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Kurz, Benko, Thiel: Christian Angermayer kennt sie alle

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Christian Angermayer©Getty Images

Christian Angermayer ist Milliardär, Tech-Investor und bestens vernetzt – von Donald Trumps Umfeld über Peter Thiel bis zu Sebastian Kurz und René Benko. Eine internationale Recherche über Geld, Macht und die Geschäfte hinter den großen Zukunftsvisionen.

News auf Google bevorzugen

Christian Angermayer ist Milliardär, Tech-Investor und bestens vernetzt – von Donald Trumps Umfeld über Peter Thiel bis zu Sebastian Kurz und René Benko. Eine internationale Recherche über Geld, Macht und die Geschäfte hinter den großen Zukunftsvisionen.

Es ist der 21. März 2020. Die Coronapandemie hat Europa erfasst, Österreich befindet sich seit wenigen Tagen im ersten Lockdown. Um 17.12 Uhr verschickt Christian Angermayer eine vertrauliche E-Mail an den damaligen Bundeskanzler Sebastian Kurz und zwei seiner engsten Vertrauten, Markus Gstöttner und Bernhard Bonelli. Mit dem Betreff: „nochmal Chloroquine“

Der 48-jährige deutsche Investor hat offenbar interessante Neuigkeiten. Seine KI-Firma Innoplexus habe für den Pharmakonzern Bayer sämtliche verfügbaren Forschungsarbeiten zu Chloroquin ausgewertet, einem Medikament, das damals als mögliche Behandlung gegen Covid-19 diskutiert wurde. „Es funktioniert, ideal in Kombination mit weiteren zugelassenen Medikamenten“, schreibt Angermayer an die damals amtierende Regierungsspitze. Im Anhang: eine Zusammenfassung der Forschungsergebnisse und, wie er ausdrücklich vermerkt, „die vertraulichen Infos“.

Ob Chloroquin tatsächlich gegen Covid-19 wirkte, war zu diesem Zeitpunkt keineswegs erwiesen. Spätere große Studien konnten keinen klinischen Nutzen belegen.

Bemerkenswert an der Nachricht ist weniger die medizinische Einschätzung des Investors als die Selbstverständlichkeit, mit der er sich direkt an den österreichischen Bundeskanzler wandte. Die Anrede: „Hallo Sebastian, Markus, Bernhard“. Gezeichnet mit: „Beste Grüße, Christian“.

Der Anfang des Seins

Es ist eine jener Episoden, die viel über die Welt des Christian Angermayer erzählen. Über Jahre hat er sich ein internationales Netzwerk aus Milliardären, Politikern und Unternehmern aufgebaut. Er kennt nicht nur die richtigen Leute. Er weiß auch, wie er sie erreicht. Grenzen scheint es dabei kaum zu geben. Passend dazu trägt seine auf Malta beheimatete Investmentgesellschaft den Namen Apeiron. In der griechischen Philosophie steht der Begriff für das Unbegrenzte, in dem „Anfang und Ende der seienden Dinge“ liegen.

Und er hat, so scheint es, damit nahezu unbegrenzten Erfolg. Sieben Milliarden US-Dollar verwaltet Apeiron nach eigenen Angaben. Auch Angermayers persönliches Vermögen soll im Milliardenbereich liegen. Der Mann ist schillernd. Wenn er Partys veranstaltet, schaut auch mal Hollywoodstar Uma Thurman vorbei. Gefeiert wird mitunter tagelang.

Die großen Macher der Welt hat Angermayer auf Kurzwahl. Und diese Zugänge scheinen wohl seine wichtigste Währung zu sein

Ein guter Freund ist Peter Thiel, einer der einflussreichsten Investoren des Silicon Valley und finanzieller Unterstützer der amerikanischen Rechten. Auch die Trump-Familie gehört zu Angermayers Bekanntenkreis. Donald Trump Jr. ist ebenso ein Freund wie Trumps Tochter Ivanka und ihr Ehemann Jared Kushner. Zu seinen Kontakten zählen außerdem US-Vizepräsident JD Vance, Finanzminister Scott Bessent und Handelsminister Howard Lutnick.

