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In opulenten Bildern erzählen die Regisseure Francisca Alegría und Andrés Wood die Geschichte der Frauen einer reichen Familie in Südamerika über mehrere Generationen hinweg. Anders als in vorherigen Adaptionen spielen Elemente des magischen Realismus in der neuen Serie - genau wie in der Romanvorlage - eine entscheidende Rolle. Abrufbar ist sie ab 29. April.
Da sprießen rosa Blumen aus dem sandigen Boden, während Familienpatriarch Esteban Trueba durch die Atacama-Wüste wandert, da tauchen Geister toter Verwandter auf, da künden krächzende Vögel der Hauptperson Clara del Valle von den früheren Untaten ihres Mannes.
Vor allem bringt die Serie aber "Das Geisterhaus" nun zurück zu seinen lateinamerikanischen Wurzeln. Die Filmversion von 1993 mit Meryl Streep, Glenn Close, Jeremy Irons, Winona Ryder oder auch Armin Mueller-Stahl wurde auf Englisch in Europa gedreht. Abgesehen von Antonio Banderas spielten kaum spanischsprachige Darsteller mit. Regisseur war der Däne Bille August, Produzent der Deutsche Bernd Eichinger.
Die achtteilige Prime-Serie hingegen wurde mit lateinamerikanischen und spanischen Schauspielern in Chile gedreht. Die Spanierin Nicole Wallace (Culpa Mia) spielt die junge Clara del Valle, der Mexikaner Alfonso Herrera das Familienoberhaupt Esteban Trueba und die Argentinierin Dolores Fonzi die ältere Clara. In der Originalfassung auf Spanisch wurde sogar darauf geachtet, dass die Darsteller mit chilenischem Akzent sprechen.
Isabel Allende ist als Produzentin dabei, hat sich aber in die Umsetzung ihres berühmten Stoffs nicht eingemischt. "Ich habe einige Fragen am Telefon beantwortet, aber mit dem kreativen Teil hatte ich nichts zu tun, denn ich kenne mich mit Film nicht aus", sagte sie im Interview der Zeitschrift "Vanity Fair". Nachdem sie das Ergebnis gesehen hatte, war sie dennoch sehr zufrieden: "Ich konnte nicht aufhören zu weinen - so schön ist es geworden."
Tatsächlich schöpfen die Macher der Serie bei der filmischen Umsetzung aus dem Vollen: Imposante Landschaftsaufnahmen von schneebedeckten Bergen und endlosen Sanddünen in der Wüste wechseln sich mit Szenen in prächtigen Stadtpalästen und dem weitläufigen Landgut der Familie Trueba ab. Auch die aufwendigen Kostüme und die detaillierte Gestaltung des Sets stechen ins Auge.
"Das Geisterhaus" erzählt die Geschichte von Clara del Valle, die seit ihrer Kindheit über übernatürliche Fähigkeiten verfügt und in die Zukunft blicken kann, und ihrem ehrgeizigen und gewalttätigen Ehemann Esteban Trueba. Im Schicksal von Clara, ihrer Tochter Blanca und ihrer Enkelin Alba spiegeln sich Konflikte zwischen der reichen Oberschicht und der armen Landbevölkerung, Gewalt gegen Frauen, der Versuch einer gerechteren Gesellschaft und der Aufstieg einer autoritären Regierung.
Auch wenn Chile nicht explizit genannt wird, verarbeitet Allende in dem Roman eindeutig die Geschichte ihres Heimatlandes und den Militärputsch von General Augusto Pinochet. Vor allem aber ist die Geschichte eine Allegorie auf weibliche Stärke, Widerstandskraft und Solidarität in einer von Gewalt und Vorurteilen geprägten Welt. "Frauen machen die Hälfte der Bevölkerung aus und konsumieren Serien und Filme genauso wie Männer", sagte Produzentin Eva Longoria der Zeitschrift "Elle". "Deshalb bin ich der Meinung, dass sich mehr Geschichten um starke Frauen drehen sollten, und dass das Geschichtenerzählen von außergewöhnlichen Frauen geprägt sein sollte."
(Von Denis Düttmann/dpa)





