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Die US-Formation trat am Sonntag als überzeugender Headliner auf der Red Bull Stage am Nova Rock auf. Einflüsse aus Blues, Rock, Folk, Prog, Psychedelic und anderen Stilen verbinden All Them Witches zu etwas Eigenem, dem man sich schwer entziehen kann, wenn man etwa in die musikalische Welt auf "House of Mirrors" eingetaucht ist. "Das ist im Grunde das Ziel. Man nimmt alles, was man an Musik mag, und versucht, daraus etwas zu formen", sagte Gitarrist Ben McLeod. "Wir schreiben Songs, die uns Spaß machen - und zufällig ist es eine bunte Mischung verschiedener Musikrichtungen."
Trotz Reminiszenzen etwa an The Doors und anderen Einflüssen klingt das Album nicht klassisch retro. "Wir hatten mit Eddie Spear einen sehr modernen Produzenten, der mit vielen Pop-Acts und anderen aktuell angesagten Künstlern arbeitet. Er hat einen super Job gemacht", so McLeod. Aufgenommen wurde in Nashville, wo die Gruppe 2012 gegründet wurde, "in einem sehr teuren Studio."
"Dieses Projekt war ziemlich gut geplant, weil wir mittlerweile alle in verschiedenen Bundesstaaten leben. Und es war das erste Mal, dass wir mit einem Produzenten eine Vorproduktion gemacht haben", erzählte der Gitarrist. "Eddie Spear war schon sehr früh in den Songwriting-Prozess eingebunden, alles lief ziemlich gemeinschaftlich. Ich hatte eine Idee. Parks hatte eine Idee. Oder Parks hatte einen Song schon fertig geschrieben, und wir haben dann einfach unsere eigenen Ideen eingebracht."
Was Kennern der Band sofort auffällt: Die Songs ufern auf dem Album nicht aus. "Ja. Wir haben alles Überflüssige weggelassen, was manchen nicht gefällt. Aber hey, kommt doch mal zu den Konzerten!", schmunzelte Parks. Das ist dann Raum für Improvisationen. "Für das Album kürzt man etwas, damit man live mehr Spielraum hat. Unsere Live-Shows klingen nicht wie unsere Platten. Die Songs sind fast jeden Abend anders, jeder hat quasi freie Hand, sich im Moment auszudrücken. Wenn jemandem ein Song zu kurz ist: Live wird er wahrscheinlich acht bis zehn Minuten dauern. Wer weiß? Es kommt auf den Abend an."
Zurück zum Album-Opener "Red Rocking Chair": "Die Version, die ich kenne, ist ein altes Lied aus den Appalachen, dessen Autor niemand so recht kennt", sagte Parks. "Es ist vermutlich eine alte englische Mordballade oder ein schottisches Lied. Ich mag es, wie solche Lieder von Völkern auf der ganzen Welt für sich beansprucht werden, sodass man ihren Ursprung nicht mehr erkennt. Es entsteht eine Art kollektiver Seelenfrieden, so etwas wie ein Schwarmbewusstsein. Es gibt sehr ähnliche Musik in allen möglichen Kulturen und Religionen. Trotzdem taucht sie immer wieder auf unterschiedliche Weise auf. Ich höre das Lied seit meiner Kindheit, und es ist cool, eine richtig harte Version davon gemacht zu haben. Wir haben also etwas zu der Folklore dieses Liedes beigetragen, das schon seit 600 oder 500 Jahren existiert."
Parks hört "alle möglichen Arten von Musik aus allen möglichen Kulturen", erzählte er. "Ich glaube, das tun alle in der Band. Alle wissen es zu schätzen, dass ich religiöse Musik aus aller Welt mag. Es hat etwas sehr Bedeutungsvolles, nicht für Geld zu singen, sondern für eine höhere Erfahrung. Das ist Kunst in ihrer ursprünglichsten und schönsten Form. Soweit ich weiß, sind wir alle sehr offen für alles - Bluegrass, Blues, Rock, Rap und so weiter."
Mit seinen Texten schafft es Parks, mit wenigen Worten sehr viel zu sagen. "Es hat etwas mit Poesie zu tun, mit dem Weglassen von allem Überflüssigen, eine Aussage zu vermitteln, die einem nicht linear vorgegeben wird, sondern von innen kommt. Wenn fünf Worte einen wirklich umhauen können, wozu braucht man dann zehn?"
(Das Interview führte Wolfgang Hauptmann/APA)
(S E R V I C E - www.allthemwitches.org )






