Alte Nutztierrassen wachsen langsamer als moderne Turbo-Züchtungen und liefern weniger Fleisch. Ist es also Zeit, sich von ihnen zu verabschieden, oder eben gerade nicht? Wir fragen Thomas Strubreiter, Obmann des Vereins Arche Austria und Landwirt in Scheffau.
Warum alte Nutztierrassen retten, müssen wir all unsere Möglichkeiten nicht auf Erhaltung von Wildtierbeständen konzentrieren?
Einerseits sind diese Tiere ein Ausdruck jahrhundertealter bäuerlicher Kultur und bäuerlicher Geschichte. Sie haben uns über viele Epochen hinweg ernährt und unser Überleben garantiert, sie zu erhalten wäre also schon einmal eine moralische Frage. Auf der anderen Seite sind sie das genetische Back-up der modernen Rassen, wenn bei denen was schiefläuft, kann man immer noch auf die alten Rassen zurückgreifen, sie sind unverbrauchtes Gen-Material.
Leistungszuchten bringen mehr Ertrag in kürzerer Zeit. Was können dafür die alten Rassen?
Sie wachsen zwar langsamer, brauchen dafür aber viel weniger Input – sie verarbeiten Wiese zu Protein, zu Leistung. Bei modernen Rassen muss man mit Getreide zufüttern und damit werden sie zu Konkurrenten für uns Menschen. Außerdem sind alte Nutztierrassen auch an unser Klima angepasst und auch bei starken Klimaschwankungen viel robuster. Während der Hitzeperioden muss mein Nachbar mit den Turbo-Kühen jeden Tag den Tierarzt rufen, damit er die Rinder an den Tropf hängt. Meinen Sprinzen und Tuxern ist das wurscht.
Leider kennt der Otto Normalverbraucher die gute Ware ja gar nicht mehr.
Vieles spielt bei Qualität von Fleisch eine Rolle: Haltung, Wachstum, Fütterung auch die Schlachtung. Wirkt sich Rasse auf Qualität aus, oder anders gefragt: Schmeckt ein Steak von der Pustertaler Sprinze besser als eines von einem modernen Hochleistungs-Rind wie etwa dem Blauen Belgier?
Alte Rassen haben eine viel feinere Muskelstruktur, viel mehr intramuskuläres Fett, Fleisch dieser anderen Rassen hat einen ganz anderen Biss und auch einen intensiveren Geschmack. Wennst von der Turbo-Kuh einen großen Braten ins Rohr schiebst, hast nachher einen kleinen Braten, klarer Fall von Masse statt Klasse. Leider kennt der Otto Normalverbraucher die gute Ware ja gar nicht mehr.
Viele Betriebe, die sich alten Rassen widmen, arbeiten biologisch, mit extensiver Haltung, in Kreislaufwirtschaft. Kann sich das insgesamt ausgehen?
Das geht nur mit Direktvermarktung, also indem möglichst viel von der Wertschöpfung am Hof bleibt und nicht an Handelsspannen abgegeben werden muss. Marketing würde natürlich auch helfen, aber dafür sind einstweilen die Stückzahlen noch zu gering, außerdem braucht es beim Verkauf von Fleisch alter Rassen so viel Aufklärungsarbeit, das geht nur im persönlichen Kontakt.
Warum schafften es Frankreich, Spanien und Italien so viel besser als Österreich, sein Nutztier-Kulturgut zu pflegen und zur weltweiten Marke zu machen?
Ganz so schlecht schaut es bei uns eh gar nicht aus, aber zu einem gewissen Maß liegt das natürlich einmal an der Esskultur – Franzosen machen einen Kult aus ihren regionalen Produkten, sie sind stolz darauf. Prinzipiell ist das Verständnis für die Haltung alter Rassen in Österreich sehr groß, das liegt wohl am Heimatbewusstsein, und je mehr die Leute drüber wissen, desto größer ist auch das Interesse am Produkt. Bleibt nur noch, es auch zu kaufen. Und tatsächlich gibt’s bei uns in jeder Gegend was Gutes.
Steckbrief
Thomas Strubreiter
Thomas Strubreiter ist gelernter Tischler und seit zwei Jahrzehnten Vollerwerbsbauer. Auf seinem „Archehof“ in Scheffau hält er Rinder der Rassen Pustertaler Sprinzen und Tuxer-Zillertaler, Mangalitza- und Turopolje-Schweine, Blobe-Ziegen und einen österreichischen Kurzhaarpinscher. Seit 2019 betreibt er auch eine Landwirtschaft in Schweden.
Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 04/2026 erschienen.







