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Neues Buch: Philipp Blom über "Die strauchelnde Welt"

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Philipp Blom legt neues Buch vor
©HELMUT FOHRINGER, APA
Der Historiker und Autor Philipp Blom ist ein Tausendsassa. Als künstlerischer Leiter programmiert er das Festival "Dachstein Dialoge", das am Freitag in der evangelischen Kirche von Ramsau mit einer Eröffnungsrede der Philosophin Lisz Hirn und einem Konzert des Simply Quartet startet. Die dritte Auflage widmet sich dem Thema "Worauf kann ich vertrauen?" Keine vertrauensbildende Maßnahme setzt er dagegen mit seinem am Dienstag erscheinenden neuen Buch "Die strauchelnde Welt".

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Mit seinem Versuch einer "Globalgeschichte 2001-2014" möchte Blom die Ursprünge unserer heutigen Weltkrisen darstellen und an zwei Bücher anschließen. In seinem Sachbuch-Bestseller "Der taumelnde Kontinent" (2009) beschrieb er, wie sehr Europa in den Jahren 1900 bis 1914 zerrissen war zwischen kulturellem und technologischem Aufbruch und dem sich abzeichnenden politischem Umbruch, der zum katastrophalen Untergang einer Epoche wurde. Zum anderen bezieht er sich auf Christopher Clarks "Die Schlafwandler" (2012), in dem der australische Historiker nachzeichnete, wie die führende politische Klasse die Welt sehenden Auges in den Weltkrieg schlittern ließ. Die zentrale Frage lautet nun: Ist es wieder so weit?

Blom beschreibt eingangs die fröhliche, optimistische Silvesternacht, als er im Londoner West Hampstead mit Freunden das neue Jahrtausend begrüßte und der befürchtete Y2K-Bug ausblieb. Was konnte da noch einer strahlenden Zukunft im Wege stehen? In drei Absätzen schildert er anschließend nur die allergrößten Probleme der Gegenwart, von "antidemokratischen Technologiemilliardären mit Ambitionen auf Weltherrschaft" über die Erodierung der internationalen Ordnung, die so erratische wie bedrohliche Machtpolitik von Wladimir Putin und Donald Trump, den Aufstieg des Rechtspopulismus, die Bedrohungen durch künstliche Intelligenz, Klimakrise und Biodiversitätsverlust. Einem Boten aus der Zukunft, der dies alles damals als kommende Szenarien aufgezählt hätte, wäre schlicht nicht geglaubt worden, so Blom.

Das Buch liefert 14 "Probebohrungen", für jedes Jahr eine, "um durch Geschichten von Individuen und kollektiven Ereignissen einen Kontext zu finden, der ihr Leben mit den großen Themen ihrer Gegenwart vereint". Überraschend startet Blom nicht mit jenem Ereignis, der gemeinhin als Epochebruch gewertet wird, nämlich den Anschlägen des 9/11, sondern mit der Ermordung des Präsidenten der Republik Kongo, Laurent Kabila, am 16. Jänner 2001. Deutlich ist das Bestreben, eine globale Geschichte ohne eurozentristische Perspektive zu erzählen. Die kommt am 1. Jänner 2002 mit der Einführung der gemeinsamen Währung in zwölf Ländern Europas ohnedies früh genug ins Spiel.

In der Folge wechselt immer wieder nicht nur der Blickwinkel, sondern auch der Erzählduktus. Mitunter werden Einzelpersonen und ihre Geschichte exemplarisch hervorgehoben (etwa der Gemüsehändler Mohamed Bouazizi, dessen Selbstverbrennung den Arabischen Frühling auslöste, oder die Schülerin Malala Youzafzai, die zum Symbol des Kampfs für Frauenrechte in islamisch regierten Ländern wurde), anderswo Entwicklungen strukturell erklärt (etwa die Finanzkrise rund um den Zusammenbruch der Lehman Brothers). Weltkrisen von einst (etwa der Irak-Krieg) kommen ebenso ins Blickfeld wie langfristige ökonomische und ökologische Entwicklungen wie der Wiederaufstieg Chinas zur Weltmacht oder die menschengemachte Erderwärmung.

2014 leitet mit der russischen Annexion der Krim und dem Abschuss des Malaysia Airlines Flugs 17 über der Region Donezk direkt in die heute bestimmende Phase der globalen militärischen Bedrohung durch aggressive nationale Interessen. "Nur eine halbe Generation lag zwischen dem überwältigenden Triumph der westlichen, liberalen Welt am hoffnungsvollen Beginn des 21. Jahrhunderts und der Annexion der Krim, dem ersten Schlag in einem europäischen Krieg, der zu globalen Verwerfungen geführt hat und möglicherweise zu einem Weltkrieg eskaliert", resümiert Philipp Blom und lässt keinen Zweifel daran, dass er die Zeit des Handelns und Gegensteuerns dringend gekommen sieht. "Die Ferien von der Geschichte waren vorbei. Jetzt würde sich zeigen, wer die Stirn, das Hirn und das Herz hatte, dieser Zukunft zu begegnen."

(Von Wolfgang Huber-Lang/APA)

(S E R V I C E - Philipp Blom: "Die strauchelnde Welt. Eine Globalgeschichte 2001-2014", Hanser Verlag, 400 Seiten, 30,90 Euro, https://www.philipp-blom.eu/ )

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