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In zwei miteinander verflochtenen Erzählsträngen geht es um das Leben zweier Frauen. Beide haben Söhne, doch sehr unterschiedlichen Lebensalltag. Die jüngere muss sich arrangieren zwischen Betreuung des Kindes (Timon), Schreibstunden als freie Autorin und Alltagsbewältigung mit ihrem ebenfalls als Schriftsteller arbeitenden Mann. Die ältere ist Witwe und hat sich in einem Leben zwischen Gassigehen mit ihrer Hündin und regelmäßigen Besuchen im Swingerklub eingerichtet. Ihr Sohn Lennie lebt derzeit in New York. Durch eine von Linda Stift zwischen den Leserinnen und Lesern und den beiden Frauen eingezogene virtuelle Scheibe können wir sie beobachten wie mit versteckter Kamera.
Mit drei Überraschungen wartet die in Wien lebende Autorin und Journalistin auf. Es gibt manche Parallelen, aber keine Überschneidungen der beiden Geschichten. Das Eintauchen in die Leben der beiden namenlosen Protagonistinnen beginnt nach einer längeren Eingewöhnungsphase Spaß zu machen, obwohl es über weite Strecken zwar manche Begebnisse und Geheimnisse, aber keine wirklichen Sensationen zu vermelden gibt. Das ändert sich - dritte Überraschung - jedoch genau dann, als man sich auch als Leser schon recht behaglich in den fremden Alltagen eingerichtet hat.
Bei beiden Frauen kommt einiges in Bewegung, mit dem sie nicht gerechnet haben. Eifersucht ist dabei im Spiel, Gefühle, die man fast mit Liebe verwechseln könnte, aber auch das Schicksal, das jede Routine brutal durcheinanderbringt. Linda Stifts Geschichten haben keinen echten Schluss. Aber eine gemeinsame Botschaft: "Wir müssen einfach weitermachen."
(Von Wolfgang Huber-Lang/APA)
(S E R V I C E - Linda Stift: "Das Meer hat keine Scheibe", Limbus Verlag, 206 Seiten, 20 Euro)
INNSBRUCK - ÖSTERREICH: FOTO: APA/APA/Limbus Verlag






