ABO

PHs kritisieren Uni-Vorschläge für Lehrerausbildung

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
3 min
Unis und PHs wollen allein für die Lehrerausbildung zuständig sein
©HEIKO WOLFRAUM, APA, THEMENBILD
Die Vision der Unis, schrittweise die komplette Ausbildung von Lehrkräften samt Fort- und Weiterbildung von den Pädagogischen Hochschulen (PH) zu übernehmen, ist für die PH-Rektorenkonferenz ein "Irrweg". Ohne PHs fehle der nötige Praxisbezug, warnten sie am Freitag. Derzeit sind die Unis nur für allgemeinbildende Fächer der Sekundarstufe zuständig, und das gemeinsam mit den PHs. Volksschullehrer, berufsbildende Fächer, Fort- und Weiterbildung sind Angelegenheit der PHs.

von

Durch die immer komplexeren Herausforderungen und die Vielfalt in den Klassen bräuchten Lehrkräfte heute nicht nur Fachwissen, sondern vor allem pädagogische Handlungskompetenz, hieß es in einer Aussendung. Die PH hätten darauf bereits mit "wissenschaftlich fundierten und zugleich praxisnahen Studienangeboten" reagiert, viele PH-Lehrende könnten als aktive oder ehemalige Lehrkräfte an Schulen praxisnahe Kompetenzen aus erster Hand vermitteln. Die PHs würden außerdem durch Schulentwicklungsberatung, berufsfeldbezogene Forschung und ihre Praxisschulen "Forschung unmittelbar mit der schulischen Praxis" verbinden.

Papier sei geduldig und das gelte auch für Studienpläne, kommentierte die Vorsitzende der PH-Rektorenkonferenz, Beatrix Karl, den Vorstoß der Unis. "Entscheidend ist, dass der Praxisbezug in der Aus-, Fort- und Weiterbildung tatsächlich gelebt wird - und das gewährleisten die Pädagogischen Hochschulen." Es spreche nichts gegen eine Weiterentwicklung der Lehramtsausbildung, räumte Karl ein. Dazu brauche es aber ein "partnerschaftliches Miteinander" wie in den gemeinsamen Verbünden für die Ausbildung der Lehrer in der Sekundarstufe (Mittelschule, AHS, Berufsbildende mittlere und höhere Schulen/BMHS).

Dabei setzt Karl sich schon länger selbst dafür ein, die Lehrerausbildung zur Gänze den PHs zu übertragen. Diese sollten ihrer Ansicht nach außerdem - ähnlich wie die Unis - autonome Institutionen werden, so die frühere Wissenschaftsministerin in einem Beitrag für das geplante ÖVP-Bildungskonzept, das aktuell vom Campus Tivoli (vormals Politische Akademie) ausgearbeitet wird. Derzeit sind die PHs nachgeordnete Dienststellen des Bildungsministeriums, das dadurch Einfluss auf Aus-, Fort- und Weiterbildung nehmen kann.

Hintergrund der aktuellen Debatte über die Zukunft der Lehrerausbildung ist das Regierungsprogramm der schwarz-rot-pinken Koalition, in dem vage die Schaffung von "Schools of Education" als Ziel genannt wird. Die Arbeiten daran sollen laut Bildungsministerium im Frühjahr starten.

Das Konzept der Universitätenkonferenz (uniko) sieht konkret vor, dass die Unis für ihre Lehramtsangelegenheiten jeweils "Schools of Education" als eine eigene Organisationseinheit einrichten und dort auch jenes PH-Personal übernehmen, das bisher schon in den gemeinsam angebotenen Lehramtsstudien gelehrt hat. In Bundesländern ohne Volluniversitäten sollen Uni-Zweigstellen gegründet oder weiter mit PHs vor Ort kooperiert werden. Gebäude und Infrastruktur der derzeitigen PH sollen weiter genutzt und auch ein Teil des PH-Lehrpersonals übernommen werden. Aus uniko-Sicht würde das Modell die Lehrerbildung günstiger machen, die Personalplanung und Abstimmung der Studienpläne verbessern und sicherstellen, dass neue wissenschaftliche Erkenntnisse und technologische Fortschritte "möglichst ohne Zeitverzögerung" in den Schulen ankommen.

Über die Autoren

Logo
Monatsabo ab € 21,75
Ähnliche Artikel
2048ALMAITVEUNZZNSWI314112341311241241412414124141241TIER