News Logo
ABO

Trotz allem tröstlich: Tagebuchprosa von Ilma Rakusa

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
3 min
Ilma Rakusas im Grazer Literaturverlag Droschl erschienenes neues Buch "Wo bleibt das Licht" beinhaltet Persönliches wie Albträume oder Momente des Glücks angesichts von Politischem. Auslöser war der Beginn des Ukrainekriegs.

von

"Du willst noch retten / was zu retten ist / nur wie? / ein Wechselbad ist diese Zeit / ihr Siegel: / Bitterkeit." Dieses Gedicht könnte man als Übergang von Ilma Rakusas Lyrikband "Kein Tag ohne" (2022) zu ihrem aktuellen Buch "Wo bleibt das Licht" (2025) verstehen. Denn im Postskriptum des Lyrikbandes, der in der Isolation der Coronajahre entstand, hat die Autorin den Überfall Russlands auf die Ukraine bereits vermerkt. Gleichzeitig war dieses Ereignis der Auftakt zum neuen Buch, in dem es tagebuchartig weitergeht.

Rakusa notiert die kriegerischen Ereignisse wie eine Chronik und stellt ihnen ihre Gedanken, ihre Erinnerungen entgegen, sowie Betrachtungen zur Kunst und zum kindlichen Zugang ihres Enkels. In ihren Träumen taucht wiederholt Wladimir Putin persönlich auf, der einzige Mensch, von dem die Autorin sagt, dass sie ihn "aus tiefstem Herzen" hasse. Gegenspieler ist der Enkel mit dem göttlichen Namen Theo. Und Gott selber.

Etwas irritierend mag für atheistisch oder nicht-christlich geprägte Leserinnen und Leser das "Vater unser" wirken, das formelhaft wiederkehrt im Buch. Einmal taucht dazwischen ein "Mutter unser" auf, das jedoch nicht groß nachhallt. Rakusa tönt persönliche Verletzungen durch Männer nur an, rettet sich in ihr allein bewohntes Haus und ihre Schreibkunst. Vom Feminismus distanziert sie sich genauso, wie von allen Ideologien.

In der Beschreibung von Schönheit, in den Geschichten all der lieb gewordenen, sorgsam gehüteten Gegenstände, die das Zuhause der vielreisenden Dichterin bevölkern, liegt jedoch soviel Zuneigung und Wertschätzung, dass die Wirkung auf die Lesenden nicht ausbleibt. Man fühlt sich mitgemeint - als Mensch, der noch Bücher liest, geschätzt. Retten kann man die Menschheit nicht vor krankhaften Machthabern, vor Krieg und Elend. Retten kann Ilma Rakusa aber die Hoffnung darauf, dass jene irgendwann aussterben werden wie einst die Dinosaurier.

(Von Tina Uhlmann/Keystone-SDA)

(S E R V I C E - Ilma Rakusa: "Wo bleibt das Licht. Tagebuchprosa". Literaturverlag Droschl, 560 Seiten, 34 Euro; Lesung am 15. Jänner, 19 Uhr, in der Alten Schmiede in Wien)

GRAZ - ÖSTERREICH: FOTO: APA/APA/Droschl

Über die Autoren

Logo
Monatsabo ab 20,63€
Ähnliche Artikel
2048ALMAITVEUNZZNSWI314112341311241241412414124141241TIER