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Ein Jahr Trump im Amt: Zwischen Machtpolitik, Midterms und wachsendem Widerstand

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Donald Trump

©IMAGO/Abacapress

Ein Jahr nach Trumps Rückkehr ins Weiße Haus prägen harte innen- und außenpolitische Entscheidungen seine Präsidentschaft. Die Kongresswahlen 2026 werden zum ersten großen Stimmungstest.

Als Donald Trump am 20. Jänner 2025 zum zweiten Mal als Präsident der Vereinigten Staaten angelobt wurde, war absehbar, dass seine erste Amtszeit nur ein Vorgeschmack gewesen war. Nach einem Jahr im Amt zeigt sich: Trump verändert Politik, Institutionen und internationale Beziehungen spürbar – mit Konsequenzen im In- und Ausland. Das Jahr 2026 könnte dabei zum entscheidenden Prüfstein werden.

Innenpolitisch unter Druck

Trump selbst bewertet sein erstes Jahr als Erfolg. Die Wirtschaft laufe gut, seine Regierung handle geschlossen, die Bevölkerung stehe hinter ihm. Kritik weist der bald 80-Jährige scharf zurück. Politikwissenschafter William Galston von der Brookings Institution beschreibt Trumps Führungsstil als „Shock and Awe“ – Einschüchterung und Machtdemonstration. Diese Strategie habe zunächst Wirkung gezeigt, verliere aber an Kraft.

Darauf deuten Wahlerfolge der Demokraten hin. Sie gewannen unter anderem die Bürgermeisterwahl in New York mit Zohran Mamdani, die Gouverneurswahlen in Virginia und New Jersey sowie erstmals seit fast 30 Jahren das Bürgermeisteramt in Miami. Ökonomen führen diese Entwicklung auf wachsende Unzufriedenheit über steigende Preise und Trumps Abschiebepolitik zurück, die hunderttausende Arbeitsplätze gekostet habe.

Trump konterte mit einer Rede an die Nation und stellte für das kommende Jahr einen wirtschaftlichen Boom in Aussicht. Gleichzeitig setzt er auf symbolträchtige Großereignisse: die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Mexiko und Kanada sowie die Feiern zum 250. Jahrestag der Unabhängigkeit am 4. Juli.

Midterms als Wendepunkt

Nach dem Sommer richtet sich der politische Fokus auf den 3. November 2026. Dann stehen die Zwischenwahlen zum Kongress an. Alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus sowie rund ein Drittel der Senatssitze werden neu vergeben. Die Republikaner verfügen derzeit nur über knappe Mehrheiten in beiden Kammern.

Trump selbst zeigt sich ungewohnt zurückhaltend und verweist auf die historische Regel, dass Präsidenten bei Midterms oft verlieren. Seine Stabschefin Susie Wiles betont, er werde erneut mit voller Intensität Wahlkampf führen. Trump mobilisiere mehr Wähler als seine Partei allein.

Alter und Nachfolgefragen

Zunehmend wird Trumps Alter zum Thema. Am 14. Juni 2026 wird er 80 Jahre alt. Berichte über Ermüdungserscheinungen quittiert der Präsident mit Verärgerung, doch bei mehreren Auftritten wirkte er vor laufenden Kameras übermüdet. Parallel positionieren sich mögliche Nachfolger. Vizepräsident JD Vance gilt als Favorit im Maga-Lager, auch Außenminister Marco Rubio wird genannt.

Trump selbst schließt ein drittes Antreten nicht aus, obwohl die US-Verfassung dies verbietet. William Galston hält einen juristischen Versuch für denkbar, verweist aber auf erhebliche rechtliche Hürden.

Außenpolitik: Brüche und Konflikte

International sorgt Trump für anhaltende Spannungen. In Europa wächst die Sorge um die Verlässlichkeit der NATO. Sonderzölle, Forderungen nach höherer Verteidigungsfinanzierung und der Vorstoß, Grönland von Dänemark zu erwerben, belasten das Verhältnis. Unter Trumps Druck einigten sich die NATO-Staaten zwar auf eine Erhöhung der Verteidigungsausgaben auf fünf Prozent des BIP, doch die Angst vor einem US-Rückzug bleibt.

Russland nutzte Trumps Gesprächsbereitschaft im Ukraine-Krieg für ein taktisches Zeitspiel. Erst zuletzt verschärfte Washington wieder Sanktionen. China begegnet den US-Zöllen mit Gegenzöllen und Exportbeschränkungen, etwa bei seltenen Erden, und gewinnt damit im Globalen Süden an Einfluss.

Zölle, Migration und Tech-Konzerne

Innenpolitisch greift Trump mit einer umfassenden Zollpolitik in den Welthandel ein. Warnungen vor steigenden Verbraucherpreisen ignorierte er. Gleichzeitig kommt es zu landesweiten Razzien gegen Migranten, die in vielen Städten Proteste auslösen. Besonders aufsehenerregend war der tödliche Schuss eines ICE-Beamten auf eine US-Bürgerin in Minneapolis.

Anders als in seiner ersten Amtszeit steht Trump nun großen Teilen der Tech-Industrie nahe. Elon Musk unterstützte seine Wiederwahl finanziell, Meta schaffte Faktenchecks ab, Apple geriet wegen Zöllen unter Druck. Das Weiße Haus signalisiert der Branche politische Rückendeckung, auch in Konflikten mit der EU.

Rhetorik als Markenzeichen

Begleitet wird Trumps Politik von einer Reihe markiger Aussagen, die regelmäßig für internationale Irritation sorgen – von Angriffen auf europäische Partner über Ankündigungen militärischer Schritte bis zu Selbstzuschreibungen als Friedensstifter. Sie unterstreichen einen Führungsstil, der auf persönliche Autorität setzt und institutionelle Grenzen wiederholt infrage stellt.

Offene Flanken

Zusätzlichen Druck erzeugt die Affäre um die Epstein-Unterlagen. Obwohl Trump im Wahlkampf Transparenz angekündigt hatte, verzögert sich die Veröffentlichung der Akten. Das sorgt selbst im eigenen Lager für Unmut.

Ein Jahr nach seinem Amtsantritt zeigt sich damit ein ambivalentes Bild: Trump dominiert die politische Bühne mit harter Rhetorik und weitreichenden Entscheidungen. Ob diese Strategie trägt oder bei den Midterms 2026 an ihre Grenzen stößt, wird zum zentralen Test für seine zweite Präsidentschaft.

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