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Kahr sagte bei der erst zwei Stunden vorher einberufenen Pressekonferenz, dass sie die Entscheidung für den Wahltermin bereits zum Jahreswechsel für sich getroffen habe. Sie wollte ihn jedoch bewusst nicht früher bekannt geben, da sie ein weitgehend ungestörtes Arbeiten in der Stadtregierung so lange wie möglich aufrechterhalten wollte. Sie habe daher auch erst kurz vor der Pressekonferenz ihre Koalitionspartner sowie die anderen Parteien im Grazer Gemeinderat und den Migrantenbeirat, der ebenfalls am selben Tag gewählt werden wird, über ihre Entscheidung informiert.
Mit den erst am Donnerstag publik gewordenen Ergebnissen einer von NEOS initiierten Umfrage, die die KPÖ klar an erster Stelle sieht, habe der Wahltermin nichts zu tun, hieß es auf APA-Nachfrage: "Ich habe gelernt, dass es nichts Schlimmeres gibt, als spät zu erfahren, wie die Budgetsituation ist", blickte sie in Richtung des Wahltermins von 2021. Damals wurde am 26. September gewählt und gleich nach der Findung einer Koalition musste auch schon ein Budget am Tisch liegen. Das wolle sie entweder sich selbst oder jenen, die dann die Entscheidungen treffen müssen, ersparen, sagte sie. Für die Finanzdirektion sei es ebenfalls besser, "wenn sie sich nicht alles am letzten Abdrücker zusammenstoppeln muss", so die Bürgermeisterin.
Mit dem frühen Wahltermin sei es möglich, dass über den Sommer Pläne erstellt werden können. Das bringe Vorteile für die Budgeterstellung. Mit dem Termin sei die spätestmögliche konstituierende Gemeinderatssitzung am 27. August - allerdings will Kahr mit den anderen Parteien noch abklären, ob nicht auch ein früherer Termin möglich sein könnte. Dann sei für alle auch eine angemessene Urlaubsplanung möglich. "Ich halte das für die vernünftigste und beste Entscheidung", unterstrich die KPÖ-Chefin. "So können der neu gewählte Gemeinderat und die neue Stadtregierung nach dem Sommer die Arbeit ohne Verzögerung aufnehmen."
Vizebürgermeisterin Judith Schwentner (Grüne) meinte nach der Bekanntgabe in einer Aussendung: "Die Bürgermeisterin hat den Termin gut begründet. Dass es nun Juni statt September ist, macht für uns wenig Unterschied. In unserer Arbeit für die Stadt geht es ja nicht nur um die nächsten Monate, sondern um die nächsten Jahre und Jahrzehnte." ÖVP-Stadtparteiobmann Kurt Hohensinner blieb in seiner ersten Reaktion schuldig, ob er den Wahltermin gutheißt: "Nach der Frage um die Spitzenkandidatin inszeniert die Kahr-KPÖ zum zweiten Mal künstlich Vorwahl-Spannung, bleibt aber schuldig, wofür sie gewählt wurde: Lösungen für Graz."
NEOS-Fraktionschef Philipp Pointner sagte: "Der frühe Wahltermin ist eine Chance, damit nach der Wahl endlich jene Reformen angegangen werden, die Graz so dringend braucht." FPÖ-Spitzenkandidat René Apfelknab sieht die Blauen auch für den frühen Wahltermin "hervorragend gerüstet". SPÖ-Spitzenkandidatin Doris Kampus teilte mit: "Nicht der Wahltermin ist entscheidend, sondern die Inhalte." Gewählt wird übrigens am Tag des Formel 1-Grand Prix in Spielberg.
Die von NEOS Ende 2025 in Auftrag gegebene Umfrage des Instituts Triple M sieht in der Hochrechnung die KPÖ bei 28 Prozent, die ÖVP bei 23, die Grünen bei 15 und die Freiheitlichen bei 16 Prozent. Die SPÖ käme auf 9 Prozent, NEOS stehen bei 8 und KFG bei einem Prozent. 1.000 Personen wurden dafür von 30. Oktober bis 2. Dezember 2025 in 600 Telefon-Interviews und 400 Online-Interviews befragt. Die Schwankungsbreite beträgt 3,2 Prozent.





