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Blockade am Golf: Warum Hormus so entscheidend ist

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©Quelle: U.S. Energy Information Administration

Die Drehscheibe des Weltölhandels und der Energieversorgung ist 50 Kilometer breit und zwei Fahrrinnen schmal. Nun steht sie vor dem Stillstand. Die Folgen betreffen die weltweite Energiesicherheit - und sind bereits bis nach Österreich spürbar.

Von Hannah Ludmann

Täglich passieren Hunderte Schiffe eine Meerenge, die den Persischen Golf mit dem Golf von Oman, dem Arabischen Meer und dem Indischen Ozean im Osten verbindet – die Straße von Hormus. Derzeit jedoch bleibt das Nadelöhr unbefahren.

Seit dem US-israelischen Angriff auf Iran meiden Reedereien und Handelshäuser die Straße von Hormus, eine der weltweit wichtigsten Handelsrouten. Laut einem Vertreter der EU-Marinemission Aspides hätten mehrere Schiffe in der Region eine ­Funkdurchsage von den iranischen Revolutionsgarden erhalten, wonach „kein Schiff die Straße von Hormus passieren darf“.

Eine Blockade mit Folgen, denn: Über die Meerenge werden jeden Tag 20 Millionen Barrel Rohöl und Ölprodukte transportiert. Das entspricht etwa 30 Prozent des weltweit auf dem Seeweg gehandelten Öls. Auch 20 Prozent des globalen Handels mit Flüssigerdgas (LNG) laufen über diese Route. Sollte die Blockade länger anhalten, könnten die meisten Golfstaaten kein Öl mehr exportieren.

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 © Quelle: U.S. Energy Information Administration

Nadelöhr mit Engpass

Alternative Exportrouten über Pipelines gibt es nur in Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Deren Kapazität macht jedoch weniger als 40 % des gesamten regionalen Exportverkehrs aus. Reedereien steuerten ihre Schiffe bereits über das Kap der Guten Hoffnung. Das verlängert die Transitzeit zwischen Asien und Europa um zehn bis 15 Tage und erhöht Treibstoff- und Versicherungskosten.

Die Auswirkungen waren schnell spürbar: Anfang der Woche lag der Preis für Brent-Öl zeitweise bei 82,37 US-Dollar je Barrel (159 Liter) – der Höchststand seit Juli 2024. Wie Bloomberg unter Hinweis auf Delegierte berichtet, wollen die OPEC-Staaten und ihre Partner die Fördermenge um 206.000 Barrel pro Tag anheben.

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Eine langfristige Blockade der Meerenge würde jedoch vor allem Iran selbst treffen, das Land ist wirtschaftlich auf den Ölexport angewiesen. Auch das Verhältnis zu China geriete unter Druck – der Hauptanteil der iranischen Ölausfuhren geht an die Volksrepublik.

Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 10/2026 erschienen.

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