Ronald Lauder, Sohn von Kosmetikmagnatin Estée Lauder, äugt Richtung Grönland – und gilt als Drahtzieher von Donald Trumps umstrittenen Ambitionen in der Arktis.
von Ed Cumming
Zuerst erschienen in „The Telegraph“, am 19.1.2026, übersetzt mit DeepL, mit freundlicher Genehmigung
Donald Trumps Rhetorik hat ein erstaunliches Maß an Leidenschaft erreicht. Als der Präsident am Montag vor dem Weltwirtschaftsgipfel in Davos gefragt wurde, ob die Vereinigten Staaten Gewalt einsetzen würden, um das weitläufige dänische Arktisgebiet einzunehmen, antwortete er: „Kein Kommentar.“ Zuvor hatte er angekündigt, die größte Insel der Welt „auf die nette oder die schwierigere Art“ übernehmen zu wollen.
Grönland scheint für Trump zu einer regelrechten Obsession geworden zu sein. Er behauptet, die USA müssten die Insel „besitzen“, um Sicherheitsbedrohungen durch Russland und China abzuwehren. Seine Haltung droht nicht nur die Beziehungen zwischen den USA und Dänemark zu untergraben, sondern auch die gesamte Nachkriegsordnung zwischen Europa und den USA. Während die Debatte über die Zukunft der Insel immer heftiger wird, richtet sich die Aufmerksamkeit zunehmend auf eine von Trumps ältesten Freundschaften.
Ein Freund mit Absichten
Ronald Lauder, ein 81-jähriger New Yorker Milliardär und Erbe von Estée Lauder, gehört seit mehr als sechs Jahrzehnten zum persönlichen Umfeld Donald Trumps. Und laut John Bolton, Trumps ehemaligem nationalen Sicherheitsberater, war es Lauder, der 2018 während Trumps ersten Amtszeit die Idee einer Übernahme Grönlands durch die USA in dessen Kopf setzte.
„Trump rief mich Ende 2018 ins Oval Office“, erinnert sich Bolton. „Er sagte: ‚Ein sehr prominenter Geschäftsmann hat vorgeschlagen, dass wir Grönland kaufen. Was halten Sie davon?‘“ Bald erfuhr Bolton, dass es sich bei dem genannten Geschäftsmann um Lauder handelte, einen langjährigen Sparringspartner Trumps in der New Yorker Gesellschaft. Die Idee, Grönland zu kaufen – das seit 1721 zu Dänemark gehört –, lehnte er nicht von vornherein ab. „Ich hatte mir Gedanken über die Sicherheit in der Arktis und insbesondere in Grönland gemacht“, sagt er. „Dort gibt es strategische Interessen.“
Nach dem Gespräch mit Trump beauftragte Bolton den Nationalen Sicherheitsrat damit, „umfassende“ Recherchen zur Geschichte der Insel anzustellen und mögliche Handlungsoptionen zu prüfen. Auf der Grundlage bestehender Vereinbarungen aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg verfügen die USA bereits über weitreichende Möglichkeiten, ihre Militärpräsenz in Grönland auszubauen.
Mehr als nur eine Insel aus Eis
Die Insel ist seit Langem für Militärstrategen von Interesse, die den wachsenden Einfluss Russlands und Chinas in der Arktis beobachten – nicht zuletzt, weil durch steigende Temperaturen und schwindendes Eis strategisch wichtige Schifffahrtswege erschlossen werden. Zunehmend sind auch die Vorkommen an fossilen Brennstoffen, Mineralien und Seltenen Erden – die in Technologien von Smartphones bis hin zu militärischer Ausrüstung verwendet werden – zu einem strategischen Faktor geworden. Die Versuche der USA, Grönland zu kaufen, reichen Jahrhunderte zurück, aber kein Präsident zuvor hat dies so offensiv betrieben wie Trump.