Auch in Deutschland reicht Angermayers Netzwerk bis in die höchsten politischen Kreise. Er pflegt enge Beziehungen zu führenden Christdemokraten, darunter den umstrittenen, kürzlich abgetretenen Fraktionschef Jens Spahn. Doch seine Kontakte reichen weit über das konservative Lager hinaus. Auch mit Spitzenpolitikern der SPD, etwa Vizekanzler und Finanzminister Lars Klingbeil, ist Angermayer per Du.

Der Deutsche ist Teil jener Elite, die gerade die Welt radikal verändern will – mit einem Tempo und einer Radikalität wie vielleicht zuletzt nach der Erfindung des Buchdrucks oder der Entdeckung der Elektrizität

Er investiert in psychedelische Drogen, Kryptowährungen und Gehirnimplantate, Künstliche Intelligenz – immer mit dem Ziel, die Menschheit voranzubringen, vielleicht sogar zu überwinden. Was steckt hinter der Idee vom Supermenschen? Welches Weltbild treibt Christian Angermayer an?

Monatelang haben News, das ARD-Politikmagazin „Kontraste“ und das deutsche Nachrichtenmagazin Focus gemeinsam über Christian Angermayer recherchiert. Er zählt zu den vermögendsten und zugleich auch einflussreichsten Unternehmern Deutschlands. Doch einer breiteren Öffentlichkeit ist er noch weitgehend unbekannt.

Flexibler Geist

Christian Angermayer kam 1978 in der oberpfälzischen 4.000-Seelen-Gemeinde Wiesau zur Welt. Seine Mutter war Sekretärin, sein Vater am Bau. Anders als die US-Milliardäre in seinem Netzwerk fiel er als Kind kaum durch technisches Geschick auf, zeigte aber Sinn fürs Geschäft. Er habe nach seinem ersten Kinobesuch Geld fürs Fernsehen von seinen Eltern verlangt, erzählte er mal dem Wirtschaftsmagazin Forbes.

Ende der Neunziger begann er sein Studium an der Universität Bayreuth, wo er zwei Professoren kennenlernte, die an einer Gen-Targeting-Technologie arbeiteten, die wir heute als RNA-Interferenz kennen. Mit ihnen gründete Angermayer die Ribopharma AG und brach sein Studium ab. Mit 25, so seine Darstellung, war er Multimillionär. Es folgten ein Finanzdienstleistungsunternehmen namens Angermayer, Brumm & Lange Group, später die African Development Corporation (ADC), über die er in Ruanda investierte. Auch dessen Präsident Paul Kagame gehört zu seinen Freunden.

Nach einer offenbar lebensverändernden Erfahrung mit halluzinogenen Pilzen, sogenannten Magic Mushrooms, gründete er 2018 das Biotechunternehmen Atai Life Sciences. 2021 brachte Angermayer Atai an die Börse. Im September 2026 übernahm der amerikanische Pharmariese Eli Lilly das Unternehmen für bis zu 3,8 Milliarden Dollar.

Besonders große Hoffnungen ruhen auf einem Nasenspray gegen therapieresistente Depressionen, das die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA für eine „Breakthrough Therapy“ hält.

Es ist auch deshalb der Erfolg seines Lebens, weil er gut zu jener Geschichte passt, die Angermayer gerne erzählt. Es ist die Jagd nach – wenn schon nicht ewiger – dann doch richtig langer Jugend

Spricht Angermayer über Psychedelika, gerät er regelrecht ins Schwärmen: „Die können die Neuroplastizität fördern – also die Fähigkeit des Gehirns, neue Verbindungen zu knüpfen und eingefahrene Denkmuster aufzubrechen. Das werden wir alle brauchen, um die gewaltigen Veränderungen der kommenden zehn Jahre nicht mit Panik, sondern mit Neugier und Offenheit zu bewältigen.“

„Human-Maxxing“

Einer der ersten Investoren bei Atai war sein Freund Peter Thiel. Auch der Tech-Milliardär will sich mit dem Tod nicht abfinden, ihn am liebsten besiegen.

Und doch geht es in der Welt der Tech-Elite längst nicht mehr nur darum, das Leben zu verlängern. Manche wollen die Grenzen des Menschseins selbst überwinden. Elon Musk etwa investiert in die Entwicklung von Schnittstellen zwischen Gehirn und Computer. Künstliche und menschliche Intelligenz sollen verschmelzen. Philosophen nennen das Transhumanismus.

