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Konkreter Anlass für die Ausstellung und die Kooperation zwischen dem Museum und dem Alpenverein sei das 150-jährige Jubiläum des Glocknerhauses am Fuße des Großglockners gewesen. Die rapide schmelzenden Gletscher, die Klimaerwärmung und die Gefahr von Wasserknappheit gaben die Richtung vor. Man wolle keinen Alarmismus betreiben, sondern mit Fakten Bewusstseinsbildung machen, sagt Dojen, die im Kärntner Landesmuseum die Abteilung für Geowissenschaften leitet.
Die Ausstellung gliedere sich in vier Teile: die Geschichte des Glocknerhauses, das Wegenetz des Alpenvereines, die Fauna im Hochgebirge sowie dessen Gletscherwelt. Das Verschwinden der Gletscher wird in der Ausstellung anhand von Bildvergleichen anschaulich gemacht.
Die Auswirkungen der Gletscherschmelze werden uns laut Dojen in Zukunft noch beschäftigen. Zwar sei das Trinkwassersystem in Österreich "nicht ganz so wahnsinnig" auf die Gletscher angewiesen, aber die Energieversorger würden sehr wohl jedes Frühjahr mit einem gut abschätzbaren Durchfluss an Flusswasser bei ihren Wasserkraftwerken rechnen.
"Wenn wir in Zukunft darauf angewiesen sind zu hoffen, dass es regnet, wie wir eben die letzten drei Monate sehr gut feststellen konnten, dann wird das schwierig, weil es halt nicht so vorhersehbar ist", erklärte Dojen.
Prognosen für die Zukunft der Gletscher seien nicht einfach, da die Klimaforschung ein komplexes Themenfeld ist. Steigen jedoch die Temperaturen weiter an, würden hochalpine Regionen als Rückzugsgebiet für viele Tiere und Pflanzen immer kleiner. Neben Verlierern, wie etwa den Schneehühnern, denen mangels Schnee ihre Tarnung abhandenkommt, oder den Murmeltieren, denen es einfach zu heiß wird, gebe es natürlich auch Gewinner dieser Entwicklung. "Die Zirbe wird ein größeres Ausbreitungsgebiet haben, die Waldgrenze wird sich nach oben verschieben", sagte Dojen und merkte an, dass etwa der Pasterzenboden bereits im späteren Mittelalter mit Zirbenbäumen bewaldet war. Dennoch könne man diese Tatsachen nicht einfach als Relativierungsgrund für die Auswirkungen der Klimaerwärmung hernehmen.
Vor ungefähr 800 Jahren gab es beispielsweise weniger Menschen. Man hatte klarere Flüsse, aus denen man sich bedienen konnte. Heute müsse man viel mehr anbauen, um die Menschen zu ernähren, dafür würde man eine ungleich höhere Menge an Wasser benötigen.
"Ich glaube, Wasser ist das ganz große Thema, das uns in der Zukunft begleiten wird", wies Dojen auf einen Punkt hin, den man sich bewusst machen müsse: "Von allem Wasser, das wir auf der Erde haben, gibt es nur drei Prozent Süßwasser. Und von diesen drei Prozent Süßwasser sind 70 Prozent in Gletschern und polarem Eis gespeichert." Insgesamt sei nur ein Prozent als freies Wasser in Flüssen und Seen für uns direkt zugänglich. Dann käme noch dazu, dass um 1250 keine Industrie existierte. "Wenn man sich anschaut, wie viel Wasser für die industrielle Produktion gebraucht wird - das ist einfach ein Unterschied." Und dementsprechend könne man diesen Zeitraum nicht mit heute vergleichen.
Dennoch sieht sich Dojen als Optimistin: "Ich glaube, wir werden einen Weg finden. Aber wir müssen uns alle Mühe geben, auch daran zu arbeiten." Jeder und jede könne im Kleinen etwas tun und wenn das Bewusstsein in der Bevölkerung für die Notwendigkeit erhöht sei, würde es den Menschen leichter fallen, ihr Verhalten anzupassen.
Hier möchte die Ausstellung ansetzen und auch bei der jüngeren Generation dieses Bewusstsein stärken. Mit einem Gratiseintritt für alle unter 18 Jahren soll den Jugendlichen der Museumsbesuch attraktiviert werden. Die Ausstellung könne den Umfang des Themengebietes natürlich nicht komplett abdecken, aber sie gebe einen guten Einblick in die Faktenlage. "Was man aus diesen Fakten, die wir darstellen, macht, ist dann ja eine Frage des Besuchers", so Dojen.
(S E R V I C E - Sonderausstellung "Hoch in den Alpen - Gletscher, Fauna, Wege" im kärnten.museum Klagenfurt; Ausstellung ab 24. April bis 5. Juli, https://landesmuseum.ktn.gv.at/ )
Gletschersee der Pasterze, Großglockner, Johannisberg mit Pasterzenboden und der Pasterze im Rahmen einer Pressekonferenz zum Thema Protect our Winters, Gletscherbegräbnis Großglockner, am Dienstag 5. September 2023 in Heiligenblut.






