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„Größer, besser, reicher, stärker“: Trump und seine Rede zur Lage der Nation

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Vizepräsident JD Vance und der Sprecher des Repräsentantenhauses Mike Johnson applaudieren Donald Trumps Ausführungen.

©IMAGO / MediaPunch

Der US-Präsident hat sich in seiner „State of the Union“-Rede zahlreiche Erfolge zugeschrieben. Außenpolitische Konflikte wie die Ukraine blieben Randthemen, innenpolitisch dominierte die Wirtschaft.

US-Präsident Donald Trump hat in seiner Rede zur Lage der Nation („State of the Union“) vor dem Kongress ein Bild von einer wiedererstarkten Nation gezeichnet und sich selbst zahlreiche Erfolge attestiert. In der mit rund 107 Minuten bislang längsten Ansprache dieser Art stellte er vor allem wirtschaftliche Fortschritte und seine Einwanderungspolitik in den Vordergrund. Zentrale außenpolitische Themen wie der Krieg in der Ukraine spielten hingegen nur eine untergeordnete Rolle.

„Unsere Nation ist zurück – größer, besser, reicher und stärker als je zuvor“, erklärte Trump zu Beginn seiner Rede. Die Republikaner begleiteten den Auftritt mit „USA“-Sprechchören, während zahlreiche Demokraten der Sitzung fernblieben und stattdessen an Protesten vor dem Kapitol teilnahmen. Der Zeitpunkt der Rede war politisch heikel: Gut acht Monate vor den Zwischenwahlen sieht sich Trump mit sinkenden Zustimmungswerten und anhaltender Kritik wegen hoher Lebenshaltungskosten konfrontiert.

Wirtschaft als zentrales Thema

In der ersten Stunde der Ansprache konzentrierte sich Trump auf die wirtschaftliche Lage. Er erklärte, die Inflation gebremst, die Börsen auf Rekordstände geführt, Arzneimittelpreise gesenkt und Steuern reduziert zu haben. Für weiterhin hohe Preise machte er die Regierung seines Vorgängers Joe Biden verantwortlich. Aktuelle Konjunkturdaten, die auf ein schwächeres Wirtschaftswachstum und erneut steigende Inflation hindeuten, ließ er unerwähnt.

Nur kurz ging Trump auf die Entscheidung des Supreme Court ein, der einen Großteil seiner Zölle gekippt hatte. Das Urteil bezeichnete er als „unglücklich“, betonte jedoch, es werde seine Handelspolitik kaum beeinflussen. Tatsächlich verhängte er kurz darauf neue Zölle auf anderer rechtlicher Grundlage.

Außenpolitik bleibt im Hintergrund

Außenpolitisch setzte Trump nur wenige Akzente. Den Ukraine-Krieg erwähnte er lediglich am Rande – und das ausgerechnet am Jahrestag des russischen Angriffs. Auch zu China oder Grönland, dessen Übernahme er früher angedroht hatte, äußerte er sich nicht. Beim Iran blieb er vage: Er bevorzuge eine diplomatische Lösung, werde jedoch niemals zulassen, dass Teheran in den Besitz von Atomwaffen gelange. Der Iran wies die US-Vorwürfe umgehend zurück.

Überraschend deutlich fiel Trumps Ton gegenüber Venezuela aus. Knapp zwei Monate nach der Festnahme des venezolanischen Staatschefs Nicolás Maduro durch das US-Militär bezeichnete er das Land als „Freund und Partner“ und verwies auf umfangreiche Öl-Lieferungen in die USA.

Einwanderung und Kritik

Beim Thema Einwanderung blieb Trump bei seiner bekannten Rhetorik. Er machte Migranten ohne Papiere erneut für Gewaltverbrechen verantwortlich, obwohl Studien diese Darstellung nicht stützen. Umfragen zufolge hält eine Mehrheit der Amerikaner sein hartes Vorgehen in der Migrationspolitik für überzogen. Besonders die umstrittenen Einsätze der Einwanderungsbehörde ICE sorgten zuletzt für Kritik.

Trumps Zustimmungswerte bewegen sich laut Umfragen um die 40 Prozent, mit seiner Wirtschaftspolitik sind nur 36 Prozent zufrieden. Das ist problematisch mit Blick auf die Zwischenwahlen im November, bei denen die Republikaner ihre knappen Mehrheiten im Repräsentantenhaus und im Senat verteidigen müssen. Verlieren sie eine der beiden Kammern, würde Trumps Handlungsspielraum bis 2028 deutlich eingeschränkt.

Demokratische Antwort: Fokus auf Lebenshaltungskosten

In der traditionellen Antwort der Opposition stellte die demokratische Gouverneurin von Virginia, Abigail Spanberger, die steigenden Lebenshaltungskosten in den Mittelpunkt. Trumps Zollpolitik belaste Familienbudgets erheblich, kritisierte sie. Zudem warf sie dem Präsidenten vor, mit Angst statt mit Lösungen zu regieren, insbesondere in der Einwanderungspolitik. Auch andere Demokraten griffen Trump scharf an und warfen ihm vor, demokratische Prinzipien zu untergraben.

Die Rede zur Lage der Nation machte damit vor allem eines deutlich: Trump setzt im Wahljahr auf Selbstinszenierung und innenpolitische Themen. Viele offene Fragen in der Außenpolitik ließ er unbeantwortet.

Trumps Rede im Faktencheck

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