Den Begriff mag Angermayer allerdings nicht. Darin stecke die Idee, „dass wir unsere Menschlichkeit hinter uns lassen“. Ihm gehe es persönlich vielmehr darum, „dass wir auf eine guteArt das Beste aus uns herausholen“. Jeder solle „die beste Version seiner selbst“ werden. Er nennt das „Human-Maxxing“.

Was genau man darunter verstehen soll, ließ sich bei den von ihm initiierten und mitfinanzierten Enhanced Games beobachten, einer Art Alternativolympiade in Las Vegas. Das Konzept dahinter: Das Erreichen sportlicher Höchstleistungen mithilfe von Doping. Unter medizinischer Aufsicht dürfen Athleten Steroide, Testosteron, EPO und andere leistungssteigernde Substanzen einsetzen. Was bei Olympischen Spielen verboten ist, gehört hier zum Geschäftsmodell. Die Bilanz fiel allerdings eher bescheiden aus. Nur ein Weltrekord wurde gebrochen.

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 © Waltl & Waltl

Wer Angermayer zuhört, gerät schnell in eine Art Sog. Wenn man sich nach ihm erkundigt, werden sprühende Intelligenz, Charme und Überzeugungskraft gepriesen. Auf eine simple Frage folgt nicht selten ein Monolog über die großen Linien der Welt.

Und Angermayer wirkt dabei, als habe er bis zum Mittelpunkt der Erde geblickt und dort die Antworten gefunden. Auf alles. Ein Apeiron.

„Christian Angermayer scheint mir vor allem ein Netzwerker und Menschenfänger zu sein“, sagt der deutsche Tech-Investor Philipp Klöckner. Er bescheinigt ihm durchaus ein außergewöhnliches Gespür für Zukunftsbranchen wie Biotechnologie oder Cloud-Computing. Angermayer verstehe es, früh in vielversprechende Unternehmen zu investieren. Vor allem aber beherrsche er die Kunst, seinen Investments eine große Geschichte zu geben. Für private Investoren könne das aber teuer werden: „Wenn Kleinanleger in entsprechende Börsengänge investieren, drohen ihnen in den allermeisten Fällen erhebliche Verluste.“

Glanz oder Schein?

Selbst beim Biotechunternehmen Atai. Wer am ersten Börsentag investierte, machte auch nach dem kürzlichen Verkauf an Eli Lilly noch Verluste. Auf die Kursentwicklung seiner Firmen angesprochen, reagiert Angermayer mit Belehrungen. Jeder Anleger sei schließlich selbst für seine Investitionen verantwortlich. Und niedrige Kurse seien ohnehin die beste Gelegenheit, um nachzukaufen.

Man könnte sagen, Angermayer hat von den Besten gelernt. Von Leuten wie Thiel und Musk. Der Tesla-Chef war, lange bevor er nach Washington ging, ein begnadeter Geschichtenerzähler. Seine Visionen handelten von der Zukunft im All. Gebaut hat er derweil ziemlich irdische Produkte.

Auch Angermayers Geschäfte haben nicht immer mit den großen Visionen von übermorgen zu tun. Manchmal verdient er schlicht daran, die richtigen Leute an einen Tisch zu bringen. So verrechnete er im Jahr 2019 dem Zahlungsdienstleister Wirecard mehr als elf Millionen Euro für die Vermittlung eines japanischen Investors.

Der Lobbyist Angermayer

Wer verstehen will, wie talentiert Angermayer wirklich darin ist, sein Netzwerk zu aktivieren und die Nähe zur Macht zu nutzen, der muss sich nur Angermayers Mailverkehr aus demFrühjahr 2020 anschauen. Sein Freund, der tief gefallene einstige Kaufhauskönig René Benko, der aktuell mit einer Fußfessel aus dem Gefängnis in den Hausarrest entlassen wurde, steckte damals in der wohl schwierigsten Phase seines Unternehmerlebens. Insbesondere seine Galeria-Kaufhäuser waren in größter Not.

Am 22. März 2020 schrieb Benko morgens um 6.23 Uhr eine Mail an Angermayer: „Anbei haben meine Juristen Anmerkungen zum dringlichen Gesetzentwurf zur Aussetzung Insolvenzrecht, vor allem aber auch Änderungen bei Mietstundungen und in Folge Stundungen von Zins und Tilgungen sowie von Kündigungsrechten von Krediten.“ Solle man das nicht dem damaligen Staatssekretär Wolfgang Schmidt im Finanzministerium unter Olaf Scholz schicken, fragt Benko und: „Ruf mal durch, wenn du wach bist. Danke.“

Nachdem Angermayer aufgestanden ist, schreibt dieser eine Nachricht an den damaligen SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil mit Benkos Wunschliste.

Klingbeil antwortet eine Viertelstunde später: „Hey, ich lese deine Sachen alle. Bei mir brennt gerade die Hütte, von den 80 Prozent kommen wir wohl runter. Das mit den gewerblichen Immobilien habe ich gerade weitergegeben.“

Angermayer wendet sich auch an Thomas Jarzombek (CDU), damals Beauftragter für Start-ups im Wirtschaftsministerium. Wie einen Arbeitsnachweis leitet er seine Mail an Benko weiter.

Der hat parallel dazu an Finanzstaatssekretär Wolfgang Schmidt gemailt – in Blindkopie nimmt Benko Gesundheitsminister Jens Spahn mit einer privaten Mailadresse und Angermayer: „Ich habe Ihre E-Mailadresse von Jens Spahn erhalten“, schreibt Benko und bittet um ein Telefonat. Insgesamt sollte Benkos Kaufhauskette 680 Millionen Euro vom Bund erhalten – lediglich ein Bruchteil floss zurück. Heute sagt Schmidt, dass er mit Benko vielleicht ein oder zweimal telefoniert habe. Einfluss auf seine politischen Entscheidungen habe das nicht gehabt.

Am Tag nach der gemeinsamen Offensive für Benkos Kaufhäuser kommt es zu einer Verabredung zwischen den beiden Unternehmern. Am 23. März schließen Benkos Laura Holding und Angermayers Biotechfirma Atai einen Vertrag, der vorsieht, dass Benko mit zehn Millionen Euro dort investiert – zahlbar am 1. August auf ein Konto bei einer Raiffeisenbank am Attersee.

Angermayer stellt sein Engagement für Benko als reinen Freundschaftsdienst dar. Allein schon die Frage nach der Gleichzeitigkeit beider Vorgänge zu stellen, sei eine „absurde Unterstellung“. Es handele sich um eine „zufällige zeitliche Nähe“.

Glaubt man Angermayer, ist sein spektakuläres Netzwerk ein Produkt seiner Neugier. Das Interesse an spannenden und mächtigen Leuten stecke dahinter, nicht konkrete Absichten

Am 28. April 2021 fiel schließlich die Entscheidung, „die Geschäftsbeziehung mit Herrn Angermayer […] und den wesentlichen Kreditnehmern im Konglomerat Angermayer zu beenden“. So zu lesen auf Seite vier einer vertraulichen Präsentation der Bank, die eine Besprechung zwischen der Bankspitze und den Aufsehern dokumentiert. Bis Ende 2021 sollten die Geschäftsbeziehungen beendet und ausstehende Kredite zurückgeführt werden. Auch die Risikostrategie sollte angepasst werden. In der Unterlage heißt es dazu knapp: „Entsprechende Anpassung der Risikostrategie erfolgte.“

Bereits am folgenden Tag, dem 29. April 2021, wurden die Prüfer der FMA in Wien über die Entscheidung informiert. Auch der Aufsichtsrat der Bank sollte sich noch am selben Tag damit befassen. Laut einem vertraulichen Sitzungsprotokoll berichteten der damalige Geschäftsleiter und eine Compliance-Verantwortliche unter dem Tagesordnungspunkt „Berichterstattung zu Konglomeraten […] Angermayer“.

Noch Monate später war die Angelegenheit nicht abgeschlossen. Ein interner Risikobericht der Bank vom September 2021 vermerkt unter „Sonstige Risiken“ ein „laufendes Medienmonitoring“ zum Kreditnehmer Angermayer und verweist dort auch auf einen Compliance-Bericht.

Wirbel um Spahn-Villa

Ausgerechnet in dieser Zeit geriet das bis dahin wenig bekannte Bankhaus wegen eines anderen prominenten Kunden ins Licht der Öffentlichkeit. Recherchen der „Zeit“ machten bekannt, dass Jens Spahn und sein Ehemann ursprünglich einen Millionenkredit bei der Bank für den Kauf ihrer Berliner Villa aufnehmen wollten. Die Finanzierung kam letztlich über eine andere Bank zustande.

