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Gegen Kurzsichtigkeit helfen weder Training noch Karotten

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Die strukturelle Verlängerung des Augapfels ist irreversibel
©APA, dpa, GMS, Florian Schuh
Selbstheilung, Muskeltraining, Ernährung: Im Internet gibt es allerlei Tipps, wie sich Kurzsichtigkeit angeblich heilen lässt. So behauptet ein Nutzer auf Facebook, seine Dioptrienzahl - die Kennzahl für die Bestimmung der Stärke von Brillengläsern - habe sich deutlich verringert. Als Gründe nennt er, dass er seine Brille nicht mehr getragen, täglich Karottensalat gegessen und sich regelmäßig in der Sonne aufgehalten habe.

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Eine solche Verbesserung der Sehstärke ist wissenschaftlich aber nicht belegt. Experten beschreiben die strukturelle Verlängerung des Augapfels als irreversibel. Dass sich die Dioptrienzahl bei einzelnen Messungen verändert, kann demnach an Tagesform und Messbedingungen liegen – und bedeutet nicht automatisch, dass die Kurzsichtigkeit zurückgeht.

Bei Kurzsichtigkeit, auch Myopie genannt, werden entfernte Objekte unscharf wahrgenommen. Sie entsteht in der Regel dadurch, dass der Augapfel im Verhältnis zu seiner Brechkraft zu lang ist. Das einfallende Licht wird dann nicht auf der Netzhaut, sondern davor gebündelt. Gegenstände in der Nähe werden scharf gesehen, in der Ferne erscheinen sie ohne Brille oder andere Sehhilfen verschwommen.

Das ausgewachsene menschliche Auge ist nach Angaben des Berufsverbands der Augenärzte Deutschlands (BVA) im Durchschnitt etwa 24 Millimeter lang. Bei Kindern kann sich eine Kurzsichtigkeit entwickeln, während der Augapfel wächst. Laut der Österreichischen Ophthalmologischen Gesellschaft (ÖOG) spielen dabei sowohl genetische als auch Umweltfaktoren eine Rolle.

Mehr Zeit im Freien - also bei Tageslicht - kann den Beginn einer Myopie verhindern oder verzögern, wie Studien zeigten. Lange Naharbeit etwa an Bildschirmen hingegen wird mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung einer Kurzsichtigkeit in Verbindung gebracht.

Tageslicht kann somit in der Kindheit helfen, einer Kurzsichtigkeit vorzubeugen oder ihr Fortschreiten zu verlangsamen. Eine bereits entstandene strukturelle Veränderung des Augapfels macht es aber nicht rückgängig. Auch für Erwachsene gilt: Selbst sehr viel Aufenthalt im Sonnenlicht lässt eine bestehende Myopie nicht wieder verschwinden.

Auch Augentraining kann die Länge des Augapfels nicht relevant verkürzen: Eine im Fachjournal "Eye" veröffentlichte Meta-Analyse chinesischer Forscher kam zu dem Ergebnis, dass Augenübungen bei der Vorbeugung oder Begrenzung des Fortschreitens einer Kurzsichtigkeit nur eine begrenzte bis gar keine Wirksamkeit haben.

Die Krankenkasse AOK fasst die Studienlage so zusammen: Es gibt keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass Augentraining das Sehvermögen verbessert. Die Augenmuskulatur ist nicht die Ursache der durch einen zu langen Augapfel bedingten Kurzsichtigkeit. Übungen können deshalb die optische Ursache der Myopie nicht beseitigen. Eine beobachtete Veränderung der Dioptrienzahl beweist keine Verkürzung des Augapfels und damit auch keine Heilung.

Und was ist mit Karotten? Sie enthalten Beta-Carotin, aus dem der Körper Vitamin A bilden kann, das für die Funktion der Netzhaut wichtig ist. Eine ausgewogene Ernährung trägt damit zur allgemeinen Augengesundheit bei. Die strukturelle Veränderung, die eine Kurzsichtigkeit verursacht, lässt sich durch Karotten-Inhaltsstoffe oder bestimmte Nahrungsergänzungsmittel aber nicht rückgängig machen. Das ergab unter anderem eine 2025 im Fachblatt "Nutrients" veröffentlichte Auswertung wissenschaftlicher Studien.

Brillen und Kontaktlinsen korrigieren die Brechkraft des Auges, damit das Bild wieder scharf auf der Netzhaut ankommt. Auch eine Laseroperation verändert nur die Brechkraft - sie verkürzt den Augapfel nicht.

BERLIN - DEUTSCHLAND: FOTO: APA/APA/dpa/gms/Florian Schuh/Florian Schuh

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