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Wie der Mensch kommt auch der Kaffee aus Afrika. Genauer gesagt aus Äthiopien. Laut dem Buch "Faszination Kaffee" entdeckten die Menschen in der Provinz Kaffa im Hochland von Abessinien als erste die beflügelnde Wirkung. Der Legende zufolge beobachtete ein Hirte, dass seine Ziegen die roten Kirschen von einem Strauch fraßen und danach aufgedreht umhersprangen. Also kostete er selbst - und war begeistert.
Anfangs kneteten Nomaden zerstoßene Bohnen mit Fett zu Bällchen, die sie als Wegzehrung aßen. Später wurden die Kirschen mit Blättern wie ein Tee aufgegossen. Erst die Araber rösteten die Bohnen, Pilger tranken das schwarze Gebräu in den Moscheen von Mekka. Von der Hafenstadt Mokka im Jemen aus verschifften Händler den "Wein des Islam" in alle muslimischen Länder. Und 1624 wurden die ersten Säcke im Hafen von Venedig von Bord geschleppt - wo bald auch das berühmte Café Florian eröffnete. Kaffeehäuser in Oxford, London und Paris folgten.
Bäume und Sträucher der Gattung Coffea wachsen rings um die Welt in über 70 Ländern des Kaffeegürtels, zwischen dem 30. Breitengrad Nord und Süd, zum Beispiel in:
Den globalen Markt dominieren aber zwei Länder: Brasilien und Vietnam fahren zusammen mehr als die Hälfte der Welternte ein. Auf riesigen Plantagen werden ertragreiche Züchtungen mit ausgeklügelten Methoden gedüngt und bewässert. Geerntet wird besonders in Brasilien mithilfe von Maschinen.
Die meisten Kaffeebauern in Afrika und Mittelamerika dagegen pflücken die Kirschen bis heute per Hand - immerhin mehr als ein Drittel der Welternte. Für die Qualität, sagt Kaffeeexperte Holger Preibisch, sei diese archaische Methode weiter unschlagbar.
Von den mehr als hundert Arten von Kaffeebäumen und -sträuchern werden nur zwei in großem Maßstab angebaut. Arabica war die erste Art, die europäische Kolonialisten in Sri Lanka, der Karibik und in Südamerika anbauten. Und für Kaffeekenner bleibt die ovale Bohne bis heute die beste. Denn Arabica enthält viele Öle, die das Aroma ausmachen:
Die Vorteile des Robusta lässt sein Name erahnen.
Und deutlich mehr Chlorogensäure. Deshalb schmeckt Robusta:
Zudem entfaltet er beim Rösten weniger feine und komplexe Aromen. Und er habe ein "typisches Fehlaroma", sagt Lebensmittelchemikerin Sara Marquart, die dazu an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) geforscht hat. "Du schmeckst immer raus, dass es Robusta ist." Wer einen feinen, eleganten Kaffee bevorzugt, sollte also reinen Arabica kaufen. Dieser hat allerdings seinen Preis. Wer mehr Koffein will, ist mit einer Mischung gut bedient - je nach Geschmack und Koffein-Bedürfnis beispielsweise im Verhältnis 50:50 oder 80:20.
Bisher macht Arabica 60 Prozent der weltweiten Ernte aus, Robusta 40 Prozent. Der Klimawandel dürfte dieses Verhältnis aber umkehren. Bis 2050 werden steigende Temperaturen dazu führen, dass die Bauern Arabica auf der Hälfte der bisherigen Fläche nicht mehr anbauen können, erklärt Sara Marquart.
In den Hügeln Mittel- und Südamerikas werde es voraussichtlich mehr Starkregen, Überschwemmungen und Erdrutsche geben, sagt der Experte Andreas Felsen. Dadurch würden Pilzkrankheiten wie Kaffeerost zunehmen. In Brasilien und Äthiopien dürften Dürren häufiger werden. Betroffen seien vor allem Kleinbauern, die nicht mit Mineraldüngern und Pestiziden gegensteuern könnten, sagt Felsen.
In höhere Lagen auszuweichen, sei aufwendig, teuer und wegen der Frostgrenze oft unmöglich. Die weltweite Arabica-Ernte dürfte also in den nächsten Jahrzehnten fallen. Die Preise dürften steigen. Als Notlösung werden viele Bauern wahrscheinlich auf Robusta umsteigen.
Für die Branche seien die Probleme aber lösbar, sagt Holger Preibisch vom deutschen Kaffeeverband. Die Anbaugebiete dürften sich verschieben, zudem setzt er auf neue, widerstandsfähige Züchtungen. Ein Schlüssel dafür könnte der Genpool von Wildkaffees sein.
Hand aufs Herz: Kaffee hat nicht die beste Ökobilanz.
Aber Kaffeetrinker können ihren ökologischen Fußabdruck durchaus verkleinern.
1. Wer per Hand mahlt, spart den Strom für die elektrische Mühle.
2. Statt jedes Mal 20 Minuten die Espressomaschine vorzuheizen, kann man sich zwischendurch auch mal einen Filterkaffee aufbrühen.
3. "Aber am schlimmsten für die Ökobilanz ist Kaffee, der in der Kanne bleibt und weggeschüttet wird", sagt Sara Marquart.
4. Die schwierigste und wichtigste Entscheidung treffen Kaffeetrinker allerdings im Geschäft.
Kaffee war lange ein koloniales Handelsgut. Bis heute wird er in den armen Ländern des globalen Südens angebaut und vor allem in wohlhabenden Industriestaaten getrunken. Und Kaffee ist einer der bedeutendsten Rohstoffe auf dem Weltmarkt, Millionen von Bauern hängen von ihm ab. Fairtrade- und Bio-Initiativen drängen sich also geradezu auf.
Entsprechend viele Siegel gibt es:
Grundsätzlich gilt: Jedes Siegel ist besser als keines. Das Problem ist, dass nachhaltiger und fairer Handel nicht gesetzlich geregelt ist - anders als das EU-Bio-Siegel, das einer EU-Verordnung unterliegt. Heißt: "Jeder darf sich fair nennen", sagt Holger Preibisch. Viele vermeintliche Fairtrade-Verkäufer bezahlten den Bauern "anachronistische Niedrigpreise", kritisiert Andreas Felsen. Der Direktimporteur bezahlt drei US-Dollar pro angelsächsischem Pfund, also 454 Gramm - rund doppelt so viel wie der Weltmarktpreis. Und die Preise steigen automatisch mit der Inflation, sagt Felsen.
Noch wichtiger für die Bauern ist, dass Importeure den kleinbäuerlichen Kooperativen garantieren, im nächsten Jahr mindestens die gleiche Menge zu kaufen. Bei kleinen Röstereien können Kunden recht leicht testen, ob sie fair und nachhaltig sind oder ob die angebliche Gesinnung nur Marketing-Blabla ist.
Andreas Felsen rät, die Rösterei direkt zu fragen:
Jede wirklich faire Rösterei könne darauf antworten und konkrete Zahlen nennen. "Bei den anderen bekommt man schnell Ausflüchte zu hören."
WIEN - ÖSTERREICH: FOTO: APA/APA/dpa-tmn/Jens Büttner/Jens Büttner
