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Zivilschutz Österreich: Vorbereitung auf Katastrophen und Notfälle

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Zivilschutz
Zivilschutz©Elke Mayr

Mit dem Zivilschutz soll die Bevölkerung darauf vorbereitet werden, sich vor Katastrophen wie Atom- oder Chemieunfälle oder Notsituationen wie etwa ein Blackout sowie auch mögliche Naturkatastrophen bestmöglich zu schützen. Der Zivilschutz ist Teil der österreichischen Sicherheitsstrategie, ist im BMI angesiedelt und wird zu großen Teilen vom österreichischen Zivilschutzverband durchgeführt.

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Was fällt unter Zivilschutz?

Eigentlich wurde unter Zivilschutz der Schutz der Bevölkerung vor kriegerischen Ereignissen verstanden. Seit Mitte der 1980er-Jahre wurde dieser jedoch – auf Initiative des BMI – neu ausgerichtet und der Fokus auf den Schutz vor zivilen Katastrophen gelegt, das betrifft auch den Selbstschutz bzw. die Aufklärung dazu. Schutz vor kriegerischen Ereignissen trat in den Hintergrund. In der aktuellen Österreichischen Sicherheitsstrategie 2024, die die Strategie von 2013 weiterentwickelt, werden unter anderem die Auswirkungen des Klimawandels sowie weitere miteinander verknüpfte Krisen als große Bedrohungen und Herausforderungen benannt.

Zivilschutz wird heute laut BMI definiert als „Gesamtheit aller Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung vor Gefahren, die von Naturereignissen sowie technischen, terroristischen oder kriegerischen Ereignissen ausgehen“.

Das internationale Schutzzeichen des Zivilschutzes ist ein gleichseitiges blaues Dreieck auf orangem Hintergrund. Es wurde von Erik Schultz als einer von ca. 50 Vorschlägen eingebracht und wurde 1977 von einer Expertengruppe gewählt, da die Farben Blau und Orange gut sichtbar sind und auch unter Infrarot einen guten Kontrast bilden und somit auch mit Nachtsichtgeräten sichtbar sind.

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Zivilschutzzeichen

Internationales Schutzzeichen des Zivilschutzes

 © Wikimedia Commons, EPO

Zivilschutz, Bevölkerungsschutz und Katastrophenschutz – was ist was?

Die Begriffe Zivilschutz, Bevölkerungsschutz oder Katastrophenschutz werden oftmals ähnlich verwendet. Doch was bedeutet eigentlich was genau? Das Krisen- und Katastrophenmanagement des BMI definiert die Begriffe wie folgt:

  • Unter Zivilschutz versteht man in Österreich alle Maßnahmen, die die Bevölkerung vor Gefahren wie Naturereignissen sowie technischen, terroristischen oder kriegerischen Ereignissen schützen.

  • Katastrophenschutz wird als “Gesamtheit aller vor Eintritt einer Katastrophe getroffenen Maßnahmen in der Katastrophenvermeidung und Katastrophenvorsorge“ verstanden.

Da die Unterscheidung jedoch eher schwierig ist, wird zunehmend der Terminus “Bevölkerungsschutz” als Überbegriff für beides verwendet – und Zivilschutz darunter wieder mehr als Schutz vor kriegerischen Ereignissen verstanden und Katastrophenschutz für Natur- oder technische Gefahren verwendet.

Was macht der österreichische Zivilschutzverband?

Der österreichische Zivilschutzverband (ÖZV) ist keine Einsatzorganisation, sondern hat vielmehr die Aufgabe, Präventionsarbeit zu leisten. Das heißt, der Verband informiert die Bevölkerung über Selbstschutzmaßnahmen, das Erkennen einer Gefahr sowie das richtige Verhalten im Falle einer Notsituation.

Der Zivilschutzverband organisiert zu diesem Zweck Vorträge und Veranstaltungen und stellt Informationsangebote bereit. Online informieren auch die Sicherheits-Informationszentren (SIZ) der Landesverbände.

Der österreichische Zivilschutzverband ist in Landesverbänden und einem darüber stehenden Bundesverband organisiert.

Links zu ausgewählten Landesverbänden:

Der offizielle Zivilschutz-Shop der Zivilschutzverbände Österreichs wird von der Zivil- und Katastrophenschutz Einkauf und Service GmbH betrieben. Dort gibt es Produkte zur Vorbereitung auf Katastrophen oder Notfälle, etwa Notfallboxen, Wasserfilter oder Ausstattung für den Blackout-Fall.

Wer muss oder kann Zivilschutz leisten?