Neben Berichten, Lauder habe Trump auf die Idee gebracht, Grönland zu kaufen oder zu übernehmen, erklärte dieser, sie stamme von ihm selbst. In einem Interview für das 2022 erschienene Buch über Trump, ‚The Divider‘, sagte der Präsident, er sei seit Langem der Meinung, dass die Insel zu Amerika gehören sollte. „Ich habe immer gesagt: ‚Schaut euch die Größe an‘“, erzählte er den Autoren Peter Baker und Susan Glasser. „Das Gebiet ist riesig. Es sollte Teil der Vereinigten Staaten sein.“
In Anlehnung an Boltons Darstellung brachte dasselbe Buch jedoch auch eine mögliche Rolle Lauders ins Spiel: Er habe angeboten, bei möglichen Verhandlungen mit der dänischen Regierung als inoffizieller Vermittlungskanal zu fungieren.


Alte Bekannte. Trump und Lauder verbindet eine lange Freundschaft in der die Grenzen zwischen Business und Privatem verschwimmen.
© Ricky Carioti / The Washington Post via Getty ImagesIm August 2019 berichtete das Wall Street Journal erstmals über Trumps Pläne für Grönland, wobei der Präsident bestätigte, dass er am Kauf des Territoriums interessiert sei. Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen wies die Idee als „absurd“ zurück. Trump reagierte darauf mit einer Schimpftirade, sagte eine geplante Reise nach Dänemark ab und bezeichnete Frederiksen als „garstig“. Wochen später schied Bolton aus Trumps Regierung aus. Als die Pandemie die Weltpolitik beherrschte, geriet das Thema Grönland in den Hintergrund.
Acht Jahre später steht es wieder auf der Agenda des Präsidenten. Bolton zufolge ist das erneute Interesse typisch für Trumps Herangehensweise. Gegenüber dem Guardian erklärte er: „Informationsfetzen, die er von Freunden aufschnappt, nimmt er für bare Münze – und dann lässt er sich nicht mehr von seiner Meinung abbringen.“ Damit rückt auch der Mann, der die Idee ursprünglich eingebracht haben soll, erneut in den Fokus. Lauder wurde um eine Stellungnahme gebeten.
Der Cholerische und der Charismatische
Ronald Lauder wurde im Februar 1944 als zweiter von zwei Söhnen der Kosmetikmagnatin Estée und ihres Mannes Joseph geboren. Sein älterer Bruder Leonard starb im Juni letzten Jahres und hinterließ ihm als Alleinerben ein Vermögen von schätzungsweise 4,7 Milliarden Dollar (knapp 4 Milliarden Euro). Während Leonard die Kontrolle über das Unternehmen erhielt, wurde Ronald mit den philanthropischen Aktivitäten der Familie betraut Ronald Lauder und Trump lernten sich in den 60er-Jahren während ihrer Studienzeit an der Wharton School der University of Pennsylvania kennen. Lauder spendete 100.000 Dollar für Trumps ersten Präsidentschaftswahlkampf. In einer Rede im Jahr 2017 sprach Trump von einer „langjährigen Freundschaft“ der beiden.
Ein Jahr später veröffentlichte Lauder eine Erklärung, in der er die mentale Gesundheit des Präsidenten verteidigte. Anlass waren Behauptungen, die Michael Wolffin seinem Bestseller „Fire and Fury“ über den erratischen Geisteszustand des Präsidenten erhoben hatte. Lauder sagte, Trump sei „ein Mann von außergewöhnlicher Einsicht und Intelligenz“, der seine Kritiker vor allem deshalb verärgere, weil er sich weigere, „in abgedroschenen Plattitüden zu sprechen“.


Familienbande. Ronald Lauder wurde als zweiter von zwei Söhnen der Kosmetikmagnatin Estée Lauder geboren. Bruder Leonard (li.) starb im Vorjahr.
© Ron Galella Collection via Getty ImagesZudem erklärte er, die gemeinsame Zeit an der Universität habe den Beginn einer jahrzehntelangen Freundschaft markiert, die schließlich darin gemündet sei, „mit Trump an einigen der komplexesten diplomatischen Herausforderungen überhaupt zu arbeiten“, was einige Beobachter als Anspielung auf Grönland interpretierten.
