News-Kulturchef Heinz Sichrovsky lässt in seinem Kommentar zur Beurlaubung von Salzburger-Festspiele-Intendant Markus Hinterhäuser kein gutes Haar an der Provinzpolitik.
So weit ist es gekommen: Die hochrechenbar spannendsten, inspirativsten Salzburger Festspiele seit Jahren, möglicher Höhepunkt einer Ära, die das Festival aus tiefster Krise zu weltweit anerkannter Strahlkraft zurückgeführt hat, werden ohne ihren Schöpfer abgewickelt. Markus Hinterhäuser ist „ab sofort beurlaubt“. Weshalb? Weil er nicht zugestimmt hat, als das als Kuratorium verkleidete Politbüro seinen Vertrag um vier Jahre brechen wollte. Das Gespräch „der Anwälte“ hat so geendet. Ich hoffe, die Politiker müssen den Intendanten jetzt mit Geld zuschütten, um sich anschließend vor dem Rechnungshof zu verantworten.
Ich will nicht so weit gehen, Künstler aufzufordern, sich solidarisch aus ihren Verträgen zu verabschieden. Dazu ist das Programm zu reich, ein zu leuchtendes Monument einer wahren Ära, die stärker war als die Pandemie und der epidemische Cancel-Kretinismus. Aber künftig wird sich wohl mancher überlegen, wo er seine wohlverdiente Sommerunruhe verbringen will.
Den Tiefstand der österreichischen Kulturpolitik habe ich an dieser Stelle zuletzt öfter konstatiert. Landeshauptfrau Edtstadler (ÖVP) harmoniert perfekt mit dem Bürgermeister Auinger. Der feinsinnige Sozialdemokrat ließ einigen der bedeutendsten Künstler unserer Zeit, die sich für Hinterhäuser verwendet haben, ausrichten: „Netter Versuch.“ Und dem Kunstvizekanzler ist seine desinteressierte Ahnungslosigkeit in einer einzigen, beschämenden Wortblase entwichen. Dieses gesundheitsgefährdende Konglomerat aus Rückständen der Ära Kurz und wildgewordener Arbeiterunbildungsbewegung zöge besser die Konsequenzen, die es Hinterhäuser, den Festspielen und beider Publikum zumutet.
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