Astrid Steharnig-Staudinger
©STEFAN JOHAMGäste denken nicht mehr in Saisonen und wir als Tourismusland sollten das auch nicht mehr tun. Warum Österreich eine Ganzjahresdestination ist, wie Land und Gäste davon profitieren und was der Eurovision Song Contest damit zu tun hat.
Von Astrid Steharnig-Staudinger, CEO Österreich Werbung
Viele Jahrzehnte lang kannte der Tourismus genau zwei Jahreszeiten: Sommer und Winter. Zwischen den Saisonen war Pause. Die Betriebe geschlossen, die Lifte in Revision, die Gehsteige hochgeklappt.
Aber das war einmal. Gerade die ehemaligen „Nebensaisonen“ entwickeln sich zu waschechten Wachstumstreibern.
Verändertes Reiseverhalten
Das hat viel mit einem veränderten Reiseverhalten zu tun. Gäste suchen heute bewusster nach Ruhe, Qualität und authentischen Erlebnissen. Sie wollen nicht mehr automatisch in den Hauptferienzeiten reisen.
Das zeigt sich in der Statistik: 2025 war gleichzeitig das nächtigungsstärkste und ausgewogenste Jahr in Österreichs Tourismusgeschichte. Bereits mehr als 28 Prozent aller Nächtigungen entfielen auf Monate außerhalb der klassischen Hochsaison. Das verändert den Tourismusstandort nachhaltig.
365 Tage Saison
Österreich hat zwölf Monate Saison, nur das Outfit wechselt: mal Ski, mal Wanderschuhe, mal Dirndl. Von Kultur- und Musikformaten über regionale Kulinarik bis hin zu Bewegung in der Natur entstehen in immer mehr Regionen vielfältige Angebote, die nicht mehr saisonal gedacht sind.
Natürlich: Nicht jedes einzelne Angebot kann buchstäblich 365 Tage im Jahr offenhalten. Aber wir können sicherstellen, dass Gäste zu jedem Zeitpunkt attraktive Angebote vorfinden; dass aus klassischen Saisonmodellen durch kluge Weiterentwicklung echte ganzjährige Erlebnisräume werden.
Alle profitieren
Vom Fokus auf Ganzjahrestourismus profitieren alle. Betriebe gewinnen an Stabilität und Planbarkeit, Regionen an nachhaltiger Wertschöpfung und der Tourismus insgesamt an Balance. Nachfrage kann besser verteilt, Hotspots können entlastet und Beschäftigungsperspektiven attraktiver gestaltet werden.
Ganzjahrestourismus ist damit nicht nur eine Marktchance, sondern auch eine wichtige Antwort auf die Frage, wie Tourismus wirtschaftlich erfolgreich, ausgewogen und gesellschaftlich akzeptiert bleiben kann.
Österreich als Ganzes denken
Für uns als Österreich Werbung ist das daher ein klarer strategischer Fokus: Wir denken Österreich als Ganzes. Als Destination, die zu jedem Zeitpunkt relevant ist und die passenden Angebote hat. Die Erzählung ändert sich, weg von Saisonbildern hin zu einer Marke, die das ganze Jahr über anschlussfähig ist.
Song Contest als Bühne
Der Eurovision Song Contest (ESC) bietet in diesem Jahr dafür eine besondere Bühne. Unsere Message: Wir sind nicht nur Gastgeber, wir sind das Erlebnis. 60 bis 70 Prozent der Menschen reisen mittlerweile extra zu Konzerten und über 40 Prozent entdecken dabei neue Destinationen. Der Trend „Gig Tripping“ bringt uns ein neues, jüngeres Publikum.
Diese jungen Reisenden kommen für den Eurovision Song Contest und bleiben, um Österreich zu erkunden. Wir nutzen die Aufmerksamkeit, um uns als Land zu zeigen, das nicht nur für einen Moment im Rampenlicht steht, sondern bleibende Erlebnisse verspricht. An 365 Tagen im Jahr.
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Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 18/2026 erschienen.






