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Punksänger Monchi erzählt von "Jenseits der Brandmauer"

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Jan Gorkow alias Monchi präsentiert sein neues Buch
©APA/APA/dpa/Stefan Sauer
Die deutsche Kleinstadt Jarmen hat rund 2.700 Einwohner, musste vor einigen Jahren die Schließung der letzten großen Getreidemühle in Mecklenburg-Vorpommern hinnehmen und hat einen Motoball-Verein, eine Art von Fußball auf Motorrädern. Jan Gorkow, Sänger der Punkband Feine Sahne Fischfilet und besser bekannt als Monchi, kommt von dort und ist als junger Vater dorthin zurückgekehrt. Für ihn sei es gefühlt ein Ort "Jenseits der Brandmauer", und so heißt auch sein neues Buch.

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Das Konzept der Brandmauer biete ihm in Jarmen, wo bei der zurückliegenden Bundestagswahl 54 Prozent der abgegebenen Stimmen an die AfD gingen, keine Perspektive, sagt der 38-Jährige der dpa. Hier könne man sich nicht einfach in seine Blase zurückziehen.

Ein Beispiel: Im Ort gebe es ein Lokal, von dem aus er und seine Band jährlich das Festival Wasted in Jarmen organisierten. "Und gleichzeitig findet da regelmäßig der AfD-Stammtisch statt", sagt Monchi. Leute fragten: "Wie könnt ihr das machen?" Aber einfach das Feld räumen? Für Monchi keine Option: "Die würden sich bepissen vor Lachen."

Mit ihrem letzten Album, "Wir kommen in Frieden", haben Feine Sahne Fischfilet vergangenes Jahr erstmals in ihrer Bandgeschichte die Spitze der deutschen Album-Charts erreicht. Die Band gilt etwa wegen ihres Engagements und ihrer Texte als links. Monchi schreibt im Buch, zwischen Künstlern auf großen Festivals fühle er sich oftmals eher konservativ. "Auf 'm Dorf fühle ich mich eher links. Irgendwo da stehe ich."

Kurz vor den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt, bei denen die AfD teils auf Regierungsverantwortung hofft, berichtet sein Buch aus der ostdeutschen Provinz, in der viele die beschworenen blühenden Landschaften nicht erkennen können. Sich aber in Weltuntergangsszenarien zu verlieren, macht die Welt nicht besser, sagt Monchi und hat eine Devise: "Immer mehr machen als meckern."

Da ist zum Beispiel der Jarmener Skatepark. Aus einem Gespräch mit dem Bürgermeister heraus sei die Idee entstanden, schreibt Monchi. Er sammelt Spenden, die Gemeinde gibt ebenfalls Geld. Nach einigem Hin und Her wird der Park gebaut mit tatkräftiger Unterstützung Freiwilliger. Wenn Menschen zusammenkommen, die sonst nicht mehr zusammenkämen, sei das schon ein Fortschritt.

Vielleicht erinnerten sich die Helfer auch daran, wenn ihnen wieder erzählt werde, alles sei schlimm und nichts passiere vor Ort. "Vielleicht meckern sie einmal weniger. All das hat viel mit Hoffnung zu tun", gibt er zu. "Vor allen Dingen machen es solche Momente etwa rechtspopulistischen Parteien viel, viel schwerer", ist er überzeugt.

Populisten redeten die "Leute teilweise in eine Depression rein". Da müsse man dagegenhalten. Natürlich hätten Leute im Osten weniger Wohlstand aufbauen können, so der Künstler. "Aber ey, vergleichsweise leben wir einfach, auf die Welt betrachtet, noch in einem totalen Paradies."

Auch dank anderer Menschen passiere etwas vor Ort. "Und da ist es wichtig, am Ball zu bleiben. Ob das nachher was bringt, das weiß ich nicht. Aber alleine für meine eigene Seele bringt das viel mehr, als wenn ich mir erzählen würde, alles Scheiße hier", sagt der Musiker.

Rechte Jugendkultur sei viel angesagter als die linke "oder auf jeden Fall viel präsenter", betont Monchi. Das sei nicht allgemeingültig und in der Stadt vermutlich anders als auf dem Land. Der Sänger sieht verschiedene Gründe. Zum einen die gesellschaftliche Stimmung. Zudem suchten Kids Stärke, Zusammenhalt und auch Reibung mit ihren Eltern. Von rechts werde ihnen gesagt: "Du bist alleine schon dadurch, dass du hier geboren wurdest, was viel Geileres und Besseres."

Auch ein 15- oder 16-jähriger Monchi hätte sich nicht etwa von Fridays for Future angesprochen gefühlt. "Wenn am besten die Eltern noch applaudieren, wenn du schwänzt." Ihn habe damals nur interessiert, wann ist das nächste Auswärtsspiel des FC Hansa. "Und wann machen wir wieder Randale." Hätte es damals schon Social Media in der heutigen Form gegeben, "keine Ahnung, wo es mit mir hingegangen wäre", gibt er zu. "Der dümmste Ort der Welt und perfekt für Propaganda in jede Richtung" - so beschreibt er das Internet.

Zum Schluss steht im Buch ein Vorschlag: Menschen, die sich engagieren wollen, sollten in die Kleinstädte und Dörfer ziehen. Dort könnten wenige schon viel bewegen. "Für die Menschen was machen und nicht in erster Linie gegeneine Partei", wie Monchi schreibt. "Niemand hat gesagt, dass es leicht wird."

(S E R V I C E - Monchi: "Jenseits der Brandmauer. Über mein Leben in der ostdeutschen Provinz", Verlag Kiepenheuer & Witsch, 240 Seiten, 21,50 Euro)

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