von
Für die Untersuchung wurden über 17.000 junge Menschen im Alter von 16 bis 29 aus Deutschland und Großbritannien über mehrere Jahre begleitet. Das Ergebnis: Bereits nach zwei Jahren ohne Partnerschaft sinkt die Lebenszufriedenheit messbar, ab Mitte zwanzig kommen auch verstärkt depressive Symptome hinzu.
Dabei muss Alleinsein nicht zwangsläufig Einsamkeit bedeuten. "Viele entscheiden sich bewusst dafür, nicht in einer Partnerschaft zu leben und genießen ihr Leben", sagt Sabine Diabaté. Die Wissenschaftlerin beim Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) in Wiesbaden forscht zu Familie, Elternschaft und gesellschaftlichem Wandel und ist Mitautorin einer Studie zu Einsamkeit bei jungen Erwachsenen und sagt, es komme also entscheidend darauf an, ob man freiwillig oder unfreiwillig Single ist.
"Ein solches Zusammensein erfüllt das grundlegende menschliche Bedürfnis nach Nähe auch körperlicher Art, Vertrauen und Geborgenheit", sagt Diabaté. Viele Menschen empfänden eine Partnerschaft als sicheren Hafen, in dem man gemeinsam den Tag Revue passieren lasse und Unterstützung finde.
Wer dauerhaft ohne feste Beziehung lebt, fühlt sich oft allein und schutzlos. "Dieses Gefühl von Einsamkeit wird häufig noch gestärkt, wenn Betroffene keinen engen Kontakt zur Familie und keinen stabilen Freundeskreis haben", sagt Martin Gibson-Kunze, Forscher im Kompetenznetz Einsamkeit des Instituts für Sozialarbeit und Sozialpädagogik in Berlin.
Dazu kommen gesellschaftliche Erwartungen – etwa in Form von Aussagen wie: "Du musst dir doch mal langsam jemanden suchen und eine Familie gründen." Auch der Blick in die eigene Umgebung kann belasten: Freunde, die heiraten und Kinder bekommen, romantische Paarbeziehungen in Werbung, Filmen und sozialen Medien.
Paarbeziehungen würden da oft als Lebensziel dargestellt, wie Diabaté sagt: "Dort wird häufig suggeriert, dass das Singledasein nur eine Übergangsphase ist". Das könne Menschen, die seit langem allein sind, verunsichern und Einsamkeitsgefühle stärken.
Wer seine Situation als belastend empfindet, kann der Einsamkeit aber aktiv etwas entgegensetzen. Dabei hilft zum Beispiel:
Denn gerade Social Media und Dating-Apps sind es, die bei vielen unfreiwilligen Singles zusätzlichen Druck erzeugen: den Druck, endlich jemanden zu finden. Zwischen perfekt inszenierten Beziehungsbildern im Netz und dem scheinbar unendlichen Angebot auf Dating-Plattformen fühlen sich viele Singles wie in einem Hamsterrad.
Verlief ein Date schlecht oder gab es eine Absage, kann das Selbstzweifel schüren und den Druck erhöhen, endlich den richtigen Partner oder die richtige Partnerin zu finden. "Wichtig ist hier, den Selbstwert vom Dating zu entkoppeln", sagt Gibson-Kunze. Ein Nein von der anderen Seite oder eine wenig harmonisch verlaufende Dating-Erfahrung bedeute zumeist nicht, dass man unattraktiv ist, sondern dass es einfach nicht passt.
Außerdem hilft es, mit weniger Erwartungen in ein Date zu gehen. "Es ist eine Gelegenheit, einen potenziellen Partner oder eine potenzielle Partnerin zu treffen und ihn oder sie kennenzulernen", so Gibson-Kunze: Passt es, ist es gut. Passt es nicht, ist es auch gut.
Einsamkeitsgefühle entstehen laut Diabaté oft, wenn Singles nach Nähe suchen, sie aber nicht bekommen. Was man aber auch bedenken sollte: Eine Partnerschaft könne helfen, sei aber kein Garant gegen Einsamkeit. Auch Beziehungen erforderten Zeit und Arbeit.
"Man muss sich auch hier verletzlich zeigen, um echte Nähe und Vertrautheit entstehen zu lassen", sagt die Wissenschafterin. Manche Menschen sind zudem introvertierter und benötigen mehr Zeit und Raum für sich als andere, das ist ebenso ein gültiger Lebensweg.
Wer trotz allem merkt, dass der Druck und das Gefühl der Einsamkeit nicht nachlassen, sollte gut auf sich selbst hören. "Problematisch wird Einsamkeit, wenn junge Singles ihr Alleinsein als stark belastend empfinden und sie Kontakte aus Scham aufgrund ihrer Lebenssituation vermeiden", sagt Gibson-Kunze.
Weitere Warnsignale sind laut Diabaté Energielosigkeit sowie ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit. "In solchen Fällen macht es oft Sinn, sich professionelle Hilfe zu suchen." Akut-Hilfe und Beratung in gibt es im ersten Schritt zum Beispiel bei der Telefonseelsorge.
ILLUSTRATION - Instagram und Co. sind voller (vermeintlich) glücklicher Pärchen: Der Blick in soziale Medien kann Singles ganz schön unter Druck setzen. (zu dpa: «Unfreiwillig Single? Was gegen Einsamkeit hilft») Foto: Nico Tapia/dpa-tmn - Honorarfrei nur für Bezieher des dpa-Themendienstes +++ dpa-Themendienst +++
ILLUSTRATION - Das Singledasein muss nicht automatisch das Gefühl von Einsamkeit mit sich bringen. Auch Freundschaften können Geborgenheit und Verbindung ins Leben bringen. (zu dpa: «Unfreiwillig Single? Was gegen Einsamkeit hilft») Foto: Zacharie Scheurer/dpa-tmn - Honorarfrei nur für Bezieher des dpa-Themendienstes +++ dpa-Themendienst +++






