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Bevor Eltern genervt von Labubu, Legami, Pokémon, Panini und Co. die Augenbrauen hochziehen, sollten Sie sich vielleicht kurz erinnern, was Sie als Kinder unbedingt haben und sammeln wollten - und warum?
"Vielleicht ging es auch damals schon nicht nur um komplette Sets von irgendetwas, sondern um das Dazugehören oder mega cool zu sein, wenn man von dem Objekt der Sammel-Begierde ein seltenes Exemplar zu bieten hatte", wirbt die Diplom-Sozialpädagogin Dana Mundt im Interview um einen Perspektivwechsel.
Mundt denkt, es sei hilfreicher, das Kind zu begleiten und sein Interesse ernst zu nehmen, anstatt das Sammeln grundsätzlich zu verbieten. Es sei vor allem spannend woher der Sammelwunsch komme.
Eltern könnten erst einmal nachfragen: "Was genau findest du daran toll?" Denn oftmals steckt ja mehr dahinter und es geht um Dazugehörigkeit auf dem Schulpausenhof oder auch um einen gewissen Status.
Als zweiten Schritt kann man gemeinsam mit dem Kind Regeln entwickeln und aufstellen, etwa, dass die Sammelobjekte nur vom Taschengeld gekauft werden sollen oder man vereinbart ein wöchentliches bzw. monatliches fixes Budget - maximal x Stück.
Eine weitere Möglichkeit könnte auch sein, zu besonderen Anlässen eine bestimmte Anzahl an Sammelstücken zu schenken. Statt eines Sofortkaufs können auch Wunschlisten hilfreich sein. Denn gerade, wenn ein neuer Hype aufkommt, verändert sich vor einem Geburtstag, Ostern oder Weihnachten noch einmal alles.
Manche Kinder argumentieren in solchen Situationen auch mit dem Gefühl "Ich habe ja fast nichts". Dann können Eltern dem Kind deutlich machen, was es schon alles hat - denn das verlieren Kinder oftmals aus dem Blick. Man kann gemeinsam bereits vorhandene Sammlungen zählen, sortieren und überlegen, wie man sie schön platzieren könnte. Das kann Spaß machen und reduziert eventuell den Gedanken: Ich habe fast nichts!
Laut Mundt sei Betteln häufig eher ein Austesten nach dem Motto: "Mama oder Papa, bleibst du wirklich dabei?" Oder: "Darf ich nicht vielleicht doch dieses tolle wunderschöne Set noch haben?" Im Idealfall bleiben Eltern hier erst einmal ruhig, reagieren eher kurz und konsequent mit Sätzen wie: "Ja, ich sehe, dass du dir das wünschst!" oder "Unsere Absprache bleibt!" Man könnte dem Kind auch anbieten, dafür sein reguläres Taschengeld zu verwenden.
Mundt empfiehlt, nicht direkt in eine Diskussion einzusteigen oder gar lange Rechtfertigungen liefern. Denn je mehr Argumente Eltern vorbringen, umso mehr Ansatzpunkte gibt man dem Kind zum Weiterverhandeln. Es ist besser ruhig, freundlich und konsequent bei den gemeinsam getroffenen Vereinbarungen zu bleiben.
Es wird empfohlen das Thema dann nicht vor dem Kind zu besprechen. Schon gar nicht vor dem Kind abwertende Sätze formulieren wie "Immer kauft ihr ihm oder ihr so etwas!" oder "Damit macht ihr alles kaputt, was uns wichtig ist". Das würde das Kind in einen Loyalitätskonflikt bringen, so Mundt.
Sinnvoller ist es, das Gespräch mit Oma, Opa oder anderen Verwandten unter vier Augen zu suchen und dabei wertschätzend einzusteigen. Meist möchten Großeltern ja dem Kind nur einen Wunsch erfüllen oder eine Freude machen und sie handeln aus Liebe, nicht gegen die Eltern.
Im Gespräch kann man erläutern, was einem als Eltern wichtig ist, erklären, welche Absprachen es gibt und dann gemeinsam überlegen, wie die Großeltern vielleicht unterstützen oder etwas übernehmen könnten. Bei der Absprache könnte etwa festgelegt werden, dass es die nächsten Sammelobjekte erst zum Geburtstag gibt. Bis dahin sei gemeinsame Zeit zu schenken eventuell viel wertvoller.
Hilfreich kann auch eine klare und verbindende Formulierung sein, wie: "Uns ist wichtig, dass Anton lernt, mit Geld und seinen Wünschen gut umzugehen. Können wir uns hier auf einen gemeinsamen Umgang einigen?"
ARCHIV - Chinesische Plüschfiguren mit breitem Grinsen wurden zu begehrten Sammlerstücken bei Kindern. (zu dpa: «Sammeltrends: Wie Eltern und Kinder durch Hypes navigieren») Foto: Jens Kalaene/dpa/dpa-tmn - Honorarfrei nur für Bezieher des dpa-Themendienstes +++ dpa-Themendienst +++






