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Theatralisch gut inszeniert startete das Konzert im Rahmen der "Locket"-Tour. Während sich die Supportacts Lulu Simon und Isabel LaRosa - letztere ging wesentlich feuriger zur Sache als zuvor die Tochter von Paul Simon - vor einem grauen Vorhang präsentieren durften, konnte Beer auf eine ordentliche Produktion setzen: Videowalls, Tänzerinnen und Tänzer, ein Pavillon und ein Balkon mit Balustrade als Setting, und dazu ein Laufsteg. Auf einer Videozuspielung schritt Beer in einen "Tunnel of Love", bevor sie leibhaftig in Erscheinung trat.
Aber eigentlich ging es zunächst in die Disco. Zu "Yes Baby" vom aktuellen, der Tour namensgebenden Album pumpten die Bässe, verstärkt durch das unvermeidliche Dröhnen in der akustisch schwierigen Halle. Gleich 14 Stücke von "Locket" standen auf der Setlist, es ist schließlich das mit Abstand stärkste ihrer bisher drei Studiowerke. Mit "15 Minutes" ging es Dancefloor-mäßig weiter und ein Tänzer auf Tuchfühlung mit Beer, die mit ihrem Sex-Appeal kokettierte, aber stets mit Charme. Ein starkes erstes Drittel: Die Elektro-Pop-Hymne "Boyshit" war ansteckend, "Home To Another One" ein wenig plump, aber mit Bumm-Zack-Drums unterhaltsam.
Woher stammten die Sounds? Erst als Beer einen Vorhang unter einer der Aufbauten öffnete, kamen zumindest ein Schlagzeuger und ein Gitarrist zum Vorschein. Irgendwann ging der Vorhang zu, dann wieder auf. So konnte man sich naiv fragen, ob die stimmkräftigen Background-Sängerinnen, die man zwar sehr gut hörte, aber nie sah, auch irgendwo versteckt waren. Madison Beer bewies aber ihr Können, egal wie viele Stimmen dazu im Hintergrund liefen.
Von der Tanzfläche führte der Mittelteil mit "Reckless" (samt der schönen Mitgröltextzeile "I hope you both go to hell") ins Pop-Musical und schließlich wirklich in den "Tunnel of Love": Eine Ballade reihte sich nun an die nächste, manchmal mit ordentlich Schmalz, manchmal mit der richtigen Portion Dramatik, selten unterbrochen von Mid-Tempo - irgendwie blieben dabei Dramaturgie und Dynamik auf der Strecke. "Ich liebe so viele verschiedene Musikrichtungen", sagte Beer vor der Tour in einem APA-Interview. "Es gibt so viel schöne Musik da draußen. Ich versuche, so gut wie möglich kleine Spuren davon zu hinterlassen."
Genau hier mangelt es noch: Mit weniger Allerlei und mehr Signature-Sounds, an die sich die Popsängerin am Ende mit "Make You Mine" und "Bittersweet" (beide von "Locket") annäherte (da durfte endlich auch wieder getanzt werden, während die obligatorischen Schluss-Konfetti regneten), könnte durchaus eine Zeile aus einem Lied von Madison Beer wahr werden: "The best is yet to come."
(Von Wolfgang Hauptmann/APA)
(S E R R V I C E - https://locket.madisonbeer.com )






