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Sonja Spitzer und Claudia Reiter vom Institut für Demographie der ÖAW wollten mit ihrer Studie die Frage beantworten, wie sich Karriereverläufe nach der Geburt des ersten Kindes entwickeln. Für ihre Analyse nutzten sie eine neuartige Verknüpfung österreichischer Registerdaten. Dabei kombinierten sie Daten von 5.130 in Österreich lebenden Personen der Geburtsjahrgänge 1942 bis 1997 aus dem Geburtenregister und über tägliche Erwerbsverläufe zwischen 2009 und 2022 mit den Ergebnissen der standardisierten Kompetenztests aus dem "Programme for the International Assessment of Adult Competencies" (PIAAC).
In dieser von der OECD in 31 Staaten durchgeführten, auch als "Erwachsenen-PISA" bezeichneten Vergleichsstudie werden allgemeine Fähigkeiten, die Erwachsene im Alltag und Beruf brauchen, erhoben. In ihrer Analyse konzentrierten sich die Forscherinnen auf Rechenkompetenzen, weil diese "in engem Zusammenhang mit Beschäftigung und Löhnen stehen, ein genaueres Maß für arbeitsrelevante Fähigkeiten bieten als die formale Bildung und einen wichtigen Teil des geschlechtsspezifischen Lohngefälles ausmachen", wie sie in ihrer Arbeit schreiben.
Der Studie zufolge nehmen Mütter nach der ersten Geburt durchschnittlich 416 Tage bezahlte Elternkarenz in Anspruch. Väter bleiben dagegen nur neun Tage zu Hause. Diese Unterschiede zwischen Männern und Frauen bestehen unabhängig davon, ob sie über hohe oder niedrige berufliche Kompetenzen verfügen.
Viele Mütter bleiben zudem über die Dauer der bezahlten Karenz hinaus zu Hause. "Geringer qualifizierte Mütter bleiben besonders lange außerhalb des Arbeitsmarkts", erklärte Spitzer in einer Aussendung der ÖAW. Etwas schneller kommen hoch qualifizierte Frauen in den Arbeitsmarkt zurück, doch auch für sie sei Elternschaft meist mit langen Erwerbsunterbrechungen und einem Wiedereinstieg in Teilzeit verbunden. Sie hätten häufiger Bildungskarenz genutzt, um länger bei ihrem Kind zuhause zu bleiben.
Für Väter hingegen bleibt der Übergang zur Elternschaft weitgehend ohne Konsequenzen hinsichtlich ihrer Erwerbstätigkeit. Kompetenzunterschiede spielen bei ihnen nur eine geringe Rolle, auch hoch qualifizierte Männer nehmen der Studie zufolge Elternkarenz nur selten in Anspruch. Sie bleiben im Schnitt zwölf Tage in bezahlter Elternkarenz, gering qualifizierte Väter sogar nur vier Tage.
Die beobachteten Muster zeigen sich konsistent über verschiedene soziale Gruppen hinweg, unabhängig von Bildungsniveau, Migrationshintergrund oder Wohnort. Die Forscherinnen betonen, dass großzügige Karenzregelungen zwar finanzielle Absicherung und Flexibilität bieten, aber zugleich traditionelle Arbeitsteilungen verfestigen können.
"Oft wird vorgeschlagen, die Folgen des demographischen Wandels und den Fachkräftemangel über eine höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen zu lösen - dabei wird jedoch übersehen, dass großzügige Karenzregelungen allein nicht ausreichen, solange gesellschaftliche Normen Mütter für lange Zeit aus dem Beruf drängen", erklärte Reiter. Es müsse über eine "Neuverteilung von Care-Arbeit, über Väterbeteiligung und über frühkindliche Betreuung" gesprochen werden.
(SERVICE - https://doi.org/10.12765/CPoS-2026-01 )
ARCHIV - ILLUSTRATION - Ein Vater hält am 10.06.2006 seinen Sohn an der Hand. «Vater» Staat: Für Kinder in Thüringen, deren leibliche Väter keinen Unterhalt zahlen, sind die Steuerzahler im vergangenen Jahr mit rund 31,3 Millionen Euro eingesprungen. Die staatlichen Unterhaltsvorschusszahlungen hätten im Freistaat den höchsten Stand seit zehn Jahren erreicht, teilte das Sozialministerium auf Anfrage mit. Foto: Frank Leonhardt dpa/lth (zu lth vom 26.02.2011) +++(c) dpa - Bildfunk+++





