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Immerhin zeigen die damals von manchen kontrovers aufgenommenen Ampelpärchen in einigen Teilen der Stadt bis heute Rot oder Grün an - Anstoß daran nimmt schon lange nahezu niemand mehr. Vor elf Jahren hingegen machte die urbane Innovation und ihre offene Message in der internationalen Medienlandschaft die Runde. Das gelang bekanntlich auch dem Stein des Anstoßes für das Comeback des ESC zu seinem 60. Jubiläum in Wien nach der Premiere im Jahr 1967: ESC-Siegerin Conchita.
Mit ihrem Auftritt mit dem epochalen "Rise like a Phoenix" wirbelte die ikonische Kunstfigur gehörig Staub auf, heimste zahlreiche gute Chartplatzierungen weltweit ein und verhalf dem Song Contest zu sehr viel frischer Aufmerksamkeit - auch seitens vieler Personen, denen der Bewerb sonst eher egal war. Der Zugkraft von Tom Neuwirth war man sich ein Jahr später beim Heimspiel auch noch bewusst, übernahm Conchita doch gleich einen Teil der Moderation bei den Shows und war auch sonst mehr oder weniger omnipräsent in diversen Promotionformaten, Vorberichten, etc., etc.
Direkt ansprechen durfte die Persona auch gleich die zahlreichen ESC-Touristen in den Wiener U-Bahnen und Co. Damit nicht genug, putzte sich die Stadt mit einem sogenannten "Eurowischn Putz Contest" gleichsam selbst heraus. In Fanzonen oder den ESC-zugeneigten Lokalitäten herrschte so und so über Tage bzw. Wochen hinweg Ausnahmezustand in bunt.
Der ORF als Veranstalter wurde überdies nicht müde das langersehnte Comeback des weltgrößten Musikwettbewerbes in allen denkbaren Formaten und Facetten auszustellen: Tatsächlich hatte man mit dem erstmaligen Antreten des ESC-affinen, bekanntlich nicht in Europa liegenden Australien auch noch einen veritablen Marketingcoup im Ärmel. Der damit verbundene Finalfixplatz für "Down under" trug zu einem Rekordstarterfeld bei der Hauptshow am Samstag bei - insgesamt 27 Starter gaben ihre Beiträge zum Besten. Dass das in Wien passieren würde, war zwar erwartbar, aber bei weitem nicht gesetzt: Die Bundeshauptstadt und ihre Stadthalle setzten sich gegen Bewerbungen vom burgenländischen Oberwart bis zur Tiroler Landeshauptstadt Innsbruck durch.
Auch die österreichischen Teilnehmer rekrutierte man in jenem Jahr eher aufwendig über eine TV-Showserie namens "Wer singt für Österreich?" im Hauptabendprogramm. Gefischt wurde eher im vielschichtigen Pool der alternativeren heimischen Acts - künstlerisch ansprechend, aber nicht unbedingt im Verdacht, den teuer auszurichtenden Wettbewerb gleich noch einmal heimzuholen, schien der Leitgedanke der Übung zu sein. Letztlich machte die Salzburger Rockformation The Makemakes mit dem eingängig-ruhigen Lied "I Am Yours" das Rennen. Im "Grand Final" wurde die gefällige Nummer, trotz brennendem Klavier als Showeffekt - für einige überraschend - jedoch übel durchgereicht: Der Austrobeitrag kassierte wie auch Deutschlands Nummer die Höchststrafe von 0 Punkten, die die Makemakes aber betont humorig aufnahmen.
Am anderen Ende des Tableaus spielte sich ein heißes Rennen mit dem besseren Ende für den Sänger Mans Zelmerlöw aus Schweden ab. Mit seinem geschickt auf der Bühne inszenierten, mit allerlei optischen Gimmicks gespickten Song "Heroes" wusste der Beau zu überzeugen. Wie so viele andere ESC-Siegerinnen und -Sieger auch, blieb ihm eine echte Weltkarriere in der Folge aber versagt. Immerhin sorgte Zelmerlöw für den damals bereits sechsten Sieg Schwedens.
Auf dem zweiten Platz landete Russlands Vertreterin Polina Gagarina vor Italiens Trio Il Volo. Gagarinas "A Million Voices" war der erste ESC-Beitrag, der mit einer Gesamtpunkteanzahl über 300 nicht den Sieg holte. Und noch für einen weiteren Rekord sorgte der 60. ESC: Finnlands Pertti Kurikan Nimipäivät verblüfften mit dem trashig-punkig und vor allem betont semiprofessionell dargebrachten "Aina mun pitää" viele Zuschauer. Mit einer Laufzeit von nur 87 Sekunden ist es bis heute die kürzeste ESC-Performance. Der Combo gelang das Kunststück, selbst im Kürzestformat Längen einzubauen, was letztlich zum Aus im Semifinale führte. Die Vorzeichen für das nordische Land im heurigen Wettbewerb könnten kaum anders sein: Finnlands Duo Linda Lampenius & Pete Parkkonen wird mit dem Song "Liekinheitin" schließlich von vielen der Sieg beim ESC 2026 zugetraut.
Die Bühne, auf die so mancher Teilnehmer vor elf Jahren dann durchaus Songs mit kurzer Halbwertszeit punkto Publikumserfolg zauberte, war übrigens ausladend angelegt und nahm einen großen Teil der Stehplatzfläche in der Stadthalle ein. Die Show selbst galt als aufwendig und penibel durchchoreografiert. Präsentiert wurde der Contest von drei Moderatorinnen - Arabella Kiesbauer, Mirjam Weichselbraun und Alice Tumler - Conchita meldete sich aus dem "Green Room" für die Künstler, der zwischen die Zuschauer platziert war. Die eine oder andere Stimme sollte die Shows danach als ein wenig zu österreichlastig - im Sinne der Präsentation des Landes als Tourismusdestination - bezeichnen, der Grundtenor bescheinigte Wien aber eine gute Performance als ESC-Ausrichter. Eine Leistung, die es heuer beim dritten ESC in der Bundeshauptstadt zu bestätigen gilt.
The Makemakes aus Österreich am Samstag, 23. Mai 2015, während des Finales im Rahmen des 60. Eurovision Song Contest in der Stadthalle in Wien.