Trotz ihrer Freundschaft sollen die beiden Männer gegensätzliche Charaktere haben. „Lauder ist sehr sympathisch, zugänglich, redegewandt und interessiert sich für Kultur“, sagt Roger Kimball, ein bekannter konservativer Kunstkritiker und Kommentator sowie Herausgeber und Verleger von The New Criterion, das Lauder 2024 für seine Verdienste um Kultur und Gesellschaft mit dem Edmund Burke Award auszeichnete. „Er und Trump sind sehr unterschiedliche Persönlichkeiten. Ronald ist ruhig, freundlich und höflich, aber zurückhaltend. Man kann vieles über Donald Trump sagen, aber ich habe noch nie gehört, dass man ihm Zurückhaltung zugeschrieben hätte. Ronald Lauder hingegen schon.“
Vom Kosmetikerben zum Diplomaten
Abgesehen von Grönland ist Lauder jenseits der Geschäftswelt vor allem für sein Interesse an Kunst und jüdischen Angelegenheiten sowie für seine republikanische Politik bekannt. Seit Jahrzehnten spendet er für die Partei. 1984, als Ronald Reagan Präsident war, gab Lauder seinen Job in der Kosmetikbranche auf, um als stellvertretender Staatssekretär für Verteidigungspolitik in Europa und der NATO zu arbeiten. Zwei Jahre später wurde er zum US-Botschafter in Österreich ernannt, blieb aber nur ein Jahr im Amt.
1989 bewarb sich Lauder um die republikanische Kandidatur für das Amt des New Yorker Bürgermeisters. Obwohl er zehn Millionen Dollar aus eigener Tasche in seinen Wahlkampf investiert hatte, unterlag er Rudy Giuliani. In der anschließenden Hauptwahl trat er schließlich als Kandidat der Conservative Party an – in einem Rennen, das der Demokrat David Dinkins gewann. Lauders vielleicht einflussreichste politische Initiative bis zur Grönland-Affäre war eine Kampagne zur Begrenzung der Amtszeit von Bürgermeistern auf zwei vierjährige Amtszeiten, die 1993 Erfolg hatte.
Millionen mit Wirkung
Im Jahr 2001 eröffnete Lauder die Neue Galerie in der Upper East Side von New York, ein Museum, das sich der Kunst aus Österreich und Deutschland aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts widmet. Das Herzstück der Sammlung ist Klimts Porträt von Adele Bloch-Bauer, das Lauder 2006 für 135 Millionen Dollar erwarb – damals der höchste Preis, der jemals für ein Gemälde gezahlt wurde.
Die Sammlung umfasst auch eine weltweit führende Auswahl von Werken Egon Schieles. Lauder setzt dabei einen besonderen Schwerpunkt auf Kunstwerke, die von den Nationalsozialisten geraubt wurden. Seit 2007 ist er Präsident des Jüdischen Weltkongresses, der sich für die Interessen der Juden weltweit einsetzt. Im Jahr 2023 sagte er 25 Millionen Dollar für eine Kampagne gegen Antisemitismus zu.
Im November desselben Jahres tauchte Lauder in einem durchgesickerten Schreiben auf – verfasst vom Chef des Bergbauunternehmens TechMet an den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj gerichtet –, in dem er als Mitglied eines Konsortiums genannt wurde, das ein Lithiumlagerstätte in der Ukraine erschließen wollte. Trump hatte sich dafür interessiert, im Zuge eines möglichen Abkommens zur Beendigung des Kriegs Zugang zu ukrainischen Rohstoffen zu erhalten. Damals sagte Lauder, er habe mit Trump nicht über ukrainische Mineralien gesprochen, sondern „das Thema über viele Jahre hinweg bis heute mit Interessengruppen in den USA und der Ukraine diskutiert“.
Im März 2025 soll er fünf Millionen Dollar an Maga Inc, eine Spendenorganisation für Trump, gespendet haben. Im folgenden Monat soll Lauder einer der Gäste eines Candle-LightDinners mit Trump gewesen sein, bei dem die Tickets jeweils eine Million Dollar kosteten erneut zugunsten von Maga Inc.
