von
Hat man sich erst einmal auf die raschen Wechsel der Erzählperspektiven, Orts- und Zeitsprünge eingelassen, taucht man in die Welt einer eng verzahnten Gruppe von Freund*innen, Geschwistern und Liebhabern ein, die in der pulsierenden, klebrigen Großstadt nach ihrem möglichst individuellen Glück suchen, während sie zur selben Zeit konsumkritisch und weltoffen bleiben wollen. Der 1991 geborene Ire McKenna vermag es, die prekäre Lebenssituation der Protagonisten zu einem bewusst gewählten Lifestyle zu stilisieren, in dem alte Fabriksgebäude zu Riesen-Wohngemeinschaften umfunktioniert werden und man auch schon mal eine schimmlige Wohnung in Kauf nimmt, um in einem angesagten Stadtteil leben zu können.
Im Zentrum steht der Fahrradkurier Ed, der mit der verhinderten Künstlerin und nunmehrigen Kellnerin Maggie demnächst ein Kind erwartet. Die ungeplante Schwangerschaft katapultiert die beiden in eine Realität, in der man schließlich doch in Erwägung zieht, wieder zurück aufs (deutlich billigere) Land zu ziehen. Während Maggie damit hadert, in ihrem durch und durch queeren Umfeld die einzige heterosexuelle Cis-Frau zu sein, verbirgt Ed seine bisexuellen Neigungen vor ihr. Dass ausgerechnet der gemeinsame Kindheitsfreund Phil, der sich in seinen Teilzeitlover und Mitbewohner Keith verliebt, als bester Freund von Maggie davon Wind bekommt, bringt die bisherige Harmonie ins Wanken.
Wie sehr diese Generation im Alltag Twitter-Feeds und Instagram-Personas mitdenkt, öffnet eine weitere Ebene in den virtuellen Raum, der in der realen Welt immer wieder Rückkoppelungen erfährt. Klimawandel und Kriege, soziale Ungerechtigkeiten und krude Verschwörungstheorien greifen ineinander und bilden den ethischen Rahmen dieser jungen Menschen, die sich sehr wohl bewusst sind, dass sie es besser als viele ihrer Altersgenossen getroffen haben.
Als weitere Protagonistin entfaltet sich London als eine Stadt voller Parks, Clubs und U-Bahnen, die als Schauplätze für große und kleine Dramen fungieren. Dass McKenna nebenbei auch noch die Lebensrealitäten der Elterngeneration mit viel Gespür einwebt, macht den Roman (Originaltitel: "Evenings and Weekends") nicht nur zu einem bloßen Porträt der Gen Z, sondern zu einem Panoptikum der Lebensrealitäten zwischen Einwanderung, Klassenzugehörigkeiten und gesundheitlichen Rückschlägen. In diesem Leben gibt es kaum Gewissheiten. Außer vielleicht: Auch der nächste Sommer wird bestimmt wieder extrem heiß. Wie hitzig er wird, bleibt jedem selbst überlassen.
(Von Sonja Harter/APA)
(S E R V I C E - "Hitzetage" von Oisín McKenna, Residenz Verlag, 356 Seiten, 26 Euro)
WIEN - ÖSTERREICH: FOTO: APA