Angermayer selbst erzählt die Geschichte vom Ende seiner Geschäftsbeziehung mit der Bank anders. Seine Investmentgesellschaft Apeiron sei stark gewachsen, man sei aus der Verbindung mit der Regionalbank schlicht „herausgewachsen“. Geschäfte seien zunehmend zu größeren internationalen Banken verlagert worden. Die Entscheidung, die Geschäftsbeziehung über rund zwölf Monate auslaufen zu lassen, sei gemeinsam getroffen worden. Eine negative Deutung weist Angermayer vehement zurück. Mit dem früheren Bankchef sei er bis heute freundschaftlich verbunden.

Die Bank verweist auf Anfrage auf ihre gesetzlichen Verschwiegenheitspflichten und erklärt, man habe die Geschäftspolitik in den vergangenen Jahren weiterentwickelt. Frühere Engagements seien eingehend aufgearbeitet und zum Anlass genommen worden, den vorsichtigen Risikokurs weiter zu verstärken. Insbesondere bei Immobilienfinanzierungen lege man nun größeren Wert auf Risikobewusstsein und langfristige Stabilität.

Angermayer und Benko

Nach dem Einstieg von René Benkos Laura Holding bei Atai im Jahr 2020 verfolgten die beiden Unternehmer weitere gemeinsame Pläne. 2021 arbeiteten Angermayer und Benkos Stiftung daran, ein gemeinsames Investmentvehikel aufzubauen. Das Vorhaben wurde auch medial verbreitet, kam letztlich aber nicht richtig in Gang. Ein Grund dafür sollen kolportierte Schwierigkeiten Benkos gewesen sein, vor allem ab 2022 die zugesagten Einzahlungen zu leisten.

Umso bemerkenswerter ist eine kuriose Episode, die sich vier Tage vor Weihnachten 2022 abgespielt hat. Am 20. Dezember, um 16.31 Uhr, schrieb Angermayer an einen seiner Mitarbeiter: „Rene’s ‚Laura Privatstiftung‘ gibt der Apeiron ein Darlehen in Höhe von EUR 3m bis zum 30. Dezember. Auszahlung morgen.“ Dann folgte eine bemerkenswerte Anweisung: „Bitte Vertrag aufsetzen, mit mir als Bürgen.“

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Bereits am folgenden Tag wurde der Darlehensvertrag zwischen der Laura Privatstiftung und Apeiron unterzeichnet. Angermayer übernahm demnach persönlich eine Bürgschaft für den kurzfristigen Drei-Millionen-Euro-Kredit. Die Rückzahlung war für den 30. Dezember vorgesehen.

Doch an diesem Tag war das Geld auf dem Konto der Laura Privatstiftung noch nicht ersichtlich. Benko wandte sich um 12.52 Uhr an Angermayer und dessen Mitarbeiter: „Wir sehen noch keinen Zahlungseingang der 3 Mio. bei unser Stiftung.“ Und setzte nach: „War fix für heute vereinbart!!!!!!!“

Angermayers Mitarbeiter verwies daraufhin auf Verzögerungen bei der Abwicklung der Banküberweisungen. Er übermittelte eine SWIFT-Bestätigung der Schweizer Bank Zarattini und kündigte weitere Zahlungen über 400.000 Euro von dieser sowie 100.000 Euro von der deutschen Baader Bank an.

Unruhiger Jahreswechsel

Doch auch nach dem Jahreswechsel war Benko offenbar nicht beruhigt. Am 2. Januar 2023 meldete er sich erneut. Bis dahin seien lediglich 100.000 Euro auf dem Stiftungskonto eingegangen. „Die 2.500.000,– mit Valuta 30.12.2022 scheinen eine Fake-Buchung gewesen zu sein – die hätten am 30.12 bei unserer Stiftung am Konto sein müssen. Bis heute nicht !!!“

Ein schwerwiegender Verdacht, den der sichtlich irritierte Immobilieninvestor da äußerte. Der Apeiron-Mann versuchte, die Wogen zu glätten. Man habe den Vorgang mit der Bank überprüft, erklärte er noch am selben Vormittag. Der Betrag sei tatsächlich am 30. Dezember bei Apeiron abgebucht worden. Man gehe davon aus, dass die Überweisung im Laufe des Tages auf dem Konto der Stiftung sichtbar werde.

Und tatsächlich: Wenig später bestätigte ein Signa-Mitarbeiter den Eingang. Angermayers Erklärung für den Kurzzeitkredit an sein milliardenschweres Family Office: Benko habe aus einem Projekteine Rechnung nicht beglichen gehabt und ihm deshalb angeboten, dass seine Laura Stiftung Apeiron das Geld daher leiht. Das sei besser als nichts gewesen.

Doch Angermayers weitverzweigtes Beziehungsgeflecht reicht weit über die Welt der Investoren und Milliardäre hinaus. Eine Spur führt zurück ins Wien des Sommers 2018.

Der Gast aus Moskau

Angermayer liebt die USA. Doch der Kontakt nach Russland ist ihm ebenso wichtig. Wie wichtig, zeigen E-Mails, die News, „Kontraste“ und Focus von der Londoner Rechercheplattform Dossier Center erhielten. Darin findet sich auch eine Hotelreservierung.<

Im Juni 2018 buchte die russische Botschaft in Österreich für einen Regierungsmitarbeiter aus Moskau ein Zimmer im Wiener Interconti-Hotel. „So ist es ruhiger“, schrieben die in Österreich stationierten Russen an den Gast aus der Heimat. An jenem Wochenende feierte Christian Angermayer im Schloss Neuwaldegg am edlen Wiener Stadtrand seinen 40. Geburtstag. 700 Leute waren da, erinnert sich Angermayer.

Einer von ihnen: Ein Mann aus Moskau. Daniil Bisslinger. Der 37-jährige Diplomat ist heute Berater Wladimir Putins. Es gibt Bilder, die zeigen ihn als Übersetzer neben dem russischen Machthaber und Ex-Kanzlerin Angela Merkel. Von 2012 bis 2017 war Bisslinger an der russischen Botschaft in Berlin stationiert, dann kehrte er nach Moskau zurück. Bis dahin war er einer der besten Nachwuchs-Netzwerker, die Russland je in Europa platziert hatte.

Was Bisslinger auf Angermayers Geburtstag trieb, schilderte ausgerechnet Peter Thiel später dem FBI. Offenbar war dem Tech-Investor die Begegnung nicht ganz geheuer.Thiel, der bereits damals zu den wichtigsten Unterstützern und Einflüsterern Donald Trumps gehörte, erzählte den Beamten, dass sein Freund Christian ihm den Russen vorstellte.

Bisslinger wiederum habe sofort versucht, Thiel nach Sankt Petersburg einzuladen. Er könne auch ein privates Treffen mit Wladimir Putin arrangieren.

Es gibt keine Hinweise darauf, dass Angermayer bewusst für Bisslinger als Türöffner zu Thiel agierte. Angermayer sagt auch, er hätte die Einladung des Russen überdacht, wenn er gewusst hätte, dass dessen Botschaft seinen Aufenthalt organisiert.

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Ganz oben: Auch Hollywoodstars wie Uma Thurman zählen zu Angermayers Freundeskreis.

 © Getty Images

Wochen nach der Feier in Wien wandte Angermayer sich nicht von Putins Mitarbeiter ab. Nach der Hochzeit der damaligen österreichischen Außenministerin Karin Kneissl, die im August 2018 zu einem Weltereignis wurde, weil Wladimir Putin dort war, schrieb Angermayer an Bisslinger, der Putin begleitet hatte.

„Auf einigen Fotos, die mir Hochzeitsgäste schicken, sehe ich immer wieder Dein Gesicht im Hintergrund, wenn Du mir irgendwann mal eine Audienz bei Deinem Chef besorgen könntest, wäre ich Dir ewig dankbar.“

Heute will Angermayer damit Außenminister Sergej Lawrow gemeint haben, der Mailverkehr legt jedoch nahe, dass es um Putin selbst ging. Als Bisslinger darauf nicht eingeht, bringt Angermayer Thiel ins Spiel: „Wenn ich zusammen mit Peter kommen würde, würden wir dann einen Termin bekommen?“ Zu einem solchen Treffen kam es laut Angermayer jedoch nie.

Und falls doch? Dann geschähe es aus kaum mehr als Interesse, sagt zumindest Angermayer: „Ich würde wahrscheinlich jeden treffen, wenn die Person interessant ist, weil das doch keine Wertung darstellt. Meine Neugier ist keine politische Wertung, sondern einfache echte, neutrale Neugier.

Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 43/2026 erschienen.

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