Das Geschäft mit der Insel
Um die Sache noch komplizierter zu machen, hat Lauder Berichten zufolge seit Trumps ersten Äußerungen zu diesem Thema geschäftliche Interessen in Grönland aufgebaut. Im Dezember berichteten dänische Medien, er habe zu einer Gruppe von Investoren eines Unternehmens mit Sitz in New York gehört, die in dem Gebiet investierten, darunter ein Projekt zum Export von Quellwasser von einer Insel in der Baffin Bay. Die Gruppe strebt Berichten zufolge zudem an, aus dem größten See Grönlands Wasserkraft zu gewinnen, um eine Aluminiumschmelze zu betreiben.
„Lauder und seine Kollegen in der Investorengruppe verfügen über ein ausgeprägtes Verständnis des Luxusmarkts und über entsprechenden Zugang“, sagte ein grönländischer Geschäftsmann gegenüber der dänischen Presse.


Proteste. Laut Umfragen ist die Mehrheit der Grönländer gegen Trumps Pläne.
© Sean Gallup/Getty ImagesNicht nur Amerikaner sehen Potenzial in einem möglichen Abkommen. Einer von Lauders mutmaßlichen Geschäftspartnern ist Jørgen Waever Johansen, dessen Ehefrau Vivian Motzfeldt Grönlands Außenministerin ist. Während Johansen Spekulationen über seine und Lauders Pläne für die Insel als „aus der Luft gegriffen“ abgetan hat, hat die Situation in Dänemark Alarm ausgelöst. Dort wächst die Sorge, dass die USA zunehmend versuchen könnten, Kopenhagen zu umgehen und stattdessen direkt mit Nuuk zu verhandeln.
„Aus unserer Sicht ist klar, dass Grönland die USA braucht und dass die USA Grönland brauchen“, sagte Motzfeldt Anfang dieses Monats. „Diese Verantwortung muss ernst genommen werden“, fügte sie hinzu. Zugleich fragte sie: „Was wäre falsch daran, wenn wir Treffen nur mit den USA abhalten würden?“ Bilaterale Treffen dieser Art verstoßen gegen Grönlands Vereinbarung, außenpolitische Entscheidungen Kopenhagen zu überlassen Im vergangenen Jahr betonte Lauder, Trumps Grönland-Ambitionen seien „niemals absurd, sondern strategisch“ gewesen. Die Insel bezeichnete er als „Amerikas nächste Grenze“. „Unter Eis und Gestein verbirgt sich ein Schatz an Seltenen Erden, die für KI, moderne Waffensysteme und zeitgemäße Technologien unverzichtbar sind. Mit dem Rückzug des Eises entstehen neue Schifffahrtsrouten, die den globalen Handel und die Sicherheit neu gestalten“, sagte er.
Eine Frage des Egos?
Nicht alle teilen diese rosige Sicht auf die Überlegungen des Präsidenten. „Es geht nur um sein Ego“, sagt Bolton über Trump. „Ich weiß nicht, wer den Einsatz militärischer Gewalt vorgeschlagen hat, denn das kam 2018 oder 2019 überhaupt nicht zur Sprache.“ Die Hoffnungen auf eine besonnene Lösung, etwa die amerikanische Präsenz auf der Insel auf Grundlage bestehender Verträge auszuweiten, seien durch Trumps konfrontative Rhetorik zunichte gemacht worden, befürchtet er. „Ich glaube, Trump hat die Karten auf den Tisch gelegt, als er sagte: ‚Psychologisch gesehen müssen wir Grönland besitzen.‘ Ich glaube nicht, dass sonst jemand in den USA so denkt. Es geht immer nur um Trump. Das mag seinem Ego gut tun, aber es zerstört die NATO.“
Lauder könnte sich in Stellung bringen, um von möglichen US-Maßnahmen in Grönland zu profitieren. Angesichts der sich verschlechternden Beziehungen zwischen Europa und den USA dürfte ihm jedoch kaum Dank entgegengebracht werden, sollte er es gewesen sein, der Trump vor acht Jahren diese Idee in den Kopf gesetzt hat.