Im österreichischen Zivilschutzsystem spielen staatliche Institutionen und Behörden eine entscheidende Rolle. Das österreichische Innenministerium ist für die Koordination des staatlichen Krisenmanagements und somit auch für den Zivilschutz zuständig. Die Abteilung II/ORK/10 (Krisenmanagement, Lageinformation und Leitstellenangelegenheiten) innerhalb des Ministeriums überwacht und koordiniert die Maßnahmen zur Vorbereitung und Reaktion auf Krisensituationen.

Da es beim Zivilschutz zu großen Teilen um die Information und Prävention geht, leistet hier vor allem der österreichische Zivilschutzverband die Hauptarbeit(siehe Kapitel Zivilschutzverband).

Was tun beim Atomunfall oder Chemieunfall?

Die österreichischen Behörden treffen je nach Ausmaß des radiologischen oder chemischen Notfalls Schutzmaßnahmen. Frühwarnung liefert das Strahlenfrühwarnsystem mit über 300 automatischen Messstationen. Die Bevölkerung wird im Ernstfall über Sirenensignale und das Handy-Warnsystem AT-Alert gewarnt. Schutzmaßnahmen und Informationen gibt es über Radio und Fernsehen und die Website notfallschutz.gv.at.

Vor, während und nach dem Durchzug der radioaktiv kontaminierten Luftmassen sollte man sich auf jeden Fall laufend über Radio, Fernsehen beziehungsweise weitere offizielle Medien informieren und die Anweisungen der Behörden beachten, wie das BMI auf oesterreich.gv.at unter "Verhalten bei radiologischen Notfällen" rät.

Einige der generell empfohlenen Maßnahmen des BMI im Fall eines Atomunfalles sind:

  • Sich in Gebäuden aufhalten: umgehend Gebäude aufsuchen und dort bis zur Entwarnung durch die Behörden bleiben

  • Alle Fenster und Türen schließen sowie Klima- und Lüftungsanlagen, soweit möglich, abschalten

  • Im Freien befindliche Gegenstände (Spielsachen, Wäsche etc.) und Haustiere ins Haus bringen

  • Kaliumiodid-Tabletten bereithalten (erhältlich in Apotheken und bei von der Behörde benannten Abgabestellen) und erst nach behördlicher Anweisung einnehmen.

  • Aufenthalt im Freien, wenn möglich, meiden oder kurz halten, um die Strahlenbelastung gering zu halten

  • Nach einem Aufenthalt im Freien: Schuhe und Überbekleidung vor dem Betreten der Wohnung ablegen und später durch Abbrausen oder feuchtes Abwischen vom radioaktiven Staub reinigen.

  • Hände waschen und gründlich duschen

  • Kein frisches Obst oder Freilandgemüse aus dem Garten ernten und essen

Bei einem Chemieunfall ist vor allem wichtig, den behördlichen Anweisungen zu folgen.

Dazu passend:

Tipps zum Selbstschutz: Checkliste und Vorräte

Es gibt natürlich nicht die eine Checkliste, da jede Krisensituation eine andere ist. Zunächst gilt aber ein “Basisrezept” für alle Szenarien:

  1. Überlegen, welche Szenarien einen selbst betreffen können

  2. Entsprechende Vorräte anlegen

  3. Pläne mit den Menschen aus dem Haushalt sowie dem weiteren Umfeld vorab besprechen

  4. Haushalt immer wieder überprüfen.

Die Bundesregierung rät, für mindestens 10 bis 14 Tage vorzusorgen (Blackout-Vorsorge auf oesterreich.gv.at). Ansonsten wird geraten, in folgenden Punkten Vorkehrungen zu treffen, um für den Krisenfall gerüstet zu sein:

  • Notfallplan: Dinge in der Familie klären, wie etwa einen Treffpunkt außerhalb des Haushalts, falls dieser nicht zu betreten ist, bzw. Handlungsanweisungen in verschiedenen Szenarien

  • Notfallgepäck: Was mitnehmen, wenn man einige Tage nicht nach Hause kann?

  • Kommunikation: Woher kann man im Ernstfall Informationen beziehen? Es empfiehlt sich ein Notfallradio mit Batterien oder Kurbelantrieb.

  • Lebensmittel: Vorräte zuhause für ca. 10-14 Tage, dabei auf ausgewogene Ernährung achten sowie lange Haltbarkeit - und auch Zubereitbarkeit

  • Licht: Taschenlampe, Batterien

  • Kochen: Welche Kochmöglichkeit gibt es, falls es keinen Strom gibt? Zum Beispiel Campingkocher

  • Haushaltsapotheke

  • Hygieneartikel

  • Abfall und Abwasser: Sollte es nicht möglich sein, die eigenen vier Wände zu verlassen, empfiehlt es sich, Behälter für Abwasser und Müllsäcke für Abfälle bereitzuhalten.

Die 10 wichtigsten Vorrats-Tipps im Überblick:

  1. Als Referenzwert gelten 2,5 Liter Trinkwasser pro Tag und Person – für zwei Wochen sind das rund 35 Liter. Das empfiehlt auch die Bundesregierung zur Blackout-Vorsorge.

  2. Die eingelagerten Lebensmittel sollten lange haltbar sein und regelmäßig auf ihr Ablaufdatum kontrolliert werden. Monatelang haltbare Lebensmittel sind beispielsweise Zucker, Reis, Teigwaren, Kondensmilch, Schmelzkäse, Dosenfleisch, Dauerwurst oder getrocknete Hülsenfrüchte.

  3. Der Haushalt sollte im Idealfall über eine stromunabhängige Kochgelegenheit wie einen Gaskocher verfügen.

  4. Man sollte auch Wasser zur Hygiene und zum Kochen mit einkalkulieren.

  5. Hygieneartikel wie Müllbeutel, Plastikteller und Plastikbesteck sollten ebenfalls vorrätig sein.

  6. Um bei einem Stromausfall Informationen empfangen zu können, eignen sich Kurbel- oder Batterieradios mit Ersatzbatterien; auch das Autoradio ist eine Möglichkeit. Im Blackout informiert ein Notfallradiosender rund um die Uhr.

  7. Hausapotheke und Verbandskasten sollten gut ausgestattet und regelmäßig kontrolliert werden.

  8. Bargeld sollte im Notfall ebenfalls griffbereit sein. Die Oesterreichische Nationalbank empfiehlt etwa die Höhe eines doppelten Wocheneinkaufs (bzw. bis zu 100 Euro pro Haushaltsmitglied) in kleinen Scheinen.

  9. Die Dokumentenmappe sollte vollständig und idealerweise wasserdicht verpackt sein.

  10. Gegenseitige Hilfe - vor allem in der Nachbarschaft - ist im Notfall das Wichtigste.

Sirenenalarm: Was welches Warnsignal bedeutet

Im Ernstfall wird die Bevölkerung in Österreich auch über rund 8.400 Sirenen gewarnt. Die Signale: Die Warnung (3 Minuten gleichbleibender Dauerton) bedeutet herannahende Gefahr, der Alarm (1 Minute auf- und abschwellender Heulton) unmittelbare Gefahr, die Entwarnung (1 Minute gleichbleibender Dauerton) das Ende der Gefahr. Die Sirenenprobe dauert 15 Sekunden (Signalübersicht des BMI). Wer Sirenen hört, soll Radio oder Fernseher einschalten und auf Durchsagen der Behörden achten. Damit die Signale bekannt bleiben und die Anlagen funktionieren, wird einmal jährlich österreichweit ein Zivilschutz-Probealarm durchgeführt – zuletzt am Samstag, 3. Oktober 2026, zwischen 12 und 12.45 Uhr.

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Sirenenalarm: Grafik zu unterschiedlichen Signaltönen.

Mehr Informationen dazu unter: Sirenenalarm Österreich: Was bedeutet welches Warnsignal?

 © Martin Czwiertnia

Zusätzlich zu den Sirenen gibt es mit AT-Alert ein Bevölkerungswarnsystem per Handy. Es basiert auf „Cell Broadcast“: Behörden senden Warnmeldungen direkt an alle Mobiltelefone im betroffenen Gebiet. Eine App oder Anmeldung ist nicht nötig; auf aktuellen Smartphones (Android ab Version 11, iOS ab 17.4) ist der Empfang laut BMI automatisch aktiviert. Die höchste Stufe, der Notfallalarm, lässt sich nicht deaktivieren. AT-Alert ergänzt die Sirenen, ersetzt sie aber nicht. Beim jährlichen Probealarm wird auch AT-Alert österreichweit getestet.

Der Zivilschutzverband bietet zudem eine Benachrichtigung über Katastrophen und Notsituationen per SMS an. Es werden durch die Gemeinde (Absender ist stets der/die Bürgermeister:in) regionale Infos und Verhaltensanweisungen schnell verbreitet. Die Anmeldung ist kostenlos und kann unter https://zivilschutz-sms.at/ durchgeführt werden.

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