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Mental Load ist die unsichtbare Denkarbeit, ständig Termine, Aufgaben und Bedürfnisse im Blick zu behalten, zu planen und zu koordinieren. Diese Denkarbeit übernehmen auch heutzutage noch meistens Frauen. Das führt zu Streit in Beziehungen und einer ungleichen Verteilung der Aufgaben. Expertinnen und Experten erklären was man tun kann.
Die systemische Beraterin Moni Müller beobachtet häufig Streitfälle, die sich um Kleinigkeiten drehen. "Die Frau sieht, dass das T-Shirt des Kindes nicht gut zum Rock passt, und ärgert sich, dass sie das Kind nicht selbst angezogen hat. Damit macht man sich das Leben natürlich schwer."
Damit der Mann Verantwortung übernehmen kann, muss die Frau ein Stück weit Verantwortung abgeben. "Das heißt, ich sollte nicht mehr erinnern oder nachkontrollieren", sagt Müller. "Und ich muss meinen Perfektionismus in bestimmten Bereichen herunterschrauben."
"Solange man all das noch selbst mitdenkt, liegt der Mental Load weiterhin voll auf den eigenen Schultern", sagt Müller. Verantwortung abzugeben, braucht Zeit. "Frauen tun sich manchmal schwer damit, wenn sie über lange Zeit eine Kompetenz aufgebaut haben: planen, umsetzen, Feuerwehrdienst leisten. Genau das muss man dem Partner aber zutrauen", sagt Cammarata. "Man muss sagen können: Der kann auch mal etwas verbaseln oder vergessen. Vielleicht läuft es nicht ganz so, wie man es sich vorgestellt hat. Aber der kriegt das hin." Das Schöne ist: Mit der Zeit wächst das Vertrauen.
Er findet es nervig, wenn Sachen in der Wohnung herumliegen – sie stört das nicht. Sie nimmt sich Zeit für Geburtstagskarten und Geschenke – er schreibt eine WhatsApp-Nachricht. Viele Paare haben unterschiedliche Prioritäten und Empfindungen. Trotzdem müssen viele Dinge gemeinschaftlich entschieden und erledigt werden. Hier zählt ein verlässlicher Erwartungshorizont, sagt Patricia Cammarata, Autorin des Buches "Raus aus der Mental-Load-Falle".
Beispiel 1: Urlaubsplanung
Hier müssen Paare verbindlich klären, wann die Aufgabe überhaupt beginnt, sagt die Autorin. Manche planen lieber früh, andere lassen sich Zeit. "Wenn der Partner verlässlich sagt, diese Woche schaffe ich es nicht, aber ich habe es auf dem Schirm und bringe am Wochenende Vorschläge mit, entsteht Vertrauen."
Beispiel 2: Care-Arbeit
Manche Dinge haben einfach oberste Priorität. "Ein Kind kann man nicht einfach morgen abholen, weil es heute stressig ist", sagt Cammarata. Anders, als etwa den Reifendruck zu überprüfen. Und es gibt immer Themen, bei denen einer keine Abweichungen wünscht. "Da ist mir wichtig, dass es auf eine bestimmte Art gemacht wird. Wenn zum Beispiel das Kind Logopädie hat, kann man sagen, ich möchte wirklich, dass die Übungen jeden Abend gemacht werden." Dagegen muss das Pausenbrot für die Schule nicht jeden Tag perfekt sein.
Paare beugen damit Frustration vor. Sie entwickeln das Gefühl: Wir sitzen in einem Boot. Wenn die Zeiten mal schwierig sind, kommen wir gemeinsam durch. "Das stärkt die Beziehung", sagt Müller. Man sei nie fertig mit dem Thema. "Aber irgendwann wird es weniger anstrengend."
Patricia Cammarata plädiert dafür, den Mental Load nicht nur auf praktische Alltagsdinge zu beziehen, sondern auch auf etwas, das sie "Magic" nennt. "Gemeint ist alles, was das Leben schöner, gemütlicher und liebevoller macht. Und alle Dinge, die die Beziehung lebendig und liebevoll halten." Gemeinsame freie Tage gestalten, die Wohnung schöner machen, liebevolle Gesten, kleine Aufmerksamkeiten. "Das trägt unsichtbar ganz viel zum Wohlbefinden bei."
WIEN - ÖSTERREICH: FOTO: APA/APA/dpa-tmn/Uwe Umstätter/Uwe Umstätter
