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Die goldene Salzburger Festspielzeit geht leider bald zu Ende

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Heinz Sichrovsky

©Matt Observe

Heinz Sichrovsky über das beschämende vorzeitige Ende der Ära Markus Hinterhäuser bei den Salzburger Festspielen.

Das wird sie also gewesen sein, die goldene Salzburger Zeit. Der Vertrag des Intendanten Markus Hinterhäuser, konzipiert bis 2031, endet nun weit früher, man spricht über 2027 oder 2028. Das hat das politisch besetzte Festspielkuratorium am Mittwoch beschlossen, mitten im Beginn der herausfordernden Neugestaltung des Festspielbezirks und im Angesicht von Rekordauslastungen und internationaler Akklamation.

Inferiore Intrige

Was ist passiert? Nichts, kann man zusammenfassen. Bloß eine inferiore Intrige, die den Intendanten bezichtigte, die gesetzlich gar nicht geforderte Ausschreibung der Schauspieldirektion, deren Besetzung einzig ihm obliegt, unterlaufen zu haben. Die Anschuldigung wurde seitens des Kuratoriums zuletzt nicht einmal aufrechterhalten, reichte aber, um die Stimmung in den vergangenen Wochen gegen Hinterhäuser zu drehen.

Die noch nicht lang amtierende Garnitur überforderter Provinzpolitiker wurde leichte Beute von Intriganten aus der Festspielnomenklatura und der regionalen Publizistik (was ich vom Wirken der beteiligten Provinzwoiwoden und Kleinstadtschulzen halte, können Sie in einer früheren Ausgabe meiner Spitzentöne nachlesen)

Da die Causa Schauspielchefin offenbar haltlos ist, suchte man zur Kuratoriumssitzung neue Beschuldigungen und griff zu den üblichen Stereotypen, die hervorgeholt werden, wenn man jemanden Qualifizierten abmontieren will: rüder Führungsstil, mangelnde Achtsamkeit, man kennt das. Nun hat das Kuratorium dem Intendanten eine rabiate Verkürzung seines Vertrags in Aussicht gestellt, bis 20. März soll er entscheiden, ob er zustimmt.

Ein anregender Sommer beginnt

All das, so ist hinzuzufügen, ereignet sich fünf Monate vor Beginn eines Festspielsommers, der sich so spannend liest wie wenige in meiner vierzigjährigen Zeit als Festspielkritiker. Das Schauspielprogramm hat Hinterhäuser nach zwei Katastrophendirektionen interimistisch selbst gestaltet.

Ulrich Rasches „Faust 1“ und je eine Uraufführung der Nobelpreisträger Elfriede Jelinek und Peter Handke verkörpern die präzise Fortschreibung des Festspielgedankens von Max Reinhardt und Hofmannsthal. Auch den gefeierten „Jedermann“ hat Hinterhäuser ausschließlich selbst erfunden, nachdem der Goldesel schon an Obstipation zu verenden drohte.

Und erst das Opernprogramm! Christof Loys formidable „Così fan tutte“, die im Coronajahr 2020 ein helles Licht über die verzweifelnde Branche geworfen hat, kann nun ungekürzt gezeigt werden. Die Sopranistin Asmik Grigorian, die in der Ära Hinterhäuser an die Weltspitze aufbrach, singt unter Currentzis die Mezzo-Partie der Carmen – ein faszinierender Fachschritt Richtung Callas. Dafür ist die Mezzosopranistin Elina Garanca Strauss’ Ariadne, der genau umgekehrte Schritt, der in die Richtung von Christa Ludwig und Waltraud Meier weist.

Kleinstadtschulzen, Provinzwoiwoden

Aber erklären Sie das dem Salzburger Bürgermeister Auinger (SPÖ) in Zeiten, in denen sogar schon mancher Kulturressortleiter (m/w/d) ratlos vor den genannten Finessen stünde! Überhaupt, Bernhard Auinger, mit 52 noch regionaler Polit-Altnachwuchs. Eine Gruppe künstlerischer und intellektueller Höchstligisten hat sich soeben öffentlich für Hinterhäuser erklärt. Aber Auinger, Herr über 158.000 Stadtsalzburger und schon in Golling-Abtenau nicht einmal mehr ein Gerücht, ließ Nobelpreisträgern und Künstlern von Weltrang ausrichten: „Netter Versuch.“

Er erinnert damit an den pinken Minister Wiederkehr, der die intellektuelle Elite des Landes in der Causa Latein beflegelt hat. Sicher, ungebildete Politiker gab es immer. Aber jetzt folgen sie, orientierungslos und beratungsresistent in sich selbst versunken, ihren selbstgetrampelten Pfaden ins Verhängnis. Die jüngere Landeshauptfrau Edtstadler kommt schon aus der Entourage des Kanzlers Kurz. Sie war dort ein positiver Ausreißer, und ich bin von ihr so enttäuscht wie von Babler, der seine Emissäre im Kuratorium nicht auf den Weg der Vernunft konditionieren konnte.

Ungeheurer Schaden

Allmählich gelangen nun, Wiederkehr und Kurz sind Beispiele, zudem die Pretiosen der Bildungsgeneration Gehrer in die Ämter (und Gott bewahre uns vor der Generation Schmied/ Heinisch-Hosek, wobei ich hier alles andere als generalisieren will). Als Kurz implodiert ist, war das ermutigend und amüsant. Wenn in absehbarer Zeit Marlene Svazek von der FPÖ die Landeshauptfrau verdrängt, wird das weder ermutigend noch amüsant sein. Und wenn Auinger demnächst irgendwo in den Eingeweiden der Arbeiterkammer versinkt, wird man es nicht einmal wahrnehmen.

Aber der Schaden für die Festspiele ist schon jetzt ungeheuer. Hinterhäuser hat sie 2016 nach neunjährigem Chaos zu einem Jahrzehnt der Blüte gebracht. Das Chaos hatten übrigens Landeshauptfrau Burgstaller (SPÖ) und Bürgermeister Schaden (SPÖ) verursacht. Was aus ihnen geworden ist, entnehmen Sie bitte der Suchmaschine Google. Und ohne hier „spoilern“ zu wollen: Schönes werden Sie nicht zu lesen bekommen.

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