auf Infrastruktur, die auch zivil genutzt wird oder zivilen Nutzen hat. Er hat dem Iran ein Ultimatum gestellt, die für den Öl- und Gashandel wichtige Straße von Hormuz zu öffnen, das in der Nacht auf Mittwoch ausläuft. Derzeit ist keine Einigung in Sicht.

Der israelische TV-Sender berichtete, es habe in Tel Aviv etwa zehn Einschlagsorte gegeben. Dabei sei Sachschaden an Gebäuden und Fahrzeugen verursacht worden. Berichte zu Verletzten gab es zunächst nicht. Auch die Hafenstadt Eilat an der Südspitze Israels wurde nach Medienberichten mit Streumunition angegriffen.

Eine Rakete mit Streumunition zerbricht häufig über dem Ziel in der Luft und verteilt dann Submunitionen, auch Bomblets genannt, über einem großen Gebiet. Die kleinen Geschosse können von der israelischen Luftabwehr kaum abgefangen werden. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hatte die iranischen Angriffe mit Streumunition auf israelische Bevölkerungszentren zuletzt verurteilt. Diese könnten auch Kriegsverbrechen darstellen, hieß es in dem Bericht.

In Saudi-Arabien ist laut einem Augenzeugenbericht in der Nacht auf Dienstag ein bedeutendes Erdöl-Industriegebiet angegriffen und beschädigt worden. In den Industrieanlagen des Konzerns Saudi Basic Industries Corporation (Sabic) im ostsaudiarabischen Jubail sei nach einem Angriff ein Brand ausgebrochen, es hätten sich "sehr starke Detonationen" ereignet, hieß es von einem Menschen vor Ort gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.

Das Industriegebiet von Jubail ist eines der größten der Welt. Dort befinden sich Stahlwerke, Erdölraffinerien und Fabriken für weitere Erdölprodukte, Schmieröl und Kunstdünger. Am Montag hatte die israelische Luftwaffe nach Angaben von Verteidigungsminister Israel Katz einen "heftigen Angriff" auf das iranische Erdölindustriegebiet Asaluyeh am Persischen Golf geflogen.

Vor dem Angriff auf Jubail hatte die saudi-arabische Luftabwehr nach Angaben des Verteidigungsministeriums einen Angriff mit sieben ballistischen Raketen abgewehrt. Raketensplitter seien in der Folge "in der Umgebung von Kraftwerken" zu Boden gegangen, die Schäden würden derzeit noch erfasst, erklärte das Ministerium weiter im Onlinedienst X.

Am Dienstag gab Saudi-Arabien die Schließung der wichtigsten Landverbindung zu Bahrain bekannt. Die 25 Kilometer lange König-Fahd-Brücke zwischen Saudi-Arabien und dem Inselstaat sei "als Vorsichtsmaßnahme" geschlossen worden, erklärte die zuständige Behörde.

Israel und die USA führen seit dem 28. Februar gemeinsam Krieg gegen den Iran. Der Iran reagiert mit ständigen Raketenangriffen auf Israel sowie zahlreiche andere Länder der Region.

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