Donald Trump wollte als Friedenspräsident in die Geschichte eingehen – nun führen die USA an der Seite Israels Angriffe im Iran. Gefallene Soldaten, Kritik aus den eigenen Reihen und wachsende Zweifel in der Bevölkerung stellen seine "America First"-Erzählung auf die Probe. Wird der riskante Militäreinsatz zur Chance für Stärke – oder zur Hypothek vor den Kongresswahlen?
von
Donald Trump inszeniert sich gerne als Friedenspräsident. Bei nahezu jeder seiner Ansprachen reklamiert er für sich, eine Vielzahl von Konflikten beendet zu haben. "Keine Kriege" war bereits 2024 ein zentrales Motto seines Wahlkampfes, mit dem er Anhänger der "Make America Great Again"-Bewegung (MAGA) um sich scharen wollte. "Ich war der erste Präsident der Neuzeit, der keine neuen Kriege begonnen hat."
Risiko mit ungewissem Ausgang
Nun greifen die USA an der Seite Israels den Iran an – und das nicht zum ersten Mal in Trumps zweiter Amtszeit. Das israelische Militär tötete dabei Irans Staatsoberhaupt und Religionsführer Ayatollah Ali Khamenei. Teheran reagiert mit Angriffen auf Israel sowie auf US-Militärstützpunkte in der Golfregion. Schon am zweiten Tag des Einsatzes musste das US-Militär den Tod von drei Soldaten bekannt geben.
Trump hat die Amerikaner darauf vorbereitet. "Mutige amerikanische Helden könnten ums Leben kommen", sagte der Republikaner, als er sich nach den ersten Angriffen im Iran äußerte. "Aber wir tun das nicht für jetzt. Wir tun das für die Zukunft und es ist eine edle Mission."
Trump geht ein großes Risiko ein. Seit Beginn der Angriffe eskaliert die militärische Konfrontation in der Region – mit ungewissem Ausgang, auch für ihn selbst. Wie wird die Öffentlichkeit in den USA reagieren, wenn die ersten Särge in der Heimat eintreffen?
Kritik an Iran-Einsatz aus eigener Partei
Bereits wenige Stunden nach Beginn der Angriffe kritisierten sowohl demokratische als auch republikanische Spitzenpolitiker den Einsatz. Das amerikanische Volk werde erneut in einen Krieg hineingezogen, den es nicht wolle, schrieb die demokratische Kongressabgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez – "von einem Präsidenten, dem die langfristigen Folgen seines Handelns gleichgültig sind." Der Republikaner Thomas Massie resümierte: "Das entspricht nicht "America First"."
Dabei trat auch Trump an, um in einem zutiefst gespaltenen Amerika den Fokus weg von außenpolitischen Krisenherden Tausende Kilometer entfernt von der Heimat wieder auf innenpolitische Angelegenheiten zu lenken. Er punktete vor allem bei Anhängern des eher isolationistischen "America First"-Flügels der Republikaner, der sich primär den Problemen der einfachen Bürger widmen will – und nicht internationalen Krisen wie etwa in Nahost oder dem Ukraine-Krieg.
Überraschende Umfrage unter Trump-Anhängern
Es sollte also kaum verwundern, wenn einige Trump-Wähler die jüngste Offensive im Iran als klaren Bruch mit dem bisherigen Kurs betrachten. Allerdings gab es zuletzt Umfragen, die dieser Vermutung entgegenstehen.
Aus einer Umfrage des Portals "Politico" zwei Wochen nach der Gefangennahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro durch das US-Militär geht hervor, dass fast zwei Drittel der Trump-Wähler einen US-Militäreinsatz in mindestens einem Land wie dem Iran, in Kuba oder Grönland befürworten. Ein Land sticht besonders hervor: Rund 50 Prozent befürworteten eine militärische Intervention im Iran – so viele wie bei keinem anderen Ziel.
Eine Erklärung dürfte die Dauer des Konflikts zwischen Washington und Teheran sein. "Der Iran greift die USA seit mehr als 47 Jahren an. Und nun beendet der 47. Präsident der Vereinigten Staaten diese Schreckensherrschaft", kommentierte die ultrarechte Aktivistin Laura Loomer.
Für Republikaner steht viel auf dem Spiel
Politico verweist nun aber auch darauf, dass 30 Prozent der Trump-Wähler sich bei der Umfrage gegen einen solchen Einsatz ausgesprochen hätten und auch demokratische Wähler überwiegend dagegen seien. Insgesamt überwog – zumindest vor den Angriffen – also die allgemeine Ablehnung einer Intervention im Iran in der Öffentlichkeit. Auch wenn manche Republikaner das entschlossene Vorgehen des Präsidenten feiern – damit müsse sich Trump nun auseinandersetzen.
Und für die Republikaner, die sich ohnehin mit einer schwierigen Lage vor den Zwischenwahlen konfrontiert sehen, steht Beobachtern zufolge besonders viel auf dem Spiel – selbst kleine Abwanderungen an Wählern könnten überproportionale Folgen haben.
Trump verärgerte seine "MAGA"-Anhänger zuletzt auch bei anderen Themen – allen voran bei der Affäre um den verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. Im Wahlkampf hatte er mehrfach eine Veröffentlichung der Ermittlungsakten in Aussicht gestellt. Tatsächlich dauerte es aber Monate, bis der Präsident deutlichem Druck nachgab. Dabei überwarf er sich auch mit seiner langjährigen Vertrauten, der rechten Hardlinerin Marjorie Taylor Greene, die daraufhin auf Konfrontationskurs zum Präsidenten ging. "Wir haben für 'America First' und KEINE Kriege gestimmt", kommentierte sie jüngst.
Zerreißprobe vor Kongresswahlen im Herbst
Zuletzt verbuchte der Präsident immer weniger Zufriedenheit unter seinen Landsleuten. Eine Umfrage vor Trumps Rede zur Lage der Nation vergangene Woche ergab, dass sechs von zehn Amerikanern nicht mit der Art und Weise seiner Regierungsführung einverstanden sind.
Für Trump könnte die US-Offensive damit zur Zerreißprobe Monate vor den wichtigen Kongresswahlen werden. Ein noch größerer Bruch in der eigenen Basis wäre fatal: Am 3. November stehen beide Parlamentskammern zur Wahl. Dann werden alle Sitze im Repräsentantenhaus und etwa ein Drittel des Senats neu bestimmt.
Was von den US-Angriffen für die USA bleiben wird
Wie Trumps Militäroffensive sich auf die Wahlen auswirken wird, bleibt abzuwarten. Viel dürfte auch davon abhängen, ob Trump die Ziele des US-Einsatzes in kurzer Zeit erreichen kann – oder sie ihn wochen- oder gar monatelang beschäftigen werden.
Dabei dürfte es spannend sein zu beobachten, ob der Fokus auf US-Einsätze im Ausland von sinkenden Umfragewerten und innenpolitischen Problemen ablenken kann. Zuletzt versuchte Trump, beim vor allem unter demokratischen Wählern beliebten Thema Bezahlbarkeit zu punkten. Die Lebenshaltungskosten bleiben allerdings infolge seiner aggressiven Zollpolitik hoch – viele Kritiker sehen darin eine Steuer, die am Ende von US-Bürgern getragen wird.
Zudem könnte eine weitere Eskalation im Iran die Inflation durch steigende Energiepreise weiter befeuern. Spätestens wenn die Ölpreise steigen und damit Tanken teurer wird, könnte sich Trumps außenpolitischer Befreiungsversuch als innenpolitisches Eigentor erweisen.

