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Popp hofft auf einen intensiven Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen und auf Gespräche, die nun einen anderen Charakter haben als jene, die er als Berichterstatter mit ihnen bisher geführt hat. Als Schriftsteller ist der 1970 geborene Wiener freilich kein Debütant. Bereits 2013 erschien sein Erstlingsroman "ich müsste lügen", in dem er eine Krimihandlung mit einem Verwirrspiel zwischen Dichtung und Wahrheit, Verschwinden und Erfinden vermischte. Es folgten die Romane "Die Verschwundenen" (2015), "Wüste Welt" (2016) und "Die Ahnungslosen" (2018).
Popps Bücher führen meist in die Welt hinaus, seine Protagonisten verlassen die sicheren Terrains und konfrontieren sich mit Neuem. "Wenn man das Unterwegssein als Klammer für meine Texte nennen will, dann ist auch mein Klagenfurt-Text unterwegs", sagt er. Ihn hat er speziell für den Bachmann-Preis geschrieben. "Er wird auch nicht weitergehen. Es ist ein Monolith für den Wettbewerb." Seine Einreichung hat er an drei Jurymitglieder geschickt, wobei Klaus Kastberger am schnellsten Interesse signalisiert hat. Auf seine Einladung ist Popp nun als einer von drei Teilnehmern aus Österreich dabei.
Sein eigenes Interesse gelte in letzter Zeit vor allem Romanen, die ihre Grenzen in Richtung Essay ausdehnen und die zwar "narrative Inseln" aufweisen, zwischen diesen aber zu "assoziativen Gedankensprüngen" neigen, schildert Popp. So zeigt er sich etwa von Judith Schalanskys jüngstem Buch "Marmor, Quecksilber, Nebel" angetan.
Auch Romane, die mit Autofiktion spielen, interessieren ihn, "obwohl das in jüngster Zeit etwa inflationär geworden ist". Bücher, die er als Journalist für Beiträge vorschlägt, reflektieren im Idealfall virulente Themen und weisen eine eigene Stilistik auf. "Mittlerweile weiß ich nach zwei Seiten, ob mich Sound und Rhythmus interessieren." Auch Lyrik findet in ihm einen energischen Fürsprecher.
Weniger Erfolg hatte sein vehementes Eintreten für einen Verbleib der Ö1-Redaktion im Funkhaus, nicht zuletzt wegen der zentralen Lage, die Interviewpartner eine kurze Anreise ermöglichte. Mittlerweile habe man aber im ORF-Zentrum am Küniglberg auch den Austausch mit Kolleginnen und Kollegen der anderen Redaktionen schätzen gelernt, berichtet er.
Sein eigenes Schreiben sei durch Sequenzen in Popsonglänge geprägt. "Schreiben hat überhaupt etwas von Musizieren", findet Popp. Die Blöcke, die er in kurzen, intensiven Einheiten schreibe, würden zwar später noch weiter "arrangiert und komponiert", doch endlose Schreibklausuren sind seine Sache nicht.
Studiert hat Wolfgang Popp nicht etwa Germanistik und Publizistik, sondern Sinologie und Geschichte. Dafür lebte er mit 21 und 25 Jahren jeweils ein Jahr lang in China und lernte auch die Sprache. "Das waren sehr intensive Jahre, die ich nie bereut habe." Daraus entstand etwa ein Dokumentarfilm über das Nachtleben in Peking, der beim Filmfestival Diagonale gezeigt wurde, oder eine jahrelange Tätigkeit als Studienreiseleiter nach Asien. Was er in seiner Studentenzeit an alten Städten und Traditionen im Hinterland kennengelernt habe, sei mittlerweile wohl alles zerstört. "Ich würde das heute nicht mehr wiedererkennen, denke ich."
Den Bachmann-Preis, der heute sein 50-Jahr-Jubiläum feiert, möge ein anderes Schicksal ereilen, hofft Wolfgang Popp: "Den wird es hoffentlich ewig geben."
(Das Gespräch führte Wolfgang Huber-Lang/APA)
Wolfgang Popp, Bachmann-Preis-Teilnehmer 2026, in einem Interview mit der APA-Austria Presse Agentur, am Mittwoch, 27. Mai 2026 in Wien.






