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Reisebericht von Amélie Nothomb: "Die unmögliche Rückkehr"

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Autorin Amelie Nothomb
©Afp, APA, ALAIN JOCARD
Die Wiederbegegnung mit einem Land, in dem sie geboren wurde und von dem sie später fälschlich dachte, es könne dauerhaft das Zentrum ihres Lebens bilden, steht im Zentrum des neuen Buches von Amélie Nothomb. "Japan ist mein liebster Ort, mein heiliges Land. Schon die Erwähnung des Namens genügt, um mich in Trance zu versetzen", schreibt sie in "Die unmögliche Rückkehr", die sie an der Seite einer Freundin unternimmt.

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Ein Roman, wie suggeriert, ist das schmale Buch nicht, aber ein durchaus lesenswerter Reisebericht, der vom Antagonismus der beiden Reisenden lebt: Freundin Pep scheint schon im normalen Alltag eine anstrengende Zeitgenossin zu sein, aufbrausend, rechthaberisch, fordernd. In Japan, wo für sie alles neu und aufregend ist, ist sie noch aufgedrehter als sonst - und damit irritierend für die örtliche Bevölkerung, deren höchstes Gebot Contenance und Unauffälligkeit ist. Amélie weiß das natürlich und leidet Höllenqualen. Dabei hätte sie mit ihren eigenen Gefühlen, mit den aufsteigenden Erinnerungen und der Verzweiflung, sich an viel zu wenig erinnern zu können, genug zu tun.

Das Ganze kulminiert ausgerechnet angesichts des Heiligen Bergs. Der Fuji versetzt die ganze kleine Reisegesellschaft (mittlerweile haben es Freunde übernommen, die beiden Frauen herumzuführen) in einen seelischen Ausnahmezustand. Obwohl er sich in Wolken hüllt, versetzt seine Schönheit die Gruppe in einen seelischen Ausnahmezustand. Alles scheint perfekt. Das Leben ist geglückt. Nichts kann mehr passieren. Doch als bei einem Klohalt auf der Rückfahrt Pep sich nicht fügen und wie alle anderen Frauen brav in der langen Schlange vor dem Damenklo warten will, sondern zum Entsetzen aller Japanerinnen den Fauxpas begeht, die leere Männertoilette zu benützen, ist mit einem Schlag alles wieder zunichte gemacht. Japan ist ein Land voller Widersprüche, und dasselbe gilt auch für diese Reise.

Amélie Nothomb wurde 1967 als belgische Diplomatentochter in Kobe geboren und war als Studentin erneut längere Zeit in Japan. Später wird Paris ihre Lieblingsstadt. Als die Bestsellerautorin 2023 wiederkommt, war sie seit zwölf Jahren nicht mehr in Japan. Alles scheint anders - der Vater ist gestorben, die Corona-Pandemie hat das Sozialleben stark verändert - und doch wieder gleich. Die Wahrnehmung hat sich jedoch verändert. Für die Autorin bleibt es eine Wiederbegegnung, die sie letztlich nicht glücklich, sondern traurig macht. Was war, bleibt nicht. "Ich kann das akzeptieren. (...) Aber mich darüber freuen?"

(Von Wolfgang Huber-Lang/APA)

(S E R V I C E - Amélie Nothomb: "Die unmögliche Rückkehr", aus dem Französischen von Brigitte Große, Diogenes, 132 Seiten, 20,99 Euro)

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