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Neue Mumok-Direktorin Hellberg will „große Themen statt großer Namen“

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Fatima Hellberg

©mumok / Maximilian Pramatarov

„Terminal Piece“ soll ab 20. Juni „Gesamterfahrung über fünf Etagen“ bieten. Georgierin Tolia Astakhishvili, US-Amerikanerin Cameron Rowland und Französin Verena Paravel mit Ausstellungen.

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Für Fatima Hellberg soll der Ausstellungsbesuch „ein Prozess“ sein und das Museum „ein Ort, wo sich eine besondere Beziehung zwischen Werk und Publikum entfaltet“. Den Medien hat sich die neue Generaldirektorin des Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien (mumok) bereits im November vorgestellt, bei ihrer ersten Jahrespressekonferenz wollte die Schwedin, die von Bonn nach Wien wechselte, am Donnerstag „zeigen, wie sich diese Haltung im Programm konkret entfaltet“.

Tausende Arbeiten im Wartemodus

Sie habe viel Zeit mit dem Studium der Besucherströme im Haus und der „sehr heterogenen Sammlung“, die 12.500 Werke umfasse, verbracht, sagte Hellberg, die die Sammlung „als Ausgangspunkt und Resonanzraum“ ihrer Arbeit versteht. Titelgebend für ihre am 20. Juni eröffnende erste Großausstellung ist ein Werk, das die erste Neuerwerbung unter ihr als Museumschefin darstellt, nämlich die 1972 entstandene Installation „Terminal Piece“ der US-Autorin, Aktivistin und Künstlerin Kate Millett (1934-2017).

Die von Fatima Hellberg und ihrem neuen Chefkurator Lukas Flygare kuratierte Ausstellung werde „eine Gesamterfahrung über fünf Etagen“ sein, die auf der obersten Ebene beginnt, und bei der „jedes Stockwerk eine eigene Szene bildet“, hieß es. So habe etwa die deutsche Bühnen- und Kostümbildnerin Anna Viebrock dafür ausgiebige Recherchen hinter den Kulissen des mumok gemacht und zu einer typischen Theatersituation in Beziehung gesetzt: „Wir haben tausende Arbeiten, die im Wartemodus stehen und auf ihren Auftritt warten.“

Wunderbar und schmerzhaft

Auf der Künstlerliste finden sich zwar u.a. Bruce Nauman, Robert Rauschenberg oder Rudolf Schwarzkogler, aber insgesamt fasst Hellberg ihren Ansatz so zusammen: „Große Themen statt große Namen“. Das gilt auch für die weiteren Ausstellungen des Jahres 2026. Die Georgierin Tolia Astakhishvili bespielt zwei Stockwerke, wobei sie eines ab Mai als Open Studio nutzt, um „teilweise auch mit den Besucher:innen gemeinsam“ jene um die „Figur des Kindes“ kreisenden Arbeiten zu schaffen, die dann ab 20. Juni gezeigt werden.

Im Herbst und Winter folgen Ausstellungen der US-Amerikanerin Cameron Rowland und der französischen Anthropologin, Filmemacherin und Künstlerin Verena Paravel, deren immersives Filmprojekt sich mit für Menschen unhörbaren Geräuschen in Ökosystemen beschäftigt. Diese Erfahrung sei „wunderbar und schmerzhaft zugleich“: „Wir können es nicht hören, es ist aber da.“

„Wir werden die Fenster öffnen!“

Wie schon bekannt, will Hellberg gemeinsam mit dem Architekten Andrea Faraguna auch manche baulichen Eingriffe an dem Bau von Ortner und Ortner vornehmen - beziehungsweise Veränderungen rückgängig machen. Sichtbarstes Vorhaben: „Wir werden die Fenster öffnen!“ Hellbergs Fazit: „Ein Museum muss kein Ort schneller Antworten sein. Es kann ein Raum sein, in dem man Komplexität erlebt und aushält. Und in dem etwas bleibt, wenn man ihn verlässt. Das ist unsere Hoffnung und unser Plan.“

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