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Ab dem Nachmittag wird gegen den Ball demonstriert, in der Innenstadt und Teilen der Innenstadt-Bezirke wird mit Verkehrsbehinderungen zu rechnen sein. Ab ca. 16.00 Uhr ist mit Umleitungen des Individualverkehrs im innerstädtischen Bereich zu rechnen, möglich sind auch temporäre Straßensperren. Die Wiener Polizei empfiehlt, den Bereich großräumig zu umfahren. Auch die Benutzer öffentlicher Verkehrsmittel müssen mit Einschränkungen rechnen.
Wie mittlerweile jedes Jahr wird auch heuer rund um den Veranstaltungsort ein Platzverbot verhängt. Dieses tritt laut Polizei ab 17 Uhr in Kraft und betrifft im Wesentlichen nur den Bereich des Heldenplatzes. Der Zutritt zur Veranstaltungsstätte Hofburg wird von der Bereitschaft abhängig gemacht, Kleidung und mitgeführte Behältnisse durchsuchen zu lassen, so die Polizei.
Ab dem späteren Nachmittag sind zwei Protestmärsche angekündigt. Wie schon in den vergangenen Jahren rief die Plattform "Offensive gegen Rechts" neuerlich zu einer Demonstration auf: "Auf die Straße gegen Burschis & Faschos" lautet das Motto des Protestzuges, der sich um 17 Uhr vor der Hauptuni Wien sammelt und danach durch die Innenstadt ziehen wird. Die Route führt laut Polizei vom Universitätsring über den Schottenring zur Wipplingerstraße, dann weiter auf den Hohen Markt, die Rotenturmstraße bis zum Stephansplatz. Angemeldet wurden rund 1.000 Teilnehmer.
Die zweite - "Budenbummel" genannte - Kundgebung soll sich ab ca. 17.45 Uhr vom Urban-Loritz-Platz in Bewegung setzen. Der Protestmarsch zieht an mehreren "Buden" von Burschenschaftern vorbei und geht über die Westbahnstraße zur Zieglergasse, Kandlgasse und Herrmanngasse zur Burggasse. Weiter geht es dann über die Neubaugasse, die Zeltgasse, die Piaristengasse und die Lerchenfelder Straße bis zum Grete-Rehor-Park am Schmerlingplatz. Angekündigt wurden laut Polizei für diese Demonstration rund 200 Teilnehmer.
Insgesamt werden mehrere hundert Polizisten aus Wien im Einsatz sein. Sie erhalten auch Unterstützung von Kolleginnen und Kollegen aus den Bundesländern. Ziel des Einsatzes sowie der Platzsperre am Heldenplatz ist es, das Zusammenstoßen von Demonstranten und Ballbesuchern zu verhindern.
Der Wiener Akademikerball findet seit 2013 unter seinem aktuellen Namen statt. Er gilt als offizieller Nachfolger des WKR-Balls, der davor seit 1952 von Farben tragenden und mehrheitlich schlagenden Hochschulkorporationen ausgerichtet worden war. Mehrheitlich von linker Seite dagegen demonstriert wird schon seit vielen Jahren, wobei es vor allem vor dem Veranstalterwechsel teilweise zu heftigen Protesten gekommen war. In den letzten Jahren wurde es hingegen spürbar ruhiger rund um den Veranstaltungsort, im Vorjahr waren die Proteste laut Exekutive "ohne nennenswerte Zwischenfälle" verlaufen.
In der Hofburg selbst gaben sich die Teilnehmenden zumeist betont gelassen und verurteilten die "gewalttätigen Ausschreitungen" regelmäßig. Der Ballorganisator und FPÖ-Gemeinderat Udo Guggenbichler betonte im Vorfeld des diesjährigen Balles, man habe nichts gegen Demonstrationen, sofern sie gewaltfrei verlaufen.
Während zu WKR-Zeiten noch Uni-Rektoren die Festreden hielten, brachen danach neue Zeiten an: So sprach etwa 2018 der einstige FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache vor den versammelten Burschenschaftern und verurteilte dabei sogar Antisemitismus in den eigenen Reihen. Zweimal trat auch der damalige FPÖ-Volksanwalt und nunmehrige Nationalratspräsident Walter Rosenkranz auf, seit letztem Jahr wird die Rede wieder von einem Akademiker gehalten. Parteichef Kickl bleibt der Veranstaltung seit jeher fern, er sei kein Ballgeher, heißt es aus seinem Büro.
Rosenkranz wird voraussichtlich auch heuer wieder Teil der Eröffnung sein, hieß es im Vorfeld. Auch Wiens Landesparteichef Dominik Nepp wird wie im Vorjahr in der Hofburg erwartet.
Kritik an der Teilnahme von Nationalratspräsident Rosenkranz kam am Donnerstag von SPÖ und Grünen: "Der Akademikerball steht seit Jahren für ein Milieu, das deutschnationales und rechtsextremes Gedankengut verharmlost. Wer als Nationalratspräsident eine überparteiliche und verbindende Rolle innehat, darf solchen Veranstaltungen nicht durch seine Anwesenheit Legitimität verleihen", sagte SPÖ-Erinnerungskultur-Sprecherin Sabine Schatz.
Sie verwies darauf, dass der Akademikerball unter Kritikern als internationale Vernetzungsplattform für die extreme Rechte gilt. "Die Teilnahme von Rosenkranz an der höchst umstrittenen Veranstaltung" ist laut Schatz ein "grober Fehler": "Während Rechtsextreme aus dem In- und Ausland dort anstoßen und Kontakte knüpfen, verleiht der Nationalratspräsident dem Ganzen durch seine Anwesenheit einen offiziellen Anstrich."
Ähnlich äußerten sich die Grünen: "Beim Akademikerball wird Rechtsextremismus im wahrsten Sinne des Wortes salonfähig gemacht. Die Veranstaltung ist seit jeher kein harmloser Tanzabend, sondern ein internationales Vernetzungstreffen von extremen Rechten, Neonazis und Anti-Demokraten", so Rechtsextremismussprecher Lukas Hammer.
Empört reagierte die FPÖ auf diese Kritik: "Dass die SPÖ-Abgeordnete Schatz und ihr grünes Pendant Hammer in die linksradikale Hetz- und Diffamierungskampagne gegen den Wiener Akademikerball einstimmen, offenbart nicht nur ihr bedenkliches Demokratieverständnis, sondern ist gerade in Zeiten linksextremistischer Gewalteskalation verantwortungslos", sagte FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker.
Er verwies darauf, dass vor wenigen Tagen in Lyon in Frankreich ein (rechtsextremer) Aktivist von einer Gruppe Vermummter - mutmaßliche Linksextremisten - zusammengeschlagen und mit Fußtritten traktiert wurde. Der 23-Jährige war am Samstag an den Folgen seiner schweren Kopfverletzung verstorben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Totschlags. Von Schatz und Hammer habe er dazu "kein einziges Wort des Bedauerns geschweige denn einen Aufruf zur Deeskalation in Richtung der linken Ballgegner-Demonstrationen gehört", so Hafenecker